Anleger sollten Rentendepot durchforsten
Mit Anleihen lassen sich noch Steuern sparen

Der Termin für die ungeliebte Steuererklärung rückt näher. Noch können Investoren ihre Belastungen für das laufende Jahr jedoch senken, wenn sie die richtigen Bonds kaufen. Das gilt vor allem für Anleger, die ihren Freibetrag für Zinseinkünfte bereits ausgeschöpft haben. Für sie stehen eine Reihe von Anleihen zur Auswahl.

FRANKFURT/M. "Das Vorurteil hohe Nominalzinsen gleiche hohe Rendite ist nur schwer aus den Köpfen der Anleger zu bekommen." Diese Erfahrung hat Klaus Holschuh, Leiter des Renten-Researchs bei der DZ Bank, schon oft gemacht. Dabei muss bei Anleihen immer der Zinsschein im Vergleich zum Kurswert gesehen werden. Liegt dieser über den 100 %, zu denen die Anleihe zurückgezahlt wird, verringert sich automatisch die Rendite.

Genau so wichtig ist der steuerliche Aspekt, denn Zinserträge, die über dem Freibetrag von 3 000 DM liegen, müssen prinzipiell versteuert werden. Viele Investoren dürften diesen Freibetrag bereits ausgeschöpft haben, meint Hartmut Preiß, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Für sie gebe es zahlreiche Möglichkeiten, ihr Anleihedepot steuerorientiert auszurichten.

"So entlasten zum Beispiel so genannte negative Stückzinsen den Freibetrag", erklärt Preiß. Wenn ein Anleger jetzt noch eine Anleihe kauft, deren Zins erst im nächsten Jahr zum Kupontermin gezahlt wird, muss er dem Anleger, der die Anleihe verkauft, die anteiligen Stückzinsen zusätzlich zum Kaufpreis des Bonds zahlen. Diese Stückzinsen kann er bei der Einkommensteuer als negative Einnahmen angeben. Dabei sind die Stückzinsen um so höher, je näher der Kupontermin liegt. "Kurz vor Jahresende lohnt es sich besonders, noch negative Stückzinsen zu generieren", meint auch Ralf Burmeister, Rentenanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Ein Klassiker unter den steuerlich günstigen Bonds sind solche mit niedrigem Zinsschein und entsprechend niedriger Steuerbelastung, deren Kurs unter dem Nominalwert liegt. Wenn die Anleihen zwölf Monate gehalten werden und die Kursgewinne bestimmte Sätze nicht übersteigen, sind die Kursgewinne steuerfrei. So bringt zum Beispiel eine Anleihe der DZ Bank mit einem Kupon von 2,4 % und einem Kurs von 96,10 % eine Rendite von 2,48 %, bei einem angenommenen Steuersatz von 53 %. Eine vergleichbare Anleihe mit einem Kurs von 100 % müsste vor Steuern eine Rendite von 5,28 % erbringen, um nach Steuern dieselbe Rendite zu erzielen, erklärt Preiß.

Ein Problem sei allerdings, dass es bei dem derzeitigen recht niedrigen Zinsniveau nur noch recht wenige Bonds gebe, die unter pari notieren, erklärt Burmeister. In der Regel haben Anleger bei niedrig bewerteten Anleihen Kursgewinne, wenn sie die Bonds bis zur Endfälligkeit halten, denn dann werden sie zum Nennwert von 100 % - Experten sagen zu pari - zurückgezahlt.

Das gilt auch für so genannte Nullkuponanleihen, also Bonds, die keinen Zinsschein haben, aber deutlich unter pari notieren. Nullkuponanleihen oder Zerobonds gelten allerdings als so genannte Finanzinnovationen, deshalb müssen bei ihnen die Kursgewinne versteuert werden. Mit Zerobonds lässt sich die Steuerlast also in die Zukunft verschieben, und zwar langfristiger als bei negativen Stückzinsen. "Diese Papiere eignen sich für Anleger, die absehen können, dass ihr individueller Steuersatz in Zukunft sinkt", erklärt Preiß. Dies sei zum Beispiel für Investoren der Fall, die sich auf absehbare Zeit aus dem Berufsleben zurückziehen oder größere steuerlich absetzbare Anschaffungen planen.

Weniger Steuern auf Zinserträge müssen Anleger bei Anleihen von Ländern zahlen, die dem so genannten Doppelbesteuerungsabkommen unterliegen. Dabei kann eine fiktive Quellensteuer auf die ausländischen Zinseinkünfte angerechnet werden, auch wenn im Ausland gar keine Quellensteuer gezahlt wurde. So lässt sich bei Anleihen aus Portugal oder Brasilien eine Quellensteuer von 15 % bzw. 20 % anrechnen, bei der sich entsprechend die Steuerlast in Deutschland verringert. Das Doppelbesteuerungsabkommen gilt beispielsweise auch für Argentinien. Doch da das Land derzeit akute Zahlungsschwierigkeiten hat, ist nach Meinung vieler Analysten das Risiko sehr hoch, dass die Anleihen nicht mehr zurückgezahlt werden. Portugal dagegen gilt als recht sicheres Investment, Brasilien eignet sich für risikofreudigere Anleger.

Steuerliche Verluste können Anleger geltend machen, die Aktienanleihen gekauft haben. Aktienanleihen haben meist recht hohe Zinsscheine, doch dafür kann der Emittent der Anleihe - meist Banken - zum Ende der Laufzeit wählen, ob er die Anleihe zum Nennwert oder eine festgelegte Anzahl von Aktien auszahlt. Anleger, die in diesem Jahr Aktien für ihre Bonds erhalten haben, können den Betrag zwischen Kaufpreis der Anleihe und Kurswert der Aktien steuerlich geltend machen - zumindest ein Trost für die erlittenen Verluste.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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