Anleger sollten sich bestehender Risiken bewusst sein
Hedge Funds scheuen Stress nicht

Die Börsenbaisse hat zahlreiche Aktien zu "Schnäppchen" gemacht. Viele Firmen stehen rezessionsbedingt am Abgrund. Doch dies ist die Situation, die Manager von Hedge Funds für die Umsetzung ihrer Strategie brauchen. Diese Experten investieren in Aktien von Unternehmen, die sich in besorgniserregenden Situationen befinden.

HB FRANKFURT/M. Hedge Funds mischen weiter die Finanzmärkte auf. Immer mehr Anleger interessieren sich derzeit für Hedge Funds, deren Anlagestrategie auf den Kauf von "distressed securities" ausgerichtet ist. Dabei handelt es sich um Aktien und Anleihen von Unternehmen, die sich in besorgniserregenden ("distressed") finanziellen Situationen befinden. Alexander Ineichen von UBS Warburg in London sieht dies derzeit als "Lieblingsstrategie" der Hedge Funds. Bei Hedge Funds handelt es sich um meist unregulierte Kapitalsammelstellen. Der Reiz dieser "Mini-Investmentbanken" liegt darin, dass sie frei agieren und nur wenigen Beschränkungen unterliegen. Sie können auf steigende und fallende Kurse setzen. Solche anlagepolitische Freiheiten nutzen auch Hedge Funds des Bereichs "distressed securities". Unter konjunkturzyklischem Blickpunkt sei dies ein idealer Zeitpunkt für die Umsetzung solchen Strategien, sagt Ineichen. Bei einer Konjunkturerholung steigen die Chancen, dass derzeit ums Überleben kämpfende Firmen ihre Probleme beseitigen und die Aktien- und Anleihenkurse dann überproportional steigen. Ähnlich sieht auch Sy Schlueter die Dinge. Der geschäftsführende Partner des Hedge Funds-Unternehmens CAI in Frankfurt sagt: "Nachdem die Anleger zuletzt Aktien von Unternehmen mit solider Bewertung und stabilen Vermögenswerten in die Höhe getrieben haben, ist jetzt ein Umdenken zu beobachten.". CAI setze seit einigen Wochen z.B. nicht mehr auf weiter sinkende Kurse von Telekomaktien. Hier habe die Gefahr eines "Short Squeeze" zugenommen, da Hedge-Funds-Manager in diesem Segment zuletzt stark auf sinkende Kurse gesetzt hätten.

Ein "Short Squeeze" entsteht dann, wenn sich eine zuvor auf steiler Talfahrt befindliche Aktie kräftig erholt. Dann müssen die auf sinkende Aktienkurse spekulierenden Marktteilnehmer ihre Leerverkaufs-Positionen (oftmals mit großem Verlust) eindecken. Durch ihre Rückkäufe verstärken sie darüber hinaus die Kurserholung der betreffenden Aktie noch. In diesem Kontext verwies der Fachmann auf die diesbezüglich jüngste Kurserholung von France Telecom.

Schlueter sieht am Neuen Markt der deutschen Börse zahlreiche Unternehmen die sich in einer besorgniserregenden finanziellen Situation befinden, deren Entwicklungschancen auf mittlere Sicht jedoch vielversprechend seien. Auch Aktien wie Deutsche Telekom, Babcock Borsig und Cargolifter seien in die Kategorie der "distressed securities" einzureihen. Alexander Ineichen glaubt jedoch nicht, dass die großen US-Hedge Funds mit dieser Strategie stärker am deutschen Markt aktiv werden. "Für den typischen angelsächsischen Hedge Funds fallen Deutsche Telekom nicht in diese Rubrik", sagt Ineichen. In den USA würden unter "distressed securities" ausschließlich Unternehmen gesehen, die sich unter §11 des Konkursgesetzes gestellt und mit gezielten Maßnahme eine Reorganisation vorantreiben.

Da US-Insolvenzverfahren rascher umgesetzt werden als in Europa, seien die Perspektiven für Hedge Funds dort besser. Nach der Änderung des US-Konkursrechtes im Jahr 1978 ist es Unternehmen möglich, schwache Bilanzen zu reorganisieren und nicht die gesamte Firma zu liquidieren. Hiervon profitieren Gläubiger, weil die Unternehmen nach der Reorganisation einen Teil der Schulden zurückzahlen oder Schulden in Eigenkapital umwandeln können. Nicht für alle Hedge-Fund-Manager ist die Zeit für Investments in "distressed securities" gekommen. "An den Märkten geht es unheimlich zu. Die Dinge werden erst noch schlechter, bevor sie besser werden können", sagt der auf diese Strategie spezialisierte Londoner Hedge-Fund-Manager Gary Klesch.

"Warum sollte ich mir mit Investments in K-Mart oder anderen potenziellen Pleitekandidaten Probleme einkaufen", fragt Walter Pistor, Experte beim US-Finanzhaus Strand, Atkinson, Williams & York. Interessant sei es für ihn allerdings, das Volumen der Leerverkäufe in solch stark gedrückten Aktien zu beobachten. "Für Leerverkäufer ist das Risiko in bereits stark gedrückten Aktien sehr hoch", sagt Pistor. Wegen der hohen Leerverkaufs-Volumen seien Aktien wie z.B. Corning und JDS Uniphase für spekulativ orientierte Anleger interessant.

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