Anleger-Sorgen über Brasiliens Schuldenlage
Europas Börsen auf Berg- und Talfahrt

Die europäischen Börsen haben den Handelstag am Freitag uneinheitlich beendet. Der DJ-Stoxx50-Index lag 0,41 Prozent im Minus auf 2971,6 Zählern. Das Handelsvolumen war durch den Verfallstag bei den Derivaten von hohen Umsätzen und grossen Kursschwankungen geprägt.

Reuters FRANKFURT/MAIN. Unterstützung kam laut Händlern von überverkauften Versicherungsaktien wie etwa Zurich Financial Services aber auch von Bankaktien, die kräftig zulegen konnten. Die Dollarschwäche hingegen wirkte sich negativ auf Autoaktien diesseits des Atlantiks sowie auf Firmen aus, die grosse Dollar-Geschäfte haben wie etwa der Mediengigant Vivendi Universal. Der schwache Dollar verteuert etwa die europäischen Autolieferungen in die USA.

Schwächere brasilianische Staatsanleihen signalisierten die Sorgen der Anleger über die Schuldenlage des lateinamerikanischen Landes vor den kommenden Präsidentschaftswahlen im Oktober. Aktien einiger der dort engagierten Standardwerte wie Santander Central Hispano, ABN-Amro oder Telefonica mussten Kursverluste hinnehmen. Ein wenig Aufhellung kam vom britischen Hersteller medizinischer Bauteile Smith & Nephew. Die Aktien legten nach einer Höherstufung durch die deutsche Bank rund sieben Prozent zu.

London

Die Börse London notierte am Freitag fester. Der FTSE-100-Index legte um 0,55 Prozent auf 4605 Punkte zu. Bankwerte profitierten von Gelegenheitskäufen einiger Anleger. Insgesamt stand der Handelstag jedoch ganz im Zeichen des "Hexensabbat". Damit bezeichnen Händler den Verfallstermin von Optionen und Futures auf Aktienindizes und Optionen auf einzelne Aktien. Die Märkte reagieren darauf in der Regel mit hohen Umsätzen und stark schwankenden Kursen.

Bei den Banken gewannen Barclays 3,8 Prozent, während HBOS und Royal Bank of Scotland über drei Prozent zulegten. Im Pharmasektor konnten AstraZeneca und GlaxoSmithKline Kursavancen zwischen 0,5 und 0,7 Prozent verbuchen. Ferner legten auch die in letzter Zeit arg gebeutelten Werte Vodafone und Reuters zu.

Zürich

Die Schweizer Aktien schlossen am Freitag nach einem volatilen Verlauf etwas fester. Zu den grössten Gewinnern gehörten die in jüngster Zeit und im frühen Handel von starken Abgaben belasteten Finanzwerte CS Group und Zurich sowie Kudelski. Der Standardwerteindex SMI schloss 0,24 Prozent fester bei 5791,6 Zählern. Zurich legte fast neun Prozent zu, CS gewannen 3,5 Prozent. Kudelski waren gar 6,4 Prozent fester. Roche, zunächst von US-Pharma-Vorgaben belastet, holten die Verluste auf und schlossen 0,7 Prozent im Plus. Roche erhielt die EU-Zulassung für das Schlüsselmedikament Pegasys zugesprochen.

Paris

Sorgen über die Lage bei dem Medienkonzern Vivendi Universal verschlechterten am Freitag die ohnehin schon fragile Stimmung an der Pariser Börse noch weiter und führten zu einem schwächeren Schluss. Der CAC-40-Index verlor 0,85 Prozent auf 3799,53 Zähler. Vivendi Universal verloren über acht Prozent auf ein Sechsjahrestief. Die Meldung, dass der Konzern einen Teil seiner Versorger-Tochter Vivendi Environnement bei der Deutsche Bank geparkt hatte, deutete in den Augen mancher Beobachter auf ein Cashflow-Problem hin. Im Verlauf hatte der Index zwischen der schwarzen und der roten Zone hin und her gewechselt. Schnäppchenjäger tummelten sich im Technologiebereich, wo etwa die Aktie der Konsumelektronikfirma Thomson Multimedia 2,9 Prozent fester schloss.

Frankfurt

Der Deutsche Aktienindex (Dax) präsentierte sich zum Wochenschluss nach einem stark schwankenden Verlauf etwas schwächer. Aktienhändler sagten, viele Käufe und Verkäufe seien strategisch vom Verfallstermin an der Terminbörse Eurex beeinflusst und sehr kurzfristiger Natur. Im Mittelpunkt des Handels standen die schwächeren Auto-Aktien sowie die einbrechenden Papiere von Babcock Borsig und Thiel Logistik. Der Dax fiel um 0,41 Prozent auf 4228 Zähler, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 1,59 Prozent auf 624 Punkte verlor. Deutlich im Plus bewegten sich dagegen die Titel des Chip-Herstellers Infineon und des Touristik-Konzerns Preussag, die jeweils um mehr als vier Prozent kletterten.

Benelux

Die Benelux-Börsen präsentierten sich uneinheitlich. Der Amsterdamer AEX-Index büsste ein Prozent auf 423 Punkte ein, während der Brüsseler Bel20-Index 0,46 Prozent auf 2462 Zähler zulegte. Van der Moolen kamen nach einer Gewinnwarnung des amerikanischen Konkurrenten LaBranche unter Druck und sanken rund sechs Prozent.

Mailand

Der Mib30-Index notierte 0,3 Prozent im Minus auf 27.594 Punkten. Fiat aber auch Pirelli mussten Kursverluste von über fünf Prozent hinnehmen. Unter den Banken wirkten sich einmal mehr die Sorgen um Engagements in Argentinien und Brasilien aus: Banca Nazionale del Lavoro büssten 1,3 Prozent ein, während Intesa BCI sich um 0,8 Prozent abschwächten.

Madrid

Die Börse in Madrid litt ebenfalls unter Sorgen über die Wirtschaftsentwicklung in Brasilien. Titel mit grössere Engagements in dem südamerikanischen Land wie Telefonica und die Bank SCH kamen deutlich unter die Räder. Die schwache Wall Street und der Optionen und Futuresverfall setzten dem Markt nach Händlerangaben zu. Der Ibex-35-Index verlor 134,8 Punkte oder 1,9 Prozent auf 6925,5 Zähler. Telefonica, die ein Viertel des Betriebsgewinns in Brasilien macht, verloren 2,1 Prozent. SCH gaben 2,9 Prozent nach. Endesa verloren 4,9 Prozent. Auch der Versorger ist in Lateinamerika tätig.

Skandinavien

Die skandinavischen Aktien verzeichneten am Freitag neue Jahrestiefs. Da die Märkte in Stockholm und Helsinki wegen eines Feiertages geschlossen waren, blieben die Umsätze gering. Schwach waren nach Händlerangaben vor allem Technologie und Telekomwerte wie etwa die norwegische Telenor , die ein Allzeit-Tief erreichte. Der DJ Stoxx Nordic Index fiel 0,05 Prozent. Es wird mit weiteren Rückgängen gerechnet.

Wien

Der ATX-Index schloss 0,12 Prozent im Plus auf 1243 Punkten. Als Index-Stützen erwiesen sich Verbund und OMV, die beide um rund 1,6 Prozent zulegten. Deutlich fester im Markt waren auch Erste Bank, die 0,35 vorrückten.

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