Anleger suchen die Sicherheit
Die Lebensversicherung erlebt eine Renaissance

Trotz Riester-Flop und der Debatte um sinkende Überschussbeteiligungen profitiert die Lebensversicherungsbranche von dem gestiegenen Interesse der Anleger an Altersvorsorgeprodukten. Angesichts der Dauerkrise an den Kapitalmärkten entscheiden sich die Sparer vermehrt für die als sicher erachteten Lebenpolicen.

DÜSSELDORF. Aktuelle Branchenzahlen belegen eine Renaissance bei klassischen Lebensversicherungsprodukten und der private Rentenversicherung.

"Der Absatz der normalen Rentenversicherungen von Januar bis Mai legte um 28 Prozent, der von Rentenversicherungen nach Einmalzahlung um 23 Prozent zu", bestätigte Karl-Heinz Panzer, Geschäftsführer für Lebensversicherungen beim Gesamtverband der Deutscher Versicherungswirtschaft (GDV) gegenüber dem Handelsblatt. Diesen Trend belegen auch die Zahlen großer Anbieter.

So meldet die Allianz-Leben für das erste Halbjahr eine Verdreifachung der verkauften Rentenversicherungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Die Axa-Leben spricht von einer Erhöhung des Beitragsvolumens aus dem Neugeschäft bei den Rentenpolicen um 22 Prozent. Einen Schub verzeichnet die Assekuranz auch beim Absatz kapitalbildender Lebenpolicen. So stieg das Beitragsvolumen der verkauften klassischen Lebensversicherungen bei der Allianz und der Wiesbadener R+V im ersten Halbjahr um mehr als zehn Prozent, bei der Axa um rund 16 Prozent.

Zur Begründung des Booms bei Lebenpolicen sagt Panzer: "Die Diskussion über die Riester-Rente hat den Menschen die Augen für ihre Rentenlücke geöffnet." Dies habe generell die Nachfrage nach Vorsorgeprodukten angekurbelt, ergänzt Allianz-Leben-Finanzvorstand, Maximilian Zimmerer: "Die Bürger sorgen vor. Und nicht nur über die geförderten Riester-Produkte." Branchenbeobachter erklären den erneuten Erfolg der klassischen Produktvarianten auch damit, dass diese für den Vertrieb interessanter sind. Sie werfen größere Provisionen ab als die als komplex geltenden Riester-Policen.

Die Renaissance der klassischen Lebenprodukte erfolgt für den Branchenexperten Manfred Poweleit vom Map-Report nicht zu Unrecht: Schließlich hätten einzelne Gesellschaft wie die Debeka oder die Neue Leben über 20 bis 30 Jahre Renditen von mehr als acht Prozent erwirtschaftet. Im Schnitt hätten 20-jährige Lebenpolicen, die Ende 2001 ausliefen, eine Rendite von 6,49 Prozent erzielt.

Angesichts der Börsenbaisse und der anhaltenden Niedrigzinsphase ist es für die Anbieter aber zunehmend schwieriger, solche Renditen zu erwirtschaften. In diesem Jahr steht bei vielen Gesellschaften eine weitere Absenkung der Überschussbeteiligung ins Haus. "Die Durststrecke bei der Anlage wird für die Versicherer sicher noch fünf Jahre anhalten", gibt sich Poweleit überzeugt.

Parallel zur Börsenbaisse ist der Aufwärtstrend beim Verkaufsschlager der vergangenen Jahre, der fondsgebundenen Lebensversicherungen, gestoppt: "Hier gibt es eine Stagnation in der Branche", sagt GDV-Mann Panzer. Einzelne Anbieter signalisieren gar einen Einbruch bei fondsgebundenen Policen: So meldet die R+V ein Minus von 42,5 Prozent bei den Beiträgen der fondsgebundenen Lebensversicherung, die Axa von 21,4 Prozent.

"Wer derzeit eine größere Summe Geld anlegen und daraus regelmäßige Zahlungen erhalten möchte, hat es nicht leicht", schreiben auch die Berater der Sparte Privat Banking der Deutschen Bank in einer Mitteilung. Selbst den Bankberatern fällt in diesen mageren Zeiten nichts anderes ein, als zum Abschluss einer Rentenversicherung zu raten.

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