Anleger suchen Schutz
Fallschirm gegen Verluste

Garantieprodukte sollen alles bieten: Kursgewinne und Schutz vor Verlusten. Das kostet Geld.

pbs/qdt DÜSSELDORF. In nur drei Sekunden öffnet sich ein Fallschirm und kann zum Lebensretter werden. Militärpiloten verfügen zusätzlich noch über einen Schleudersitz als Sicherheitssystem - wenn das Flugzeug abstürzen sollte. Nicht wenige Anleger würden sich über einen Automatismus freuen, der sie bei Börsenturbulenzen rechtzeitig aus ihren Anlagen katapultiert - und den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg signalisiert, damit das Depot vor dem Crash verschont wird.

Mit Garantieprodukten wollen Banken Anlegern einen Fallschirm gegen Verluste am Aktienmarkt bieten. Gleichzeitig sollen die Schutz suchenden Sparer aber auch an Kurssteigerungen teilhaben können. Die Palette der Produkte ist groß: Garantiefonds, Garantie- und Optionsanleihen sowie Aktienanleihen mit Sicherheitspuffer gibt es am Markt.

Ein Blick auf die Statistik der Nettomittelzuflüsse zeigt, dass viele Anleger sich immer noch zyklisch verhalten statt antizyklisch. So verkaufen sich Garantieprodukte gerade dann gut, wenn die Aktienkurse schon abgestürzt sind. "Kein Wunder, dass diese Produkte gegenwärtig gefragt sind - viele Anleger, die hohe Verluste an der Börse erlitten haben, wenden sich von den Aktien ab", kommentiert Stephan Kunze, Leiter Strukturierte Produkte bei ABN Amro das Phänomen. Allerdings hält Kunze dieses Verhalten nicht für sinnvoll: "Mit Produkten, nach denen alle gleichzeitig greifen, lassen sich in der Regel nicht mehr große Gewinne einfahren." Im Allgemeinen gelte für Garantieprodukte, dass Anleger damit "zwar nichts falsch machen können, aber auch kaum enorme Renditen erzielen".

Da die Märkte bereits zusammengebrochen seien, sei die Zeit nun eher reif für Themenprodukte, findet Kunze. Iris Albrecht, Geschäftsführerin der Fondsvermögensverwaltung Fonds-Kapital in München, ist aus demselben Grund der Meinung, jetzt sei "genau der falsche Zeitpunkt" für Garantieprodukte. Investoren sollten also nicht blind nach solchen Produkten greifen. Risikobewusste Anleger, die vor einer Geldanlage am Aktienmarkt zurückscheuen, sind zum Beispiel oft schon gut mit einer geschickten Portfoliostruktur beraten. Statt Garantiefonds bieten die Münchner Fondspicker deswegen zusammen mit der Bank von Ernst eine andere Lösung an: Anleger kaufen eine abgezinste Anleihe (Zerobond). In Höhe der am Ende der Laufzeit fälligen Zinszahlungen werden Aktienfonds gekauft.

Einige Garantiefonds bieten tatsächlich Schutz

Auch Banken bieten Kombi-Produkte an, seitdem die Aktienkurse nachgegeben haben. Meist wird die Aktienanlage mit festgeldähnlichen Konstruktionen verbunden. Beispiel: Wer 30 000 Mark mitbringt, bekommt für die Hälfte seines Kapitals bei der Advance Bank 8 % Zinsen bei täglicher Verfügbarkeit auf einem so genannten Liquiditätskonto. Die andere Hälfte fließt in eine fondsbasierte Vermögensverwaltung. Allerdings wird der hohe Zins nur noch bis Ende September garantiert. Das Kombi-Produkt der Citibank bietet ab 10 000 Mark Mindestanlage für die Hälfte des Geldes sechs Prozent Zinsen, das Kapital wird aber ein Jahr festgelegt. Der Rest wird hier in Aktienfonds investiert. Mit dem Angebot der Deutschen Bank 24 schließt sich der Kreis: Wer sich für das "Festzinsplus"-Angebot entscheidet, bekommt für 50 % seines Geldes 6 % Zinsen, die andere Hälfte fließt in einen der beiden neuen Garantiefonds der DWS.

Einige Garantiefonds konnten ihren Anlegern im vergangenen, wenig erfreulichen Börsenjahr tatsächlich Schutz bieten. Sie schnitten besser als der jeweilige Vergleichsindex ab. Allerdings ist die Wertentwicklung in guten Börsenzeiten meist hinter den Referenzindizes zurückgeblieben.

Aktienanleihen sind wieder attraktiv

Unter steuerlichen Gesichtspunkten sind einige Garantiefonds-Konstruktion alles andere als günstig: Fonds, die zum Großteil in festverzinsliche Wertpapiere investieren, produzieren Erträge, auf die 30 % Zinsabschlagsteuer fällig werden. Das kann sie für Sparer unattraktiv machen, die ihre Freibeträge in Höhe von 3 100 Mark für Singles, beziehungsweise 6 200 Mark für Verheiratete inklusive Werbungskostenpauschale bereits ausgeschöpft haben. Interessanter können deswegen Garantiefonds sein, die Aktien kaufen und diese mit Verkaufsoptionen gegen Verluste absichern. Denn Fonds selbst dürfen Wertpapiere auch innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist verkaufen, ohne den Gewinn versteuern zu müssen. Für Anleger aber gilt grundsätzlich: Wenn sie Fondsanteile vor Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist verkaufen, müssen sie mögliche Kurssteigerungen versteuern.

Aktienanleihen sind seit einigen Wochen aus steuerlicher Sicht wieder attraktiv: Der Fiskus stuft sie jetzt doch als Finanzinnovationen ein und erlaubt deswegen die Verrechnung von Kursverlusten mit Kuponerträgen. Das kann die Steuerlast für Anleger erheblich mindern. Bislang musste der Kupon voll versteuert werden. Neu am Markt sind derzeit Aktienanleihen mit Sicherheitspolstern. Diese sollen verhindern, dass Anleger wie bei herkömmlichen Aktienanleihen allzu schnell im Wert gesunkene Aktien in der Hand halten. Doch bei diesen Produkten - die übrigens eine Optionskomponente enthalten - sollten Investoren die Preisrisiken kennen. Fazit: Garantieprodukte können sinnvoll sein - aber eher aus steuerlichen Gründen als in Bezug auf die angestrebte Sicherheit.

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