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Anleger trauen dem Braten immer noch nicht: Aktienmärkte unter Druck

Die Wall Street hat den Glauben verloren. Amerikanische Investoren haben auch zum verspäteten Wochenstart nicht das Vertrauen in die eigenen Unternehmen gefunden. Der Dow Jones-Index rutschte mit 1,6 Prozent auf 9744 Punkte ab. Auch der Nasdaq Composite bekam kräftig eins aufs Dach und ging um drei Prozent in die Knie. Nun steht das Technologie-Barometer bei 1750 Punkten.

Selbst Gold ist im Handelsverlauf nach zunächst deutlichen Gewinnen noch unter Druck geraten. Weiterhin kritisch haben Marktteilnehmer am Dienstag Unternehmen aus den Bereichen Finanz und Technologie beobachtet. Die Frage, die amerikanische Investoren derzeit am häufigsten stellen, lautet: wie aussagefähig sind die Geschäftszahlen der US-Unternehmen und droht in einzelnen Fällen das finanzielle Aus. Die "Enronitis" scheint nach wie vor noch nicht auskuriert zu sein.

Die Bereiche Telekommunikation und Finanz gehörten nach wie vor zu den größten Bremsen der Wall Street. Bei der zweitgrößten US-Bank J.P. Morgan haben Investoren mittlerweile die Geduld verloren. Mehrere Aktionäre haben die Bank nun verklagt. Der Vorwurf lautet, J.P. Morgan habe nicht ausreichend offengelegt, wie hoch die Einlage in das Pleiteunternehmen Enron gewesen ist.

Im Telekomsektor gehörte der Mobilfunkbetreiber Nextel erneut zu den größten Verlierern. Die Aktionäre des Mobilfunkbetreibers fürchten um ihre Einlagen. Der ohnehin schon angeschlagene Telekommunikationssektor wird am Dienstag durch neue Spekulationen belastet. Wie der fünftgrößte Mobilfunkbetreiber einräumt, soll der internationale Geschäftszweig, NII Holdings, umstrukturiert werden. Diese Maßnahme könnte dem Unternehmen zusätzliche Kosten zwischen ein und zwei Milliarden Dollar bescheren. Die Aktie von Nextel verlor im Handelsverlauf über 20 Prozent.

Der Computerriese IBM tendierte rund zwei Prozent schwächer. IBM Finanzvorstand John Joyce wies in einem Artikel des Wall Street Journals zwar darauf hin, dass die bisherigen Bilanzierungsmethoden den vorgegebenen Bilanzrichtlinien entsprechen. Als Zeichen des Vertrauens werde man in Zukunft freiwillig mehr Details zu der Bilanzierung offenlegen. So sollen unter anderem genauere Angaben zu den Gewinnen und Verlusten aus Investitionen in andere Unternehmen gemacht werden. Gewinne aus dem überfinanzierten Pensionsfonds und Gewinne aus dem Verkauf aus Immobilien sollen ebenfalls klar ersichtlich dargestellt werden. Doch an der Wall Street wurde die "neue Offenheit" nicht honoriert.

An der Technologiebörse Nasdaq gehörte Ciena neben Nextel zu den größten Verlierern. Das Netzwerkunternehmen plant eine Akquisition. Für rund 1,2 Milliarden Dollar soll Oni Systems übernommen werden. Der Konkurrent hat sich auf Glasfaserzubehör in städtischen Netzwerken spezialisiert. Investoren haben den Plan negativ ausgelegt. Wenn Ciena eine Übernahme plant, könnte das bedeuten, dass das eigene Geschäft stagniert, so einige Kommentare.

Auf der Konjunkturebene verdichteten sich die Anzeichen, dass die Rezession in den USA demnächst Geschichte sein dürfte. Ein weiterer Hinweis in diese Richtung kommt am Dienstag von den Hausbaubeginnen, die im Januar stärker gestiegen sind als erwartet. Die Hausbaubeginne haben das höchste Niveau seit fast zwei Jahren erreicht. Wie ein Analyst so schön vermerkt: die Zahlen schreien geradezu nach Erholung. Am Mittwoch werden noch die Verbraucherpreise und Angaben über das Realeinkommen in den USA veröffentlicht.

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