Anleger warten Aussichten auf Quartalsergebnisse ab
Wall Street fürchtet neue Gewinnwarnungen

Nach den Kursverbesserungen der vergangenen Wochen halten sich Investoren zurück, weil sie nach Juniper weitere Gewinnwarnungen fürchten. Einzelne Sektoren wie Biotechnologie, Energie oder Finanzdienstleistungen geben jedoch Grund zur Hoffnung.

hus NEW YORK. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen warten Anleger nun offenbar die beginnende Saison der Gewinn-Warnungen ab, bevor sie sich weiter engagieren. "Wir brauchen jetzt echte Anzeichen, dass der Rückgang der Gewinne zum Halten kommt", sagte Chefstratege Hugh Johnson von der First Albany Bank. Die Investoren hätten sich damit abgefunden, dass die Ergebnisse schlechter sind als im Vorjahres-Zeitraum. "Doch wir müssen jetzt erleben, dass die Zahlen zumindest nicht mehr so schlimm aussehen wie im ersten Quartal."

Die Juniper-Aktie fiel nach einer Gewinn-Warnung um 18 % und zog auch Cisco Systems mit sich, die zum Wochenschluss 6 % verlor. Der Chiphersteller Intel hatte zuvor angekündigt, Gewinn und Umsatz würden am unteren Ende der erwarteten Spanne liegen, allerdings rechne das Unternehmen mit einer "saisonbedingt stärkeren zweiten Hälfte". Das schien Anleger nicht zu überzeugen. Die Aktie sackte ebenfalls ab und zog weitere Chiphersteller wie Micron Technology mit sich. Ein Großteil der High-Tech-Unternehmen sieht nach dem Absatzeinbruch Ende vergangenen Jahres noch keine Anzeichen für eine Umsatz-Belebung.

Trotzdem sind Experten überzeugt, dass die Börsen Ende April die Talsohle durchschritten haben und dass die Anleger auf die Wirkung der Zinssenkungen und der US-Steuersenkung vertrauen. "Die Geldmanager suchen Kaufgelegenheiten. Deshalb halten sich die Rückschläge nach Negativ-Meldungen in Grenzen", glaubt Portfolio-Manager Erik Gustafson von der Stein Roe & Farnham Vermögensverwaltung in Chicago. Doch während der bevorstehenden Warn-Saison für die Quartalsergebnisse könnte sich das Bild wieder verschlechtern. Experten rechnen mit Schwankungen innerhalb einer Bandbreite ohne echte Kursgewinne. Investmentstratege Bill Barker von der Vermögensverwaltung Dain Rauscher in Dallas ist überzeugt, dass sich die gegenwärtige abwartende Haltung noch einige Wochen fortsetzt. "Eine haltbare neue Rally ist vor Juli nicht zu erwarten."

Energie-Werte weiterhin attraktiv

Losgelöst vom allgemeinen Trend herrscht in einigen Sektoren allerdings ein kräftiger Aufwind. Bio-Tech-Aktien haben sich von den übrigen Technologie-Aktien abgenabelt und eine glänzende Kursrally vorgelegt. Seit dem 4. April hat sich der Nasdaq Biotech Index um 58 % verbessert. Der breite Nasdaq-Sammelindex ist in dieser Zeit "nur" um 36 % gestiegen. Eine steigende Anzahl von Unternehmen bringt Gewinn versprechende Produkte auf den Markt - darunter Amgen und Idec Pharmaceuticals. Der Sektor gilt als risikoreich, weil die Kurse traditionsgemäß stark schwanken, doch etablierte Anbieter können so stabile Zahlen vorlegen wie die großen pharmazeutischen Unternehmen.

Biotech-Analyst John Sonnier von der Prudential Vermögensverwaltung hat keine Angst vor Gewinn-Warnungen. "Ich wäre überrascht, wenn es in diesem Sektor welche geben würde." Doch Biotech-Werte sind nichts für Anleger, die ruhig schlafen wollen: "Man kann es zeitlich nicht abpassen", sagt Portfolio-Manager Dan Gillespie von der Rydex Vermögensverwaltung, "doch langfristig sollte man hier investiert sein".

Als attraktiv gelten weiterhin auch Energie-Werte, die von der Energie-Knappheit profitieren sowie Finanzdienstleister, für die Zinssenkungen eine günstigere Refinanzierungsmöglichkeit bedeuten. Während einer Konjunktur-Erholung schneiden außerdem zyklus-abhängige Werte besonders gut ab. Dazu gehören der Einzelhandel, Transportunternehmen oder Autozulieferer.

In dieser Woche geben neue Konjunkturdaten Rückschlüsse, wie lange die wirtschaftliche Erholung noch auf sich warten lässt. Am Mittwoch werden die Einzelhandelszahlen veröffentlicht, am Donnerstag und Freitag geben der Erzeugerpreis-Index und die Veränderung der Lebenshaltungskosten Hinweis auf mögliche Inflationsgefahren.

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