Anlegerschutzgemeinschaften zweifeln schon jetzt am Erfolg
Aktionäre sollen Fusion zwischen Brauholding und Brau und Brunnen zustimmen

Die Fusion der Bayerischen BrauHolding AG und der Dortmunder Brau und Brunnen AG zur führenden deutschen Getränkegruppe soll im März 2001 perfekt sein. Die Aktionäre sind alles andere als begeistert.

rtr/vwd DORTMUND. Der Verlust schreibende Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen sieht sich im zweiten Quartal 2000 wieder auf dem Weg der Besserung. Im ersten Halbjahr sei mit einem "wesentlich besseren Ergebnis" zu rechnen als im ersten Quartal, sagte Vorstandschef Rainer Verstynen am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Dortmund. Der Bierabsatz habe zwar zum 30. Juni noch 4,2 % unter dem Vorjahreszeitraum gelegen. Das Unternehmen habe damit aber die Absatzrückgänge von minus 9,1 % im ersten Quartal deutlich gemindert. Bei den alkoholfreien Getränken sei der Absatz im ersten Halbjahr 2000 um 4,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

Der angeschlagene Konzern soll mit der Münchner Bayerischen Brauholding zum größten Brauunternehmen Deutschlands fusioniert werden. Brau und Brunnen hatte im ersten Quartal 2000 erneut unter dem schwachen Biergeschäft gelitten und den Verlust gegenüber dem Vorjahr nahezu verdopppelt sowie. Es wurde ein Fehlbetrag von 20,6 (10,4) Mill. DM verbucht. 1999 hatte der Getränkekonzern entgegen früheren Prognosen kein dividendenfähiges Ergebnis erzielt, sondern Verluste in Höhe von 86,8 Mill. DM im Konzern und 56,2 Mill. in der AG verbucht.

Die Aktionäre der Brau und Brunnen und der zur Schörghuber-Gruppe zählenden Bayerischen Brauholding sollen im März 2001 auf der außerordentlichen Hauptversammlung über die Fusion entscheiden.

Aktionäre üben heftige Kritik

Die Aktionäre der Brau und Brunnen AG zweifelten am Erfolg der Fusion. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) verwies auf der Hauptversammlung als "warnendes Beispiel" auf die Pleite der bislang letzten Nord-Süd-Fusion, die Anfang der neunziger Jahre der bayerische März-Konzern mit Unterstützung der damaligen Bayerischen Hypo- und Wechselbank betrieben habe. Wie damals wolle heute die HypoVereinsbank als Großaktionär von Brau und Brunnen bei der aktuellen Fusion mit Schörghuber nur einen "besseren Schuldner" bekommen. DSW-Redner Jörg Plutha sagte bei dem Treffen in der Dortmunder Westfalenhalle, in der 63,8 Prozent des Grundkapitals vertreten waren, ob die Absatz- und Finanzkraft von Schörghuber Brau und Brunnen bei einem Zusammengehen zu besseren Ergebnissen verhelfen könne, sei zu bezweifeln. Zweifel habe er auch daran, dass sich die Fusion zumindest in den nächsten Jahren für die Aktionäre mit einer Dividende auszahlen könnte. Ferner stellte Plutha die Aussagen des Vorstandes in Frage, bei einer Fusion Standorte und Marken sowie weitgehend Arbeitsplätze zu erhalten. Auch mit dem neuen Regionalisierungskonzept werde Brau und Brunnen wohl nicht um Stilllegungen von Braustätten umhin kommen. Nikola Greiff von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) betonte, die Anteileigner sähen jetzt, dass die Zukunft von Brau und Brunnen "keine Zukunft ist". "Was kommt, steht in den Sternen". Ein Zusammengehen des westfälischen mit dem bayerischen Konzern würde noch lange keinen "Global Player" schaffen. Die Konkurrenz in den Niederlanden und Übersee sei deutlich stärker, sagte Greiff. Zudem übte sie Kritik an der Informationspolitik des Unternehmens: Die Kleinaktionäre hätten von dem Fusionsvorhaben lediglich aus der Presse erfahren.

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