Anlegerwetten auf Consors

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Anlegerwetten auf Consors

Aktien von Direktbanken sind kein Ruhekissen. Die Branche ist in Bewegung.

pk DÜSSELDORF. Consors ist mit dem "Daytrading" von spekulativen Titeln groß geworden, jetzt ist die Direktbank selbst zum Objekt der Begierde für die Zocker geworden. "Are you ready for transaction?" - der Werbespruch gilt jetzt für den Onlinepionier selbst, denn Consors wird nach der Schieflage der Mutter Schmidt Bank versteigert.

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass hinter den Kulissen schon ein heftiges Bietgefecht um Consors läuft. Die Hypo-Vereinsbank-Tochter DAB und auch die Comdirect Bank würden bei Consors nur dann zugreifen, wenn sich ein "Abgreiferangebot" bei zehn bis zwölf Euro pro Aktie abzeichnet, meint Analyst Johannes Thormann von WestLB Panmure. Auch andere Analysten sehen lediglich minimale Vorteile für den Käufer bei einer "deutschen Lösung" für Consors - zu ähnlich sind die Strukturen.

Für alle anderen Wettbewerber eröffne sich dagegen nun die einmalige Möglichkeit, in Deutschland wirklich Fuß zu fassen, sagt WestLB-Analyst Thormann. Das gelte vor allem für amerikanische Direktbroker, die bisher kein Konzept gefunden haben, sich hier zu Lande zu etablieren. "Charles Schwab und auch E-Trade müssen mitbieten, wenn sie den Anspruch haben, Weltmarktführer zu werden beziehungsweise in der internationalen Liga mitzuspielen", erklärt der Branchenkenner.

Als weitere Interessenten werden immer wieder Fimatex oder auch der Allianz-Konzern genannt. Der Münchener Assekuranz-Riese müsse ein Interesse an Consors haben, wenn er es mit seinem Allfinanzkonzept ernst meint, heißt es in der Finanzbranche. Denn die über die Fusion mit der Dresdner Bank hinzugekommene Advance Bank sei "zu schwach auf der Brust", um diese offene Flanke zu schließen. Als "Geheimtipp" wird auch noch der S-Broker der Sparkassen gehandelt, denn der kam spät auf die Beine. Außerdem stammten rund 50 Prozent der Consors-Kunden aus dem Sparkassenlager. Experte Thormann schätzt den Übernahmepreis für Consors bei einem zu Grunde gelegten Preis je Kunden von 1 250 Euro auf 15 Euro je Aktie. Dabei zieht er die Übernahme von CSFB Direct durch die Bank of Montreal vom November 2001 als Maßstab heran. Nehme man den durchschnittlichen Kurs der vergangenen 30 Tage plus einer 50-prozentigen Abfindungsprämie, komme man auf 17 Euro.

Analystin Britta Graf-Tiedtke vom Concord Equity Research empfiehlt den Consors-Aktionären, ihre Papiere zu halten. Neuengagements sollte nur eingehen, wer den Mut für riskantere Spekulationen hat. Spannend sei natürlich die Frage, ob es am Ende zu einer Barabfindung oder einem Aktientausch kommt. "Der neue Gesetzesrahmen für Übernahmen eröffnet sicher größere Chancen als früher auf eine Barabfindung", meint Graf-Tiedtke. Aus heutiger Sicht könne das erwartete Angebot in der Spanne zwischen 14 bis 16 Euro liegen, wobei sie eher auf einen großen deutschen oder europäischen Bieter tippt, der am Ende das Rennen macht.

Abseits der Consors-Spekulation stellt Thormann bei dessen Wettbewerber Comdirect vor allem die Marktführerschaft in Deutschland heraus. Comdirect habe die technischen Abläufe im Griff, gewinne neue Kunden hinzu und arbeite profitabel. 2001 wird ein - wenn auch minimaler - Gewinn erwartet, das laufende Geschäftsjahr dürfte sogar noch besser ausfallen. Thormann hat als fairen Wert für die Comdirect-Aktie 12,60 Euro errechnet und bewertet den Titel mit "neutral". Bei Comdirect heißte es also: auf Kursschwächen warten. Die DAB-Aktie gilt als attraktiv, für Anleger mit einen längeren Zeithorizont. Als Sechsmonatskursziel nennt Graf-Tiedtke 19 Euro.

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