Anleihe-Experten raten zu Zinspapieren in Währungen von Beitrittskandidaten – Über Russland scheiden sich die Geister
Renditekick mit Bonds in polnischem Zloty

Die Beschlüsse auf der Konferenz in Nizza am Wochenende dürfte osteuropäische Ländern beflügeln, mit Hochdruck auf den Beitritt zur Europäischen Union hinzuarbeiten. Das sind auch gute Nachrichten für Anleihe-Investoren: Die Kurse von Osteuropa-Anleihen der EU-Beitrittskandidaten werden steigen.

FRANKFURT/M. Für Besitzer von Osteuropa-Bonds bedeuten die jüngsten Beschlüsse der EU-Regierungschefs in Nizza nur Gutes: Deren Plädoyer für die Osterweiterung dürfte die Kurse von Osteuropa-Anleihen beflügeln. Denn die EU-Beitrittskandidaten werden sich nun noch mehr anstrengen, bis voraussichtlich 2003 die Aufnahmebedingungen zu erfüllen, zu denen auf wirtschaftlicher Seite niedrigere Inflationsraten und Zinssätze zählen.

Tabelle mit aussichtsreichen Osteuropa-Anleihen

Zloty-Anleihen gehören für Anleiheexperten zu den Top-Zinspapieren unter den EU-Beitrittskandidaten. Die Anleihen bieten den größten Renditeabstand im bevorzugten Anlagezeitraum von drei bis fünf Jahren. Absolut kann ein Anleger bis zu 19 % Rendite einstreichen (Tabelle). Dagegen steht das zwar das Währungsrisiko. Doch für Eberhard Haug, Leiter Rentenstrategie Privatkunden der Commerzbank, ist das Abwertungsrisiko des Zloty gegenüber dem Euro mittelfristig tragbar. Kurzfristig könnte Polen allerdings mit Umstellungsproblemen zu kämpfen haben. Aktuell hält er den Zloty für leicht überbewertet, weil hohe Investitionen vor allem westlicher Autohersteller viel Kapital ins Land gebracht haben. Weil Polen aber ein Agrarland ist, könnte die Bevölkerung Unmut gegen weitere Strukturreformen der Wirtschaft zeigen.

Anlagehorizont sollte zwei Jahre betragen

Auch Janis Hübner, Osteuropa-Experte bei der DG Bank, würde eine kurzfristige Abwertung des Zloty von 5 % "nicht wundern". Auf Sicht von zwei Jahren hält er das Renditeniveau von Zloty-Bonds allerdings attraktiv: "Anleger haben eine gute Chance, die Schwächephase auszusitzen", meint er. Denn das Land werde auch 2001 mit 4 bis 4,5 % ein hohes Wachstum aufweisen, auch wegen weiterhin guter Exportchancen nach Euroland. Konkret empfehlen Experten wegen der inversen Zinsstrukturkurve überwiegend kurze bis mittlere Laufzeiten (Tabelle). Hübner setzt zudem auf den Kurs-Hebeleffekt bei langen Laufzeiten. Polnische Staatsanleihen in Euro halten Bankexperten bereits für unattraktiv. Gegenüber Bundesanleihen bringe ein zehnjähriger Bond aus Polen gerade mal rund 0,8 Prozentpunkte mehr. "Zu wenig", findet Anja Bischoff, Osteuropa-Expertin der Deutschen Bank.

Als vorsichtigere Variante im Vergleich zum Zloty empfehlen Experten ungarische Bonds in Forint, der gegenüber dem Euro in einem festen Rahmen abgewertet wird. Forint-Bonds mit Laufzeit von vier Jahren bringen rund 10 % ein. Von Ungarn, das die größten Fortschritte unter den Beitrittskandidaten gemacht hat, sollten Anleger aber nicht weiterhin die bekannte wirtschaftliche Dynamik erwarten, zumal sich die Konjunktur etwas abschwäche, meint Hübner. Haug bevorzugt in Ungarn eine kurzfristige Geldanlage. Gründe: Erstens erhalte der Anleger selbst mit Festgeld über ein Jahr rund 10 %, weil auch hier Kurzfristzinsen höher als langfristige sind. Zweitens sieht er politische Risiken. Zwar gehöre das Land zu den fortgeschrittenen Reformländern. Doch zeige das Beispiel Rumänien, dass rasche Richtungswechsel in der Politik möglich seien. Aktuell erlebe das Land nun Stillstand. Die Investitionen seien im Herbst stark zurückgegangen, die Verbraucherpreise blieben mit rund 12 % hoch.

Tschechien als Anlageplattform umstritten

Für Bernd Logen, Fondsmanager bei der Hypo-Vereinsbank-Tochter Activest, sind auch Bonds in tschechischer Krone ein Kauf. Private sollten nur in Bonds überschaubar stabile Länder und Währungen investieren, meint er. Commerzbank-Experte Haug rät dagegen ab von Kronen-Papieren: Der Konvergenzprozess in Tschechien sei sehr weit fortgeschritten, so dass es kaum mehr einen Renditevorsprung einzustreichen gebe.

Generell sollten sich Anleger bewusst machen, welche Risiken sie ins Depot nehmen. Wer etwa eine Währungsanleihe kaufe, sollte dann nicht noch ein Bonitätsrisiko hinzunehmen, meint Haug. Er rät nur zu Schuldnern, die von führenden Ratingagenturen eine gute Bonität von "AA/Aa2" bescheinigt bekommen. Dagegen meint Bischoff, dass Anleger mit Risikobewusstsein, die den Markt aktiv beobachten, kurzfristig etwa auch in Russland investieren könnten. Dort winkten hohe Renditen, weil das Land vom stark vom Ölpreis profitiere. Logen empfiehlt Privaten dagegen nur Russland per Fonds.



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