ANLEIHE UNTER DER LUPE
Experten lassen die Finger von Fiat

Wenn sie den Namen Fiat SpA hören, läuft es Kreditanalysten kalt den Rücken herunter. Der größte private Industriekonzern Italiens hat Anleihen über mehr als 13 Mrd. Euro ausstehen und befindet sich in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte.

FRANKFURT/M. Schuld daran ist vor allem die Sparte Fiat Auto, die in den ersten drei Quartalen einen Verlust von 1,16 Mrd. Euro einfuhr. Daneben hat der Konzern, der sich in den vergangenen Jahren vom Autobauer zum Mischkonzern entwickelt hat, Nettoschulden von 5,8 Mrd. Euro. Diese Schulden sind viermal höher als der operative Gewinn und damit so hoch wie bei keinem anderen Autokonzern.

Dabei wird Fiat von den Ratingagenturen Moody?s und Fitch noch mit den Bonitätsnoten Baa3- bzw. BBB- eingestuft und damit auf der niedrigsten Stufe der als vergleichbar sicher geltenden Investitionsklasse. Von Standard & Poor?s (S&P) hat Fiat nur ein Kurzfristrating für Verbindlichkeiten mit Laufzeit von unter einem Jahr. Mit A-3 ist dieses Rating ebenfalls auf der untersten Stufe des Investment Grades angesiedelt. Dass Fiat seine Ratings verlieren und die Kreditwürdigkeit in die Klasse der spekulativen Anlage - salopp Junkbonds - fallen wird, gilt in Bankenkreisen als ausgemachte Sache. Moody?s überprüft derzeit das Rating. Statistisch gesehen kommt es in zwei Dritteln aller Fälle, in denen Moody?s ein Rating auf die Überprüfungsliste mit negativem Ausblick setzt, zu einer Herabstufung. Eine Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet.

Fiats Versuche, die Kennzahlen zu verbessern und die Ratings zu sichern, sind bislang gescheitert. Die Restrukturierung sieht unter anderem die Schließung von zwei Werken und die Kündigung von 8 100 Mitarbeitern vor. Ob Fiat das Ziel erreicht, die Nettoschulden bis Frühjahr 2003 auf 3,6 Mrd. Euro zu verringern, gilt als unsicher.

"Das Wichtigste für Fiat ist, bis 2004 durchzuhalten", sagt Sven Kreitmair, Kreditanalyst bei der Hypo-Vereinsbank. Dann kann Fiat nämlich die Sparte Fiat Auto komplett an General Motors (GM) abgeben. Die bis 2009 geltende Put-Option für Fiat hatten die Konzerne bereits vor zweieinhalb Jahren vereinbart, als General Motors 20 % an Fiat übernahm. Experten sind sich einig, dass Fiat den Bereich Auto so schnell wie möglich abgeben wird. Das könnte allerdings die Ratings von GM belasten. S&P stuft die Kreditwürdigkeit von GM mit BBB und damit eine Stufe besser als die von Fiat ein. Moody?s und Fitch geben GM mit A3 bzw. A- noch bessere Ratingnoten.

Der Markt bewertet die Anleihen von Fiat mit hohen Renditen schon lange als Junkbonds. Aktuell rentiert die liquideste Fiat-Anleihe, der im Mai 2011 fällige Bond mit 9,24 % (s. Grafik). Die Rendite ist zwar seit ihrem Höchststand schon wieder gesunken, doch als Zeichen für eine fundamentale Erholung des Kreditprofils gilt das nicht. "Fiat hat vor allem von einer besseren Stimmung für Autobonds profitiert", meint Kreitmair. Auch für Juan Carrion von Barclays Capital sind die gesunkenen Renditen kein Hoffnungszeichen. "Wenn es über Fiat einmal kurze Zeit keine schlechten Nachrichten gibt, steigen die Anleihekurse sofort", erklärt er. Ein Hauptgrund sei, dass viele italienische Privatanleger Fiat-Bonds halten. Für sie zähle der bekannte Name mehr als Fundamentaldaten.

Wenn Fiat die Nettoverschuldung bis Frühjahr 2003 nicht auf 3,6 Mrd. Euro reduziert oder Moody?s und S&P die Ratings senken, können Fiats italienische Hausbanken ihre im Frühjahr gewährten Kredite von 3 Mrd. Euro in Fiat-Aktien umwandeln. Dann hätten sie die relative Mehrheit an dem Konzern. "Für die Bondbesitzer wäre das technisch positiv, da so Fiats Finanzkraft verbessert würde", sagt Carrion. Banca Intesa, Unicredito, San Paolo IMI und Capitalia haben an einer Umwandlungen ihrer Kredite in Aktien indes kein Interesse. Sie fordern von Fiat weitere Vermögensverkäufe und haben neue Kredite abgelehnt. In Bankenkreisen heißt es zwar, dass die italienische Regierung Druck auf die Banken ausüben werde, wenn es hart auf hart komme. Darauf sollten Anleger aber nicht wetten.

Quelle: Handelsblatt

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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