Anleihe unter der Lupe: Experten sind bei Metro vorsichtig

Anleihe unter der Lupe
Experten sind bei Metro vorsichtig

Den schrillen Werbeslogan "Geiz ist geil" ihrer Tochter Saturn hat die Metro Group nicht zum Motto ihrer ersten großen Anleihe gemacht. Kreditanalysten wie Axel Gatzen von der WGZ-Bank bezeichnen den Renditeaufschlag des Bonds als attraktiv. Auch die Hypo-Vereinsbank hatte ursprünglich mit einem geringeren Renditeaufschlag (Spread) gerechnet. Dennoch sind Experten skeptisch, ob sich die Anleihe positiv entwickeln wird.

FRANKFURT/M. Ende vergangener Woche hatte der größte deutsche Einzelhandelskonzern, der bislang nur mit kleineren Emissionen am Anleihemarkt vertreten war, seine erste richtungweisende Benchmark-Anleihe begeben. Das Papier mit einem Volumen von 850 Mill. wird im Februar 2008 fällig und bietet derzeit eine Rendite von 5,02 %. Begeben wurde es mit einem Renditeaufschlag (Spread) von 187,8 Basispunkten (1,878 Prozentpunkten) über der 2008 fälligen Bundesanleihe. Seit der Emission ist der Spread leicht gesunken.

Mit der Anleihe löst die Metro eine Wandelanleihe ab, die Nettoverschuldung steigt durch die Emission nicht. Ursprünglich hatte der Konzern gemeinsam mit den Konsortialführern Deutsche Bank, Dresdner Kleinwort Wasserstein, HSBC und JP Morgan noch eine Tranche in Pfund Sterling geplant. Hierfür gab es aber nicht genug Nachfrage, so dass sich die Metro für einen ausschließlich in Euro begebenen Bond entschied. Für die Euro-Tranche gab laut den Konsortialführern Kaufaufträge über 1,3 Mrd. . Verglichen mit anderen Emissionen der jüngsten Zeit wie RWE war die Überzeichnung aber nicht sonderlich hoch.

Abhängigkeit vom deutschen Markt belastet

Als Manko sehen Experten die Abhängigkeit der Metro vom schwachen deutschen Markt. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt die Gruppe in Deutschland. Dies dürfte es dem Handelskonzern nach Ansicht der Ratingagentur Moody?s schwerer machen, das operative Geschäft in den schwächeren Bereichen wie der Supermarktkette Extra und den Praktiker-Baumärkten schnell zu verbessern. Moody?s hat den Ausblick für das Baa1-Rating auf negativ gesenkt. Standard & Poor?s (S&P) schätzt die Kreditwürdigkeit des Konzerns mit BBB bei stabilem Ausblick eine Stufe schlechter ein. Positiv sehen die Agenturen die Entwicklung der Metro-Großmärkte und der Unterhaltungselektronik mit den Marken Saturn und Media-Markt.

Klaus Oster, Fondsmanager für Unternehmensanleihen beim Vermögensverwalter Deka, befürchtet dennoch, dass die Ratings der Metro weiter unter Druck kommen könnten. Die Finanzverschuldung des Konzerns hält er für recht hoch, vor allem, wenn man Verbindlichkeiten außerhalb der Bilanz, wie etwa Leasing-Verträge, berücksichtige. Den Renditeaufschlag der Anleihe bewertet Oster angesichts der Risiken als zu niedrig.

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr will die Metro am 25. März vorlegen. Dann sollen auch strategische Veränderungen bekannt gegeben werden. Gatzen von der WGZ-Bank erwartet, dass es dabei um die weitere Ausrichtung der Praktiker-Märkte und das schwebende Geschäft beim Verkauf von Immobilien gehen wird. Er hält die neue Anleihe der Metro unter Diversifikations-Aspekten für das Bond-Portfolio für interessant, rät aber von größeren Engagements vor der Bekanntgabe der Ergebnisse ab.

Negative Nachrichten mit Blick auf Akquisitionen dürfte es bei der Präsentation der Ergebnisse und der Strategie aber nicht geben. Übernahmen, die die Verschuldung eines Unternehmens erhöhen, sind für Anleihebesitzer prinzipiell negativ. Doch Metro-Finanzvorstand Thomas Unger hatte vor der Emission der Anleihe Investoren ausdrücklich versichert, dass die Metro keine größeren Zukäufe plane. Der Fokus liege auf organischem Wachstum, betonte er, außerdem strebe der Handelskonzern mittelfristig wieder ein BBB+ Rating an.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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