Anleihe unter der Lupe
Hoffnung auf Schuldenabbau hilft der Telekom

Die Anleihen der Deutsche Telekom AG profitierten schon vom möglichen Rücktritt des Telekom-Chefs Ron Sommer, als dieser noch an seinem Posten festhielt. Bondhändler bezeichnen die Ablösung des 53-jährigen Sommer durch den 72 Jahre alten Helmut Sihler unter sich zwar als "politisches Schmierentheater", aber dennoch kaufen sie die Bonds eifrig.

FRANKFURT/M. "Hier wird ganz klar das Prinzip Hoffnung gespielt", sagt ein Händler in Frankfurt. Dass die Telekom Schulden abbauen wolle, sei ja nicht neu, doch möglicherweise komme die Reduzierung des Schuldenbergs von rund 67 Mrd. Euro jetzt schneller voran.

"Hinweise in diese Richtung gibt es bereits, sagt Jean-Yves Guibert, Kreditanalyst bei BNP Paribas. "Das neue Management hat schon einen klaren Strategiewechsel angedeutet." Dass Sihler höchstens sechs Monate lang im Amt bleiben wird, ist für Guibert nicht so wichtig. Er geht davon aus, dass das neue Management mittel- oder langfristig verbindliche Pläne für den Schuldenabbau aufstellen wird. Auch Bear Stearns empfiehlt, Bonds der Deutschen Telekom überzugewichten.

Hoffnung setzen die meisten Experten unter anderem darauf, dass die Telekom durch eine zumindest teilweise Trennung vom US-Mobilfunker Voicestream Geld spart. Als wahrscheinlich gilt, dass Voicestream mit AT&T oder Cingular Wireless fusioniert und die Telekom nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten wird. "In Voicestream müsste die Telekom pro Jahr von 2 Mrd. Euro an aufwärts investieren", schätzt Monica Fernandez, Kreditanalystin bei der DZ Bank. "Wenn die Telekom zumindest einen Teil der Investitionen sparen könnte, würde sie das schon weiterbringen."

Falls die Hoffnungen auf einen schnellen Schuldenabbau jedoch enttäuscht würden, könnten die Anleihen aber schnell wieder verlieren, meint Fernandez. Auch HSBC, Dresdner Kleinwort Wasserstein oder Commerzbank Securities warnen vor hoher Volatilität der T-Bonds.

Wer jetzt jedoch zum Beispiel die fünfjährige Tranche der im Mai emittierten Anleihe kauft und die Papiere bis zum Ende der Laufzeit hält, sichert sich damit eine Rendite von rund 6,9 %. Dabei ist die Gefahr, das eingesetzte Kapital zu verlieren, gering. Denn dass der Ex-Monopolist in dieser recht überschaubaren Zeit pleite geht, gilt generell als unwahrscheinlich. Zudem hält der Bund direkt und über die Kreditanstalt für Wiederaufbau insgesamt 43 % der Anteile der Telekom.

Derzeit hat die Deutsche Telekom eigene Anleihen über rund 40 Mrd. Euro ausstehen. Die Ratingagenturen Moody?s und Standard & Poor?s (S&P) bescheinigen dem Bonner Konzern mit den Noten Baa1 bzw. BBB+ eine noch mittlere Bonität. Dabei ist der Ratingausblick bei Moody?s seit der Vorlage der Quartalszahlen im Mai negativ. Von der Einstufung als spekulative Anlage (Junk-Bond) ist die Telekom noch drei Stufen entfernt.

Die neueren Anleihen der Telekom sind mit so genannten Step-up-Kupons ausgestattet, das heißt, die Zinsen erhöhen sich automatisch um 50 Basispunkte (einen halben Prozentpunkt), wenn S&P und Moody?s das Rating senken. Bei den älteren Anleihen ist dieser Bonus bereits verbraucht, da die Agenturen im März bzw. April die Bonitätsnoten der Telekom auf den aktuellen Stand gesenkt haben - von zuvor A3 bzw. A-. Bei der im Mai begebenen Anleihe würden Anleger im Falle einer Herabstufung durch S&P und Moody?s jedoch in den Genuss höherer Zinsen kommen.

Für Privatanleger hat das aber steuerliche Nachteile: Anleihen mit Step-up-Kupons gelten als Finanzinnovation. Deshalb sind Kursgewinne in jedem Fall steuerpflichtig.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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