Anleihe unter der Lupe: Thyssen-Krupp ist nur etwas für Risikobereite

Anleihe unter der Lupe
Thyssen-Krupp ist nur etwas für Risikobereite

Standard & Poor?s bewertet Thyssen-Krupp seit Freitag als riskanten Schuldner. Die Renditen der Bonds schnellten in die Höhe. Moody?s stuft die Bonität des Stahlkonzerns aber noch deutlich besser ein als S&P.

FRANKFURT/M. An Thyssen-Krupp scheiden sich derzeit die Geister. Zwar sind Analysten weitgehend einig, dass die jüngste Rating-Herabstufung von Standard & Poor?s (S&P) übertrieben ist, doch ob Anleger die Bonds des Stahl- und Industriegüterkonzerns jetzt kaufen sollen, ist umstritten.

Am Freitag hatte S&P die Kreditwürdigkeit von Thyssen-Krupp um zwei Stufen auf BB+ von zuvor BBB gesenkt. Das Rating für die drei unbesicherten Anleihen des Konzerns nahm S&P sogar um drei Stufen auf BB zurück. Damit ist Thyssen-Krupp neben Fresenius Medical Care das einzige Unternehmen im Dax, dem der Makel eines riskanten Schuldners anhaftet. Ab der Bonitätsnote BB+ bei S&P und Fitch bzw. Ba1 bei Moody?s können Unternehmen nur noch Junkbonds (Schrottanleihen) begeben.

Grund für die Herabstufung sind die ungedeckten Pensionsverpflichtungen des Konzerns, die bis Ende September 2002 bei 7,1 Mrd. lagen. Thyssen Krupp - zahlt seine Betriebsrenten wie in Deutschland üblich aus den laufenden Zahlungsüberschüssen. S&P hatte am 7. Februar angekündigt, die Bonität von Thyssen- Krupp und zehn weiteren europäischen Unternehmen wegen der Pensionsverpflichtungen noch einmal genau zu überprüfen. Dabei sollten ungedeckte Pensionsverpflichtungen als langfristige Verbindlichkeiten bewertet werden. Die Rating-Entscheidung war aber erst später erwartet worden.

Seit der Ankündigung sind die Renditen der Anleihen zwar schon gestiegen, eine Herabstufung war jedoch noch nicht eingepreist. Dementsprechend deutlich litten die Anleihen unter der Aktion von S&P: Die Rendite der 2009 fällige Anleihe schnellte auf derzeit 7,11 % nach oben.

Damit bewerte der Markt Thyssen-Krupp-Papiere noch nicht vollständig als Junkbonds, meint Torstein Jorstad, Leiter des Kredit-Researchs bei der West LB. Dennoch erwartet er, dass die Risikoaufschläge im Vergleich zu Bundesanleihen weiter hoch bleiben. Er hatte schon vor der S&P-Abstufung empfohlen, Thyssen-Krupp-Bonds unterzugewichten und behält diese Einstufung bei.

Thomas Hövelmann, Kreditanalyst bei der DZ Bank, rechnet damit, dass die Kurse der Anleihen von Thyssen-Krupp in nächster Zeit stark schwanken. "Wer die Bonds jetzt kauft, kauft vor allem Risiko", sagt Hövelmann. Erst wenn Moody?s den negativen Ratingausblick zurücknehme, könne man über einen Kauf nachdenken.

Die Ratingagentur Moody?s stuft Thyssen-Krupp mit Baa1 ganze drei Stufen besser ein als S&P. "Ein so deutlicher Unterschied in der Bewertung ist ungewöhnlich", sagt Jorstad. Er erwartet zwar nicht, dass Moody?s Thyssen-Krupp auf Junkbond-Niveau abwertet, doch eine Rating-Abwertung um eine Stufe auf Baa2 in diesem Jahr sei möglich.

Thyssen-Krupp dagegen rechnet nicht mit einer Abwertung durch Moody?s. "Ich hatte heute morgen ein Treffen mit Moody's, und sie bestätigten dabei ihre Baa1-Bewertung mit negativem Ausblick", sagte Thyssen Krupp-Finanzvorstand - Stefan Kirsten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters gestern auf einer Investorenkonferenz. Die Aktion von S&P hatte Thyssen-Krupp scharf kritisiert.

Auch Hövelmann hält die Abstufung von S&P für ungerechtfertigt. Dieser Meinung sind auch die Kreditanalysten von HSBC und der WGZ-Bank. Anders als die DZ Bank und die West LB stufen sie die Bonds von Thyssen-Krupp nach den deutlichen Verlusten aber als attraktiv ein und empfehlen sie zum Kauf.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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