Anleihegläubiger bleiben stur
Letzte Hoffnungen für Brokat schwinden

Brokat ist überschuldet. Der tief gefallene Star des Neuen Marktes hat noch drei Wochen Zeit, die Insolvenz abzuwenden. Doch dazu müssten die Anleihegläubiger einem freiwilligen Forderungsverzicht zustimmen. Dies ist nicht in Sicht. Auf der Hauptversammlung wurde ein Kapitalschnitt beschlossen.

brb STUTTGART. Die außerordentliche Hauptversammlung der Brokat AG startete am Mittwoch mit schlechten Nachrichten. Aufsichtsrats-Chef Dirk Pfeil teilte den Aktionären mit, dass die Anleihegläubiger auch am Wochenende nicht eingelenkt haben. Dadurch seien auch die Gespräche über den Verkauf der mobilen Zahlungssysteme an das US-Unternehmen E-One Global gescheitert. Dieser Deal war Teil des Sanierungskonzeptes, das Brokat das Überleben sichern sollte.

Eine weitere Hiobsbotschaft mussten die gebeutelten Aktionäre mit den Neun-Monatszahlen hinnehmen, die Brokat kurz vor der Hauptversammlung veröffentlicht hatte. Beim einstigen Star des Neuen Marktes, dem die teure Expansionsstrategie in den USA zum Verhängnis wurde, ist im dritten Quartal der Umsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 75 % auf 5,7 Mill. Euro eingebrochen. Vorstandschef Michael Janßen kommentierte dies mit der ungewissen Zukunft von Brokat. Kunden würden derzeit keine Verträge mit Brokat abschließen. Dadurch hat sich der Betriebsverlust des Softwareunternehmens auf 39,9 Mill. Euro mehr als verdoppelt.

In der Neun-Monats-Bilanz beträgt das negative Kapital 75,9 Mill. Euro bei einer Bilanzsumme von 74,6 Mill. Euro. Damit ist Brokat überschuldet und muss, sofern keine neuen Investoren gefunden werden, innerhalb von drei Wochen die Insolvenz anmelden. Am 1. November hatte Brokat mit 700 Beschäftigten gerade noch 8,3 Mill. Euro an Liquidität. Die Vertreter der Kleinaktionäre sprachen von "einem rabenschwarzen Tag für Brokat". Rudolf Neumann von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) sparte nicht mit Vorwürfen an den Vorstand: "Das Unternehmen hat sehr viel Geld vernichtet und sich in die schlimmen Fälle des Neuen Marktes" eingereiht.

Vorstand und Aufsichtsrat von Brokat versprachen den etwa 300 anwesenden Aktionären, in den nächsten drei Wochen alles zu versuchen, die Brokat AG vor der Insolvenz zu retten sowie einen Käufer für die Sparte mobile Zahlungssysteme mit 380 Beschäftigten zu finden.

In den vergangenen Monaten hat sich Brokat restrukturiert und sich vom US-Geschäft getrennt. Mit dem Beschluss der Hauptversammlung wird die Sparte E-Finance mit 160 Beschäftigten in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert. Mit diesem Schritt wäre dieses Tochterunternehmen von einer Insolvenz nicht direkt betroffen. Janßen stellte in Aussicht, dass dieses Kerngeschäft im nächsten Jahr 25 Mill. Euro Umsatz erzielen und im Sommer die Gewinnzone erreichen könnte. Die Aktionäre stimmten dem Sanierungsplan und einem Kapitalschnitt von 50 zu eins zu. Warum die Gläubiger der Anleihe in Höhe von 98,6 Mill. Euro einem Vergleich nicht zustimmen, konnte Sanierer Pfeil nicht erklären. Im Insolvenzfall werden die Anleihegläubiger, darunter die Deutsche Bank und die West LB, erst nach den Arbeitnehmern und den anderen Massegläubigern befriedigt.

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