Anleihen auf Konsolidierungskurs
Experten erwarten Dax-Erholung zum Jahresende

"Eine Herbstrally liegt in der Luft", zeigt sich Herbert Berger, Leiter Aktienstrategie der Dresdner Bank, optimistisch. Der Markt beginne, eine Zinssenkung der EZB vorwegzunehmen. Auch wenn die Euro-Notenbanker die Leitzinsen am kommenden Donnerstag - wie erwartet - um 0,25 Prozentpunkte senken, beflügele dies den Markt, da dann auf weitere Zinsschritte spekuliert werde.

FRANKFURT/M. "Der Börsenzyklus erreicht seinen Tiefpunkt vor dem Tiefstand bei den Unternehmensgewinnen", begründet Berger seine Zuversicht.

Der Grund: Eine Trendwende an der Börse werde antizipiert, wenn das Tief bei den Firmengewinnen abzusehen sei. Dieses Tief erwartet er im dritten oder vierten Quartal. Eine Kurserholung im Dax von 15 bis 20% sei bis zum Jahresende möglich, meint er. "Die Börse kann jederzeit drehen", erwartet auch Kai Franke von der BHF-Bank. Bis Ende 2001 rechnet er damit, dass der Dax 10 bis 15 % zulegt.

Die Mehrheit der Analysten bleibt allerdings vorsichtiger: "Die Aktienmärkte werden sich Hand in Hand mit der Konjunktur entwickeln", sagt etwa Gerhard Schwarz, Aktienstratege bei der Hypo-Vereinsbank. Er erwartet erst "ab dem 4. Quartal oder der Jahreswende" eine "wirkliche Belebung" an den Aktienmärkten. Das mittelfristige Umfeld für den Aktienmarkt sei durchaus positiv, und die Bewertung des deutschen Gesamtmarkts "nicht zu hoch". Der entscheidende Faktor für eine Aufwärtsbewegung der Märkte sei jedoch eine Stabilisierung bei den Gewinnschätzungen. Außerdem sei auch der September schon immer "saisonal schwierig" für die Börse gewesen. Auf Sicht von sechs Monaten sieht er den Dax bei 5900 Punkten. "Die Schmerzgrenze ist noch nicht erreicht, es wird noch bis zum 4. Quartal dauern, bis die Konjunktur wieder anzieht", sagt Sharda Dean, Volkswirtin bei Merrill Lynch. Die Märkte hätten aber bereits ihre Tiefststände gesehen.

Auch für Europa hält Matthias Jörss, Aktienstratege bei Sal. Oppenheim, eine konjunkturelle Belebung für sehr wahrscheinlich. "Wenn die ersten Vögel das Schiff erreichen, ist das ein deutliches Zeichen, dass man sich dem Ufer nähert", sagt er. Damit meint er unter anderem den überraschend positiven Juli-Geschäftsklima-Index des Münchner Ifo-Instituts. "Außerdem beginnt langsam die international lockerere Geldpolitik zu wirken", sagt er. Bis zum Jahresende seien für den Dax 6200 Punkte drin.

Turbulenzen sind noch möglich

Ein ähnliches Dax-Ziel nennt Alfred Roelli, Leiter Anlagestrategie Privatkunden bei der Deutschen Bank. Im dritten Quartal könne es weitere Enttäuschungen bei Firmenergebnissen geben, die den Börsen noch Turbulenzen bescheren könnten. Eine Trendwende erwartet er Ende 2001, wenn Anleger beginnen, eine Konjunkturerholung in den USA und in Europa vorwegzunehmen. Julian Callow, Volkswirt bei Credit Suisse First Boston, sieht dagegen Hindernisse für eine Erholung der Konjunktur Europas, da der hohe Arbeitsplatzabbau in Westeuropa den Konsum belaste. In den kommenden zwölf Monaten könne der Dax aber 15 % klettern.

An den europäischen Anleihemärkten dürfte die leichte Konsolidierungsphase anhalten. Der Anstieg des ifo-Indexes im Juli auf einen Wert von 89,8 wirke zunächst belastend auf den Rentenmarkt, meinen DG-Bank-Strategen. Die Hoffnung, dass der wirtschaftliche Abschwung in Deutschland doch nicht so schlimm sein könnte, habe ausgereicht, um den seit Anfang Juli bestehenden Aufwärtstrend der Kurse lang laufender Bonds zu beenden. Zugleich werde der Euroland-Bondmarkt aber durch die positive Inflationsentwicklung und die erwarteten EZB-Zinssenkung gestützt.

Die DG Bank erwartet für die kommende Woche keine Überraschungen durch Konjunkturdaten aus den USA und Euroland. Auch am Devisenmarkt schaut man auf die EZB-Zinsentscheidung. Eine Zinssenkung könne den Aufwärtstrend des Euros gegenüber dem Dollar festigen, da positive konjunkturelle Impulse der Währung derzeit Auftrieb geben.

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