Anleihen aus Schwellenländern bieten gute Zinsen und Kursphantasie - mit Risiken
Auf Renditejagd im wilden Osten

Wie kommt man am besten durch den Bärenmarkt? Stephen Roach, Chefvolkswirt der US-Bank Morgan Stanley, hat eine klare Antwort: "Gehen Sie kein Risiko ein, kaufen Sie sichere Staatsanleihen, und danken Sie Gott, dass Sie noch am Leben sind", sagte Roach kürzlich in Frankfurt.

FRANKFURT/M. Nur: Nicht jeder ist mit Renditen von 3,6 % für zehnjährige US-Staatsanleihen oder 4,3 % für Bundespapiere zufrieden. Hinzu kommt das Risiko, dass die Anleihekurse fallen dürften, sobald der Konjunkturpessimismus nachlässt. Denn ein neuer Aufschwung bedeutet höhere Zinsen - und die sind bekanntlich Gift für die Anleihekurse.

Doch Investoren haben nicht nur die Wahl zwischen heißen Aktien und klassischen Staatsanleihen. Es gibt ja auch noch Bonds aus Schwellenländern (Emerging Markets). Diese Anlageklasse enthält extrem riskante Papiere wie Argentinien-Bonds, aber auch stabilere Emittenten wie den EU-Kandidaten Ungarn.

Warnung: Mit traditionellen Bundesobligationen haben Emer- ging-Market-Bonds nichts zu tun. Denn das Risiko, dass Deutschland zahlungsunfähig wird und Schulden nicht zurückzahlt, beträgt praktisch null. Das sieht bei Schwellenländern anders aus, wie Käufer von Argentinien-Bonds leidvoll erfuhren. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite (Verzinsung), desto größer das Ausfallrisiko. Deshalb sollten Privatanleger niemals all ihr Geld in Anleihen eines Landes investieren.

Immerhin: Bei Schwellenländer- Anleihen werden Investoren wenigstens per Zins für ihr Risiko entlohnt. Auf dem Höhepunkt des Aktienbooms stürzten sich Anleger in hoch riskante Aktien, ohne eine ähnliche Entschädigung zu erhalten. "Derzeit bietet ein diversifiziertes Portfolio aus Emerging- Market-Anleihen im Vergleich zu den anderen Asset-Klassen gute Perspektiven", sagt Fondsmanager Holger Friedrich, der bei Union Investment rund 400 Mill. Euro verwaltet.

In der wackligen Konjunkturlage bieten die Papiere zudem einen doppelten Vorteil. Rutscht die US-Wirtschaft ab, dürften als relativ sicher geltende Anleihen profitieren. Denn je schlechter die Wirtschaft läuft, desto eher sinken die Zinsen weiter. Und niedrigere Zinsen bedeuten höhere Anleihekurse. Das hilft den Emerging- Market-Papieren aber nur so lange, wie die Länder nicht selbst in die Krise geraten. Andererseits dürften Anleihen aus Schwellenländern auch von einer Erholung der Konjunktur profitieren. Denn je besser die Wirtschaft läuft, desto geringer sind die Risikoaufschläge, die für Emerging- Markets-Bonds gegenüber sicheren Industrieländern zu zahlen sind.

Wird jedoch ein zu großer Teil der gekauften Anleihen notleidend, dann geht das Konzept nicht auf. Deshalb sollten Anleger unbedingt auf eine breite Streuung achten. Zwei Extrembeispiele: Bonds des Krisenlandes Argentinien verloren 66,9 % in 2001 (Kursverlust und Zinszahlungen zusammen genommen). Dieses Jahr ging es um weitere 12 % abwärts. Russische Fremdwährungsanleihen erzielten dagegen vergangenes Jahr 55,8 % Plus. 2002 kletterten die Papiere um weitere 24 %. Wer beide Länder im Depot hatte, erfuhr hautnah, was Diversifizierung im Ernstfall leistet.

Regionen

Russland-Anleihen zählen weiter zu den Favoriten vieler Fondsmanager. Emerging-Markets-Star Mark Mobius prophezeit einen neuen Performance-Schub, wenn die Ratingagenturen ihre Bonitätsurteile weiter erhöhen: "Dann werden institutionelle Investoren in Russland aktiv werden, die dort wegen ihrer konservativen Ausrichtung bislang nicht aktiv wurden."

Einen anderen Reiz bietet China. Dessen Dollar-Bonds tragen nur einen geringen Risikoaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen. Grund: Investoren schätzen die dortige Wirtschaft als stabil und wenig abhängig von der schwächelnden US-Konjunktur ein. "Viele Länder Asiens wie China haben in den letzten Jahren eine konjunkturelle Eigendynamik entwickelt", sagt Union-Fondsmanager Friedrich. Auch Südkorea und Malaysias Wirtschaft gelten als robust.

Höchste Vorsicht ist dagegen weiterhin in Lateinamerika angebracht - der Region mit den meisten Emerging-Markets-Anleihen. Viele Investoren blicken sorgenvoll auf Brasilien, wo in wenigen Wochen im zweiten Wahlgang womöglich ein links orientierter Präsident gewählt wird. Sollte Kandidat Luis Ignacio da Silva Brasiliens Bonds nicht zurückzahlen, drohen negative Folgen auch für andere Länder.

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