Anleihen kleinerer Euro-Länder empfohlen
Anleihen 2003 schwächer als Aktien erwartet

Anleger werden im kommenden Jahr nach Einschätzung von Analysten im Gegensatz zu 2002 wieder mehr Geld mit Aktien als mit Anleihen verdienen.

Reuters FRANKFURT. Experten erwarten zwar eine nur langsame konjunkturelle Erholung. Dennoch würden damit die Notierungen von Aktien an den Börsen allmählich steigen und die Kurse von Festverzinslichen etwas nachgeben. Am Rentenmarkt werde weiterhin die Debatte um die öffentliche Verschuldung der Euro-Länder im Vordergrund stehen. Da für die drei größten Euro-Länder - Deutschland, Frankreich und Italien - weiterhin Finanzprobleme vorausgesagt werden, sehen Experten für Anleger wachsende Chancen in Staatsanleihen kleinerer Länder der Währungsunion. Bei Unternehmensanleihen erwarten Analysten ein geringeres Emissionsvolumen und damit eine erhöhte Nachfrage nach einzelnen Titeln.

Die Experten von Deka Investment rechnen mit einer langsamen Erholung der Konjunktur im Verlauf von 2003. "Damit ist generell zu erwarten, dass die Aktien nach oben gehen und die Rentenkurse fallen", prognostiziert Deka-Fondsmanager Andreas Johannsen. "Lässt man die Risiken eines Irak-Kriegs außer Acht, ist mit einem moderaten Konjunkturaufschwung zu rechnen." Volkswirte von Morgan Stanley sagen europäischen Aktien "nach dem längsten Bärenmarkt in mehr als 60 Jahren" für 2003 Kurssteigerungen von etwa 20 Prozent vorher. Der Dax werde Ende 2003 bei rund 4 000 Punkten liegen, gut 1 000 Punkte über dem aktuellen Stand.

Fiskalpolitik auch 2003 im Mittelpunkt der Rentenmärkte

Die Analysten der zur HVB Group gehörenden Bank Austria sehen die Fiskalpolitik auch im kommenden Jahr im Mittelpunkt. In einer Studie heißt es, der Ausblick sei nach wie vor ungewiss. Deutschland hat 2002 mit rund 3,8 Prozent das im Stabilitätspakt vereinbarte Ziel einer Neuverschuldung von höchstens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verpasst und wird der Bank Austria zufolge auch 2003 darüber liegen.

Der Bund plant für 2003 eine Neuverschuldung von 208 Milliarden Euro, neun Prozent mehr als in diesem Jahr. Analysten zufolge ist dies bereits in den aktuellen Rentenkursen berücksichtigt. Einige Experten sehen den Benchmark-Status deutscher Staatsanleihen in Gefahr. Die Bank Austria schließt das auch nicht aus, in ihrer Studie heißt es aber: "Im aktuellen fundamentalen Szenario erwarten wir nicht, dass Deutschland seinen Benchmark-Status verliert." Die deutschen Staatsanleihen gelten als Richtschnur für andere Papiere am Rentenmarkt, weil sie die beste Bonität und höchste Liquidität aufweisen. Als Benchmark-Emittent kann es sich der deutsche Staat leisten, die niedrigsten Zinsen für seine Anleihen zu zahlen. Andere Emittenten müssen Anlegern einen Renditeaufschlag (Spread) zu den Staatspapieren bieten.

Anleihen kleinerer Euro-Länder empfohlen

Die Verschlechterung der deutschen Finanzlage ist an den engeren Spreads zwischen Bundesanleihen und anderen Staatspapieren aus der Euro-Zone abzulesen. Denn je größer das Angebot an deutschen Anleihen wird, um so mehr Rendite muss der Bund zahlen. "Bei den zehnjährigen Anleihen beträgt der Renditeabstand zu griechischen oder italienischen Papieren nur noch rund 20 Basispunkte", erläutert Johannsen. 1999 habe der Spread zu griechischen Papieren noch bei rund 180 Basispunkten, der zu italienischen Papieren immerhin bei 40 bis 50 Basispunkten gelegen.

Die Analysten der österreichischen HVB-Tochter empfehlen, den Anleihen kleinerer Euro-Länder - insbesondere aus Belgien, Finnland und den Niederlanden - zumindest im ersten Quartal mehr Gewicht in den Portfolios einzuräumen. Bei italienischen Staatsanleihen (BTP) sei Zurückhaltung geboten. Ein größeres Kurspotenzial hätten etwa belgische Titel (OLO). Zehnjährige OLOs rentierten zuletzt mit rund 4,40 Prozent, während BTPs rund 4,50 Prozent erzielten. Das deutsche Pendant, die zehnjährige Bundesanleihe, rentierte zuletzt mit 4,27 Prozent.

WENIGE UNTERNEHMENSBONDS - FIRMEN BAUEN SCHULDEN AB

Bei den Unternehmensanleihen erwarten Analysten für 2003 parallel zum Aufwärtstrend der Aktien eine positive Entwicklung. "Viele Unternehmen haben angekündigt, sich entschulden zu wollen." Der Schuldenstand der Unternehmen dürfte sich daher verringern, was sich auf die Emissionen positiv auswirken werde. "Die Spreads zwischen Unternehmensanleihen und Staatsanleihen werden wohl etwas zusammenrücken", sagt Johannsen voraus. Im Telekom-Sektor werden die Emissionen Analysten zufolge abnehmen. Bei den Versorgern - einer weiteren Branche mit gewöhnlich hohen Emissionsvolumina - sei noch nicht klar, ob neue Investitionen finanziert werden müssten.

Eine Analystin prognostiziert für das erste Halbjahr 2003 ein ähnlich geringes Aufkommen an Unternehmensemissionen wie im laufenden Halbjahr. "Mit der Konjunktur werden die Investitionen in der zweiten Jahreshälfte anziehen und damit die Emissionen zunehmen." Im zweiten Halbjahr 2002 hatten sich Unternehmen nur vereinzelt an den Kapitalmarkt herangewagt.

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