Anleihen rücken mit stabilen Wertgewinnen in den Mittelpunkt
Aktienfonds bleiben trotz Baisse erste Wahl

Rentenfonds schlagen Aktienfonds: Diesen Schluss legt ein kurzfristiger Wertentwicklungsvergleich für die vergangenen drei Jahre nahe. Anleger sollten sich davon aber nicht zu Entscheidungen verleiten lassen, die ihnen in Zukunft unterdurchschnittliche Ergebnisse bescheren könnten.

FRANKFURT/M. Bei der langfristigen Vermögensanlage bleibt die Aktie und bleiben Aktienfonds erste Wahl. Diese Meinung vertreten Sprecher großer Investmentgesellschaften und Consultants. Mit einer ausgeprägten neuen Hausse rechnet allerdings niemand.

In den neunziger Jahren gewöhnten sich Anleger an Renditen von jährlich über 20 %. Selbst nach dem Platzen der Spekulationsblase an den Börsen im vergangenen Frühjahr erzielten sie durchschnittlich über 10 % pro Jahr. Das errechnet die Vermögensverwaltungs- und Fondsresearchfirma Feri Trust für Anteilinhaber breit ausgerichteter Portfolios mit Schwerpunkt Deutschland, Europa, Nordamerika und International (Grafik). Vergleichbare Rentenfonds erreichen rund 7 % bzw. 8 %. In den vergangenen drei Jahren schlägt der Börseneinbruch zu Buche. Die Durchschnittserträge der Aktienfonds schmelzen auf das Niveau der Rentenfonds ab - bei wesentlich höheren Wertschwankungen. Die hoch gelobten Aktienfonds erscheinen jetzt nicht mehr so attraktiv.

Aktienfonds langfristig überlegen

Klaus Martini warnt vor Fehlschlüssen: "Der Anleger sollte sich von den Ergebnissen nicht irritieren lassen." Der Leiter europäische Aktien bei Deutschland größter Fondsgesellschaft DWS will lieber die Neunjahresdaten als Orientierung für die langfristig zu erwartenden Ergebnisse heranziehen. "Über Jahrzehnte hinweg kann der Anleger von mindestens 10 % pro Jahr ausgehen; damit bleiben Aktien und Aktienfonds die langfristig überlegene Anlage", meint er. Momentan wittert er sogar "eine günstige Einstiegschance an den Börsen", insbesondere für jene Anleger, die über ihre langfristige Vermögensplanung und den Einstieg in Riester-Produkte für die Altersvorsorge nachdenken würden.

Auch Hans-Jörg Naumer will aus den Dreijahresdaten keine Handlungsanweisung herauslesen. "Das ist ganz klar ein Blick in den Rückspiegel, noch dazu auf eine gewaltige Börsenübertreibung und ihr Ende; Festverzinsliche sind in einer Aktienbaisse nun einmal der sichere Hafen und werden deshalb zwangsläufig attraktiver", erklärt der Leiter Investor Information bei der zur Dresdner-Bank-Gruppe gehörigen Fondsgesellschaft DIT. Für ihn ist ebenso wie für Martini klar: "Anleihen haben im Vergleich zur Aktie generell das geringere Risiko, aber eben auch die geringeren Ertragserwartungen - das wird so bleiben." Und nur diese Einsicht biete eine vernünftige Ausgangslage für die langfristige Vermögensplanung.

Jetzt mit breit angelegtem Fonds beginnen

Seine Erwartung: "Auf längere Sicht von mehr als drei Jahren werden breit anlegende Aktienfonds sicher eine Rendite von über 10 % pro Jahr abwerfen." Gleichzeitig dürften sich die gestiegenen Wertschwankungen wieder verringern. In den nächsten Monaten sei zwar noch mit erheblichen Kursschwankungen an den Börsen zu rechnen: "Aber schon jetzt sollte der Anleger, wenn er Aktiengeld auf längere Sicht investieren möchte, mit dem Anteilkauf bei breit anlegenden Fonds beginnen." Europäische und amerikanische Portfolios ziehe er vor.

Georg Seil reiht sich zwar in die Riege der Optimisten ein. "Langfristig schlägt die Aktie alternative Anlagen", erklärt der Vorstand der Wiesbadener Vermögensverwaltungs- und beratungsgesellschaft Georg Seil Consulting GSC. Er will sich schlechten Börsenphasen nach eigener Darstellung aber nicht ausliefern und ist deshalb ein Verfechter des Mischfondskonzeptes: "Mit dem passenden Mix aus Aktien, Anleihen und Liquidität fängt der Fondsmanager eine Baisse zumindest teilweise auf - das kann der traditionelle Aktienfondsmanager nicht." Der Vorstand räumt allerdings ein, dieser Risikopuffer wirke nur, wenn der Anlagestratege steigende Aktienrisiken auch rechtzeitig erkenne und sich nicht irre.

GSC berate den Mischfonds H & A GSConceptfonds I, der bis zu den Anschlägen am 11. September die Aktienfondsquote auf ein Viertel gesenkt habe. "Dann haben wir zu günstigeren Kursen gekauft und liegen jetzt bei 35 %", erläutert Seil. Diese Quote sei vom "neutralen" Anteil von 50 % allerdings immer noch deutlich entfernt, "denn es gibt weiterhin Restrisiken." Seine Strategie: "Wenn die Kurse wieder fallen, kaufen wir zu; bei steigenden Kursen werden wir dem Markt aber nicht hinterherlaufen."

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