Anleihen sind bei Fußballclubs in Mode
Vereine verpfänden ihre Zukunft

Selten ist jemand in der Fußballszene schneller bekannt geworden, ohne ein Tor zu schießen: Seit dieser Woche kennt jeder Fan in Deutschland wohl Stephen Schechter. Am Mittwoch verkündete der Londoner Finanzmakler, eine Anleihe für Borussia Dortmund parat zu haben, der BVB müsse nur noch unterschreiben. Um 100 Mill. Euro gehe es, heißt es in der "Zeit".

fs/thk LONDON/DÜSSELDORF. Damit wäre die seit Wochen wegen Finanzsorgen in den Schlagzeilen stehende Borussia der zweite Verein, der in Deutschland eine solche Anleihe auf seine Zukunft begeben lässt. 2002 vermittelte Schechter & Co Ltd. bereits dem Revier-Rivalen Schalke 04 rund 85 Mill. Euro. Ergebnis: Schalke begab sich in den vergangenen Monaten auf Einkaufstour in der Liga. Ailton, Bordon, Krstajic kicken ab Sommer in Gelsenkirchen.

Der BVB erklärte, Kontakt zu Schechter zu haben, entschieden sei aber nichts. Nach Informationen des Handelsblatts ist auch die in Medien genannte Summe von 100 Mill. Euro zu hoch gegriffen. Wahrscheinlicher ist eine Höhe von rund 60 Mill. Ohnehin könnte der Club die Anleihe nur mit Zustimmung des Liga-Verbandes Deutsche Fußball Liga (DFL) begeben. Das sagte deren Geschäftsführer Wilfried Straub dem Handelsblatt. Generell sei man aber nicht gegen dieses Finanzierungsinstrument.

Derzeit gibt es aber nur wenige Clubs, die Finanzmakler Schechter für interessant hält. Neben einigen niederländischen Vereinen seien einer oder zwei in der Schweiz und Frankreich interessant, maximal vier in Deutschland.

Beliebt sind bei Investoren Clubs, die auch in ungünstigen Fällen, wie bei einem Abstieg, attraktiv bleiben. Newcastle United zum Beispiel: "Selbst als sie auf dem letzten Platz in der Premier League standen, war das Stadion alle zwei Wochen voll", sagt Schechter.

Nominell werden nämlich die zukünftigen Zuschauereinnahmen verpfändet, faktisch werden die jährlichen Rückzahlungen aus dem gesamten Cash-Flow finanziert. Als abgesichert gelten Bonds, bei denen die jährlichen Zinsleistungen ein Viertel bis ein Drittel der erwarteten Ticketeinnahmen nicht übersteigen. Bislang liegt das Rating der in der Regel 15 bis 25 Jahre laufenden Anleihen im Bestfall bei BBB.

Die Einnahmen sollten aber in die Zukunft investiert werden, warnt Straub: "Wenn die Gelder beispielsweise zum Abbau von mittelfristigen Verbindlichkeiten eingesetzt werden, ist nichts dagegen einzuwenden." Kritisch werde es, wenn sie in "Risikokapital" fließen, zum Beispiel in teure Spieler.

Ähnlich sieht es Analyst Peter- Thilo Hasler, der den börsennotierten BVB für die Hypo-Vereinsbank beobachtet: "Der Zeitraum der Zinszahlungen sollte sich mit dem Zeitraum der Einnahmenflüsse decken. Wenn mit einer Anleihe über 15 Jahre Spieler mit Dreijahresverträgen finanziert werden, ist das nicht der Fall."

Quelle: Handelsblatt

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