Annäherung an Moskau
Kommunisten gewinnen Wahl in Moldawien

dpa CHISINAU. Mit einem überwältigenden Wahlsieg in Moldawien haben die Kommunisten erstmals in einer ehemaligen Sowjetrepublik wieder die Macht übernommen. Die Kommunistische Partei Moldawiens unter Führung von Wladimir Woronin erhielt bei der vorgezogenen Parlamentswahl nach offiziellen Angaben vom Montag 50,2 % der Stimmen. Sie kann damit auf 70 oder 71 Mandate in dem 101 Sitz zählenden Parlament in Chisinau rechnen, meldete die Agentur Interfax.

Die kommunistische Mehrheit reicht aus, um Woronin zum nächsten Präsidenten Moldawiens zu wählen. Er kündigte an, er wolle das Land in die Zollunion der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit Russland und Weißrussland führen. Außerdem werde er Russisch, das für jeden Dritten der 4,3 Mill. Einwohner Moldawiens Muttersprache sei, zur zweiten Staatssprache machen. Begonnene Wirtschaftsreformen sollten fortgesetzt werden, erklärte Woronin. "Es gibt das eurokommunistische Modell, an dem wir uns ausrichten werden."

Die zentristische Parteienallianz des bisherigen Regierungschefs Dumitru Braghis landete mit 13,45 % und voraussichtlich 19 bis 20 Mandaten abgeschlagen auf Platz zwei. Ansonsten übersprang nur noch die Christdemokratische Volksfront die Sechs-Prozent-Hürde mit 8,18 % und elf Mandaten.

In dem verarmten Moldawien zwischen Rumänien und der Ukraine stimmten die Bewohner vor allem aus wirtschaftlicher Enttäuschung für die Kommunisten. Der Durchschnittslohn liegt nur bei umgerechnet 60 DM im Monat. Außerdem hatten die Parteien das Land in den vergangenen Monaten in eine Verfassungskrise getrieben, weil ihnen im Parlament die Wahl eines neuen Präsidenten misslang. Der scheidende Präsident Petru Lucinschi sagte am Montag, alle Verantwortung liege nun bei den Kommunisten.

Das rumänische Außenministerium in Bukarest erklärte, die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland solle unabhängig von der politischen Ausrichtung in Chisinau fortgesetzt werden. Reaktionen der separatistischen Dnjestr-Republik in Moldawien, die ebenfalls von Altkommunisten beherrscht wird, gab es zunächst nicht.

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