Annäherung bei geplanten Joint Ventures mit Daimler und BMW
China setzt auf deutsche Autoriesen

Die chinesische Provinz Liaoning macht sich Hoffnung auf die Ankunft zweier deutscher Automobilhersteller. Im "Ruhrgebiet Chinas" nimmt die Zuversicht zu, dass im Frühjahr Verträge für Joint Ventures mit Daimler-Chrysler und BMW unterzeichnet werden. Thyssen-Krupp macht Druck im Zulieferbereich.

mg SHENYANG/DALIAN. Seit drei Jahren verhandeln Manager von Daimler-Chrysler mit Chinas führendem Nutzfahrzeughersteller FAW in Changchun über eine gemeinsame Produktion. Immer wieder stockten die Gespräche, doch jetzt könnte ein Durchbruch bevorstehen.

Chinesen sehen Durchbruch unmittelbar

Daimler will mit FAW schwere Nutzfahrzeuge herstellen und dafür in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian Motoren mit dem chinesischen Partner fertigen. FAW gilt bei Lastwagen mit über 6 t Nutzlast als die Nummer vier weltweit. Vor einem Monat hieß es in Industriekreisen, das Projekt sei nicht reif. "Doch wir sind in Dalian mit den Gesprächen schneller voran gekommen als anderswo", bestätigen nun mit dem Projekt vertraute Experten.

Nach Dalian lud im November Chinas Premier Zhu Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem privaten Abstecher ein. In der Provinzhauptstadt Shenyang bestätigt auch Gouverneur Bo Xilai den bevorstehenden Durchbruch. Im Mai reist Bo nach Deutschland, zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Der Gouverneur wird nicht nur Daimler-Chrysler besuchen, sondern auch die BMW-Zentrale, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Töne in Deutschland verhaltener

In Stuttgart fallen die Töne in Sachen China jedoch deutlich verhaltener aus. "In den nächsten Monaten steht da nichts an", sagte ein Daimler-Chrysler-Sprecher auf Anfrage. Es gebe zwar weiterhin Gespräche mit den Chinesen, aus Daimler-Sicht könne von einem unmittelbar bevorstehenden Durchbruch jedoch nicht die Rede sein.

Auch BMW hofft auf einen Durchbruch für sein geplantes China-Engagement. Im Dezember hatte der BMW-Generaldirektor für China, Gunther Seemann, bestätigt, man habe den Behörden einen Projektantrag zur Gründung eines Joint Ventures für die Autoproduktion vorgelegt. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem nordostchinesischen Minibushersteller Brilliance China Automotive (BCA) solle bis spätestens Frühjahr 2002 starten. Geplant sei eine Jahresproduktion von 8 000 Autos der 3er-Serie und 10 000 Einheiten der 5er-Serie.

Das BMW-Brilliance-Projekt, heißt es im Umfeld von Gouverneur Bo, soll im März von der Regierung genehmigt werden. "Wenn Bo Xilai im Mai nach Deutschland fährt", bestätigte Liaonings Vizegouverneur Xia Deren, "wird der Joint- Venture-Vertrag unterzeichnet."

Politik zeigt sich deutsch-freundlich

BCA hält 60 % an Chinas Markt für höherwertige Minibusse. Doch Brilliance sucht neue Wachstumsfelder. Das Unternehmen hat die Lizenz zur Herstellung des Mehrzweckfahrzeugs "Zhonghua" beantragt und erwartet die Genehmigung im laufenden Quartal. Die Kooperation mit BMW soll das zweite Standbein werden. Die politische Führung in Liaoning gibt sich deutsch-freundlich. "Die Produktion der BMW-Autos kann vor Ende des Jahres beginnen", sagt Vizegouverneur Xia. BMW selbst äußerte sich vorsichtig zu dem Projekt. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte ein Sprecher in München zu den Verhandlungen.

Fortschritte macht in Dalian auch das Stahlwerk, das Thyssen-Krupp mit dem chinesischen Hersteller Angang New Steel plant. Das 180 Mill. $ teure Werk - ein 50 : 50 Joint Venture, das pro Jahr 400 000 t Stahl für die Autoindustrie fertigen soll - nimmt Konturen an. "Der Bau der Fabrik beginnt", sagte Zhou Hai Fei, Generaldirektor der Dalian Economic Development Area, der größten Wirtschaftszone Chinas. Das Joint Venture hat zu Jahresbeginn mit der Bank of China einen Kreditvertrag geschlossen. Jetzt steht die Genehmigung durch Chinas Handelsministerium aus. Eine Thyssen-Krupp-Tochter wird zudem als Zulieferer lasergeschweißte Bleche für die chinesische Automobilindustrie liefern.

Die Hafenstadt Dalian und die Provinz Liaoning an der Bohaisee im äußersten Nordosten Chinas haben das Potenzial, dritte Boomregion im Reich der Mitte nach dem Perlfluss-Delta und der Jangtse-Mündung zu werden.

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