Annäherung bei wichtiger Frage der Zukunft Jerusalems
Neuer Friedensplan für Nahost-Gespräche

US-Präsident Bill Clinton legt am dritten Tag der israelisch-palästinenischen Gespräche in Washington einen neuen Friedensplan vor.

ap WASHINGTON/JERUSALEM. Am dritten Tag der israelisch-palästinensischen Gespräche in Washington hat US-Präsident Bill Clinton beiden Seiten einen neuen Friedensplan vorgelegt. Das verlautete am Donnerstag aus der israelischen und palästinensischen Delegation. Gleichzeitig sei man sich in der wichtigen Frage der Zukunft Jerusalems näher gekommen, hieß es. Trotz der offenbar positiven Entwicklung in Washington hielten die Spannungen im Gazastreifen auch am Donnerstag an.

Israel soll 90 Prozent des Westjordanlandes aufgeben

Der Clinton-Plan basiert nach Berichten aus israelischen Medien auf den Punkten, in denen man bereits beim erfolglosen Camp-David-Gipfel vom Sommer eine Einigung erzielt habe. Wie die Zeitung "Jediot Ahronot" schrieb, beinhaltet der Plan die Annahme, dass Israel 90 % des Westjordanlandes aufgibt und Teile Ostjerusalems mit arabischer Bevölkerung einem künftigen palästinensischen Staat zuschlägt. Dagegen wird das von den Palästinensern geforderte Recht auf Rückkehr aller seit der Gründung Israels 1948 vertriebener Araber in ihre Heimat abgelehnt. Mit der Unterzeichnung eines endgültigen Abkommens solle dann der israelisch-palästinensische Konflikt offiziell für beendet erklärt werden.

Der israelische Außenminister Schlomo Ben Ami sagte, Clinton habe die möglichen Parameter eines Abkommens vorgelegt. Er fügte hinzu: "Ich glaube, dass Israel mit den meisten dieser Parameter leben kann". Der palästinensische Unterhändler Jassir Abed Rabbo erklärte gleichzeitig, beide Seiten seien sich in der Jerusalem-Frage näher gekommen, doch gebe es nach wie vor gewichtige Differenzen. Voraussagen über Erfolgsaussichten wollte Rabbo nicht machen. "Vielleicht erreichen wir einen Durchbruch, vielleicht enden wir in einer Sackgasse", erklärte er lediglich.

Weitere Verhandlungen im Weißen Haus geplant

Clinton, der sich am Mittwoch in die Verhandlungen eingeschaltet hatte, will beide Seiten am Freitag wieder im Weißen Haus empfangen. Bis dahin fungiert Außenministerin Madeleine Albright als Vermittlerin. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, P.J. Crowley, erklärte, beide Verhandlungsparteien wollten bis zum Samstag in Washington bleiben. Wie es danach weitergehe, hänge von den bis dahin erzielten Fortschritten ab. Als letzten Termin für ein Abkommen nannten beide Seiten den 10. Januar, zehn Tage vor der Amtsübergabe Clintons an den neuen Präsidenten George W. Bush. Ein neues Gipfeltreffen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat werde es nur geben, wenn zuvor eine Einigung erzielt sei.

Bei neuen Unruhen im Gazastreifen kam am Donnerstag erneut ein Palästinenser ums Leben. Der 18-jährige Mann wurde von einem israelischen Panzer nahe dem Grenzübergang Karni zu Israel unter Feuer genommen und von mehreren großkalibrigen Kugeln getroffen. In Rafah demonstrierten am Donnerstag tausende von Menschen anlässlich der Beerdigung von vier am Vortag getöteten Palästinensern gegen Israel. Vier israelische Soldaten wurden nach Armeeangaben am Donnerstag bei einem Angriff eines Palästinensers in der Nähe von Ramallah im Westjordanland verletzt. Ein Palästinenser erlag inzwischen seinen Verletzungen vom Vortag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%