Annäherungsbedarf bei den Aufsichtsregeln
Versicherer und Banken leiden gemeinsam

Banken wie Versicherer leiden unter den schwierigen Verhältnissen am Kapitalmarkt, insbesondere dem Kursverfall der Aktien. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, beschwichtigt jedoch: "Mittlerweile hat sich der Dax bei 3000 Punkten stabilisiert. Mit weiter steigenden Kursen würde sich der Himmel für die deutschen Banken und Versicherungen weiter aufhellen."

DÜSSELDORF. Sanio sieht auch keine Gefahr, dass systematisch Risiken von Kreditinstituten auf Versicherer verlagert werden könnten. "Bei der geplanten Verbriefungsaktion von Kreditrisiken stehen die Einzelheiten noch nicht fest. Sicher ist aber, dass keine schlechten Risiken auf den Markt geworfen werden", ist er überzeugt. Ziel sei es, das normale Kreditvolumen bei den Banken zu reduzieren, um deren Eigenkapitalrelation zu verbessern. Sanio: "Mit einer Anlage in diesen Asset-Backed-Securities sind deshalb keine unvertretbaren Risiken verbunden." Außerdem: "Die Versicherer werden in ihrem eigenen Interesse die Risiken genau prüfen und dann ihre Anlageentscheidung treffen."

Skeptiker befürchten, dass Kreditlasten der Banken in die Anlageportefeuilles der Versicherer wandern könnten, wenn diese den Banken Kreditforderungen über so genannte Asset-Backed-Securities abkaufen. Hintergrund sind derzeit unterschiedliche Eigenkapitalanforderungen bei Banken und Versicherern. Anders als bei Kreditinstituten lösen Risiken in den Kapitalanlagen bei Versicherern bisher keine höheren Solvabilitätsanforderungen aus.

Wegen der niedrigen Zinsen könnte zudem mancher Versicherer geneigt sein, auf diese Weise mehr Rendite zu erzielen. Vor allem Lebensversicherer tun sich derzeit schwer, Garantiezinsen von bis zu 4 % zu erwirtschaften.

Der Risikotransfer hält sich laut Amt aber in Grenzen: Momentan haben die Lebensversicherer erst 0,5 % ihrer Anlagen, also rund 3 Mrd. Euro in verbriefte Anlagen investiert. Bei den übrigen Versicherern sind es sogar nur 0,25 % bzw. 1 Mrd. Euro. "Die deutschen Versicherer sind nicht der Spielball der Banken - auch nicht in Allfinanzkonzernen", hält Sanio fest. "Sie sind äußerst strengen Anlagevorschriften unterworfen, deren Einhaltung die BaFin strikt überwacht."

Gleichwohl sieht der Allfinanzaufseher Annäherungsbedarf bei den Aufsichtsregeln: "Banken und Versicherer sind in zunehmendem Maße identischen Risiken ausgesetzt." Es sei deshalb erforderlich, die Aufsichtsregeln für beide Branchen "immer mehr aneinander anzupassen". Er ist überzeugt: "Die neue Aufsichtsphilosophie für Banken, die mit dem Namen Basel II verbunden ist, enthält Grundgedanken, die auch für die Versicherungsaufsicht fruchtbar gemacht werden können." Doch er weiß um die Sorge der Assekuranz vor einem Überstülpen des Banken-Regelwerks und beruhigt: "Natürlich muss den Besonderheiten der Versicherungsbranche dabei Rechnung getragen werden."

Auch die Prüfungsgesellschaft KPMG kam in einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie zu der Empfehlung, die Struktur von Basel II in abgewandelter Form für die Assekuranz zu übernehmen. Das Pendant zu Basel II für die Versicherer heißt Solvency II und steckt noch in den Kinderschuhen. Nach den gegenwärtigen Planungen soll Basel II am 31. Dezember 2006 in Kraft treten. Solvency II soll möglichst schnell gleichziehen. Es "wird schnell an Fahrt aufnehmen und in einigen Jahren prägend für den Versicherungssektor sein", prognostiziert Sanio.

Bei Solvency II wie bei Basel II handelt es sich um neue Berechnungsvorschriften für das nötige Eigenkapital. Beide sollen sich künftig stärker an den tatsächlich übernommenen Risiken orientieren und auch die internen Risiko-Kontrollinstrumente berücksichtigen. Der Zusammenbruch der Aktienmärkte hat den Aufsehern in der EU gezeigt, dass die Risiken aus Kapitalanlagen auch bei der Berechnung der Sicherheitsmittel für Versicherer stärker berücksichtigt werden müssen. Vor allem aber wollen sie eine zu hohe Risikokonzentration vermeiden - egal, ob sie durch Marktschwankungen oder Ausfälle von Kreditnehmern oder Lieferanten von Rückversicherungsschutz verursacht werden. Transparenzvorschriften "zur Förderung der Marktdisziplin" runden schließlich die neuen Regeln ab.

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