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Anne Frank wurde vor 75 Jahren geboren

Frankfurt/Main (dpa) - Das Buch war orange-grau-kariert und gut versteckt, ehe sein Inhalt weltbekannt wurde: Das Tagebuch der Anne Frank gibt die Gedanken eines jüdischen Mädchens in einem Amsterdamer Versteck während der Nazizeit wieder.

Frankfurt/Main (dpa) - Das Buch war orange-grau-kariert und gut versteckt, ehe sein Inhalt weltbekannt wurde: Das Tagebuch der Anne Frank gibt die Gedanken eines jüdischen Mädchens in einem Amsterdamer Versteck während der Nazizeit wieder.

Seine Autorin wurde am 12. Juni vor 75 Jahren in Frankfurt geboren und kam noch nicht einmal 16 Jahre später im Konzentrationslager Bergen-Belsen um. Deutschland musste sie schon mit vier Jahren verlassen, als Hitler an die Macht kam.

Die Familie flüchtete sich nach Amsterdam, wo der Vater Otto Frank sich ein neues Geschäft aufbaute. Doch nach dem Einmarsch der Deutschen im Mai 1940 waren Juden auch dort nicht mehr sicher. Die Eltern bereiteten von langer Hand vor, dass die Familie untertauchen konnte. Die einzige Möglichkeit, um zu überleben.

Als Anne am 12. Juni 13 wurde, bekam sie das berühmte, nach dem Krieg in mehr als 50 Sprachen übersetzte Tagebuch geschenkt. Beim Kauf sei sie dabei gewesen, berichtet sie in ihrem zweiten Eintrag zwei Tage nach ihrem Geburtstag. Zuvor hatte sie dem Tagebuch anvertraut: «Ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein.» Und das war das unscheinbare Buch tatsächlich, als sich die Situation für Juden auch in den Niederlanden weiter verschlechterte. Der Gestapo-Terror zwang sie nicht nur zum Tragen des gelben Judensterns.

1941 musste Anne von der Montessori-Schule auf das jüdische Lyzeum wechseln. Am 5. Juli 1942 erhielt ihre ältere Schwester Margot einen Aufruf von der SS. Die Familie verschwand am Tag darauf in das lange vorbereitete Versteck über der Firma ihres Vaters, die kurz zuvor an Niederländer hatte übergeben werden müssen. Mit einer anderen befreundeten Familie und einem Freund begann ein Leben von acht Menschen auf engstem Raum.

«Het achterhuis» wollte Anne ihre Aufzeichnungen später gerne nennen. Unter diesem Titel wurde ihr Tagebuch erstmals 1947 veröffentlicht. Das Hinterhaus war alles andere als eine Idylle. Auch wenn Anne, die als Annelies Marie zur Welt kam, sich diese schön zu reden versuchte. «Wenn es auch feucht ist und ein bisschen krumm und schief, wird man wahrscheinlich kaum nochmal so etwas komfortables in Amsterdam finden, vielleicht in ganz Holland nicht», beschrieb sie.

Tatsächlich führte das enge Aufeinanderhocken der acht Juden zu Zänkeleien. Und die lebhafte, redelustige Anne fühlte sich oft nicht richtig verstanden. Sie bewahrte sich aber ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Nach dem Krieg wollte sie Schriftstellerin oder Journalistin werden. In der Realität des Lebens im Hinterhaus der Prinsengracht 263 sah das allerdings anders aus. Sie setzte zwar ihre kindliche, pubertäre Hoffnung gegen die Atmosphäre der Angst. Aber Konflikten, vor allem mit ihrer Mutter, konnte sie nicht aus dem Weg gehen. So vertraute sie ihrer fiktiven Freundin «Kitty» an, an die sich die Eintragungen im Tagebuch richteten: «Sie weiß noch nicht mal, wie ich über die normalsten Dinge der Welt denke.»

Auch mit der älteren Schwester Margot hat Anne Schwierigkeiten: «Ich habe eine ganz andere Natur als Margot und meine Mutter, sie sind so fremd für mich.» Das schwierige Zusammenleben in der Illegalität hellt für Anne vor allem die Verliebtheit in den Sohn der mit in den Untergrund gegangenen Familie auf.

Mehr als zwei Jahre kann die Familie mit den vier Freunden in dem Versteck überleben, das nur durch einen drehbaren Aktenschrank zu betreten ist. Dann kommt der 4. August 1944: Die acht Juden sind verraten worden. Ein Polizeikommando unter Führung eines Wiener Polizeiinspektors steht vor der Tür.

Die Familie Frank wird ins Konzentrationslager gebracht. Nur Annes Vater überlebte und konnte später das Tagebuch seiner Tochter herausgeben. Seine Frau starb im KZ Auschwitz. Anne und Margot kamen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen, erkrankten dort an Typhus und starben kurz vor der Befreiung.

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