Anni Friesinger verpasst Bronze-Rang knapp: Pechstein in Weltrekordzeit zur Goldmedaille

Anni Friesinger verpasst Bronze-Rang knapp
Pechstein in Weltrekordzeit zur Goldmedaille

Claudia Pechstein hat die deutsche Eisschnelllauf-Hackordnung durchbrochen und am Sonntag mit neuem Weltrekord dem deutschen Olympia-Team in Salt Lake City das erste Gold beschert. In der fantastischen Zeit von 3:57,70 Minuten verbesserte die Berlinerin über 3000 m ihren eigenen Weltrekord um 1,56 Sekunden.

dpa SALT LAKE CITY. Damit verwies sie zugleich im emotionsgeladenen Zweikampf mit Anni Friesinger die Seriensiegerin der Saison auf den vierten Platz. Zwischen beide Deutsche schoben sich die Niederländerin Renate Groenewold und die Kanadier Cindy Klassen.

"Das ist ein Traum, einfach geil! Ich wollte nicht zu schnell angehen, weil ich wusste, dass ich das Tempo hinten heraus dann nicht halten kann", jubelte die nunmehr dreimalige Olympiasiegerin. Anni Friesinger versuchte mühsam, ihre Enttäuschung zu verbergen. "Ich hab' noch drei Chancen, die versuche ich zu nutzen." Sie habe "die Flucht nach vorn antreten müssen", da habe zum Schluss die Kraft gefehlt.

Nach Friesingers Erfolgskette im Weltcup, bei der Claudia Pechstein stets geschlagen das Eis verlassen musste, war es zwischen den Erz-Rivalinnen zu mehreren verbalen Schlagabtauschen gekommen, die die seit Jahren bestehenden Gräben zwischen beiden "Eis-Eiligen" noch vertieft hatten. Vor der Entscheidung gab es jedoch einen "stillen" Pakt, wonach keine Befindlichkeiten mehr in die Öffentlichkeit getragen werden sollten.

Mit ihrem Glanzlauf sorgte Claudia Pechstein für die 50. Olympia- Medaille der deutschen Eisschnellläufer seit 1960 und die 15. Goldplakette der deutschen Damen in der Olympia-Historie. In der Rangliste der erfolgreichsten deutschen Winter-Olmpioniken schob sich die Hauptstädterin, die seit einigen Jahren ein Haus im brandenburgischen Dienstdorf-Radlow bewohnt, mit ihrer dritten Goldmedaille nach den 5 000-m-Erfolgen von Hamar und Nagano auf die vierte Stelle und hat nun die Riesenchance, mit einem weiteren Erfolg über 5000 m am 23. Februar die Top-Position unter den deutschen Winter-Olympioniken zu übernehmen.

Pechstein lief wie ein Uhrwerk

Im vorletzten Paar bewies die 29-Jährige im direkten Duell gegen die Kanadierin Cindy Klassen ihre Steigerungsfähigkeit und ließ sich auch durch die zwischenzeitliche Top-Zeit von Anni Friesinger, die in 3:59,39 Minuten als zweite Frau der Welt unter vier Minuten geblieben war, nicht vom Gold-Kurs abbringen. Wie ein Uhrwerk spulte sie ihr Hochgeschwindigkeits-Rennen ab. Claudia Pechstein, die einen Tag vor dem 5 000-m-Finale ihren 30. Geburtstag in Salt Lake feiert, trat mit ihrem Erfolg die Nachfolge von Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt) an, die in Nagano den deutschen Dreifacherfolg gekrönt hatte.

Im Duell mit der starken Amerikanerin Jennifer Rodriguez hatte auch Friesinger mit einem schnellen Angang ihre Stärken ausgespielt, doch auf den Schlussrunden fehlte die Kraft, um den Weltrekord zu brechen. Ihr Trainer Markus Eicher war nicht enttäuscht. "Ich habe vor der Auslosung gesagt: Gegen Rodriguez, das wäre gut. Wir wussten, dass sie als 1 500-m-Spezialistin schnell genug angehen wird und am Ende vielleicht ein paar Probleme bekommt. Aber gegen Claudia Pechstein hat es eben diesmal nicht gereicht", meinte der Inzeller, der schon vor Wochen eine Sieger-Zeit von 3:57 Minuten für das Finale auf dem "Wundereis" von Salt Lake vorausgesagt hatte.

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