Anruf aus dem Internet
Voice-over-IP steckt noch voller Tücken

Wer telefoniert, muss bezahlen. Wer viel telefoniert, der muss viel bezahlen. Für Unternehmen machen die monatlichen Telefonrechnungen trotz teilweise gefallener Preise immer noch einen kräftigen Batzen aus. Dazu kommen die Kosten für die Internet-Infrastruktur und Netzwerke. Was läge da näher, als beide Welten zu verbinden und Synergieeffekte durch einheitliche Technik zu nutzen. Das soll nicht nur Einsparpotenziale beim Telefonieren selbst bringen, sondern auch helfen, Telefonie mit DV-Anwendungen zu verbinden, etwa bei der Kundenberatung.

Das Zauberwort dafür ist bereits seit einiger Zeit Voice-over-IP (VoIP), die Übertragung von Sprachkommunikation mit Internet-Technologie. An die Magie dieser Technologie glauben jedoch bislang in erster Linie die Analysten, und selbst die mussten ihre Erwartungen revidieren. "Mit den für 1999 erwarteten Nutzerzahlen wird erst in zwei bis drei Jahren gerechnet", analysiert Joachim Blödel vom Darmstädter Beratungsunternehmen Danet Consult die aktuellen Zahlen der Analysten. Die Kasseler Techconsult hat sich die deutsche Nutzerlandschaft angesehen und kommt zu einem ähnlichen Bild.

Obwohl der Durchbruch schon für die vergangenen Jahre angekündigt war, nutzen derzeit nur zirka sieben Prozent der Unternehmen über 20 Beschäftigte Sprachübertragung via Internet. Diese Zahlen mögen relativ hoch erscheinen, bedeuten aber lediglich, dass in den betreffenden Firmen auch mit Sprachübertragung via Internet gearbeitet wird. Daneben stehen immer noch klassische Telekommunikationsanlagen. Meta-Group-Consultant Peter Scheer hat eine einfache Erklärung für die Zurückhaltung: "Wenn man die Investitionen betrachtet, muss man deren Langfristigkeit sehen. TK-Infrastruktur wird in großen Unternehmen über bis zu zehn Jahre abgeschrieben." Das gelte auch dann, so Scheer weiter, wenn die Anlagen gemietet werden, auch hier lägen die Laufzeiten bei großen TK-Anlagen in der Regel immer noch bei bis zu zehn Jahren. Erst wenn Ersatz gesucht wird, wird eventuell über technologische Alternativen nachgedacht.

Beispiele für einen unternehmensweiten Einsatz sind so noch dünn gesät, viele Unternehmen schrecken vor technologischen Experimenten zurück.

Einer der Gründe ist nach Meinung von Michael Röhr, Bereichsleiter Corporate Networks der RAG Informatik in Gelsenkirchen, in der Vergangenheit auch ein Marketingfehler gewesen: "Voice-over-IP wurde mit klassischen TK-Anlagen verglichen. Entscheidend ist aber die Gestaltung und Verbesserung des Kommunikationsprozesses als Ganzes." Sein Unternehmen hat mittlerweile eine Mischstruktur in Betrieb: Neben einer klassischen Telefonanlage mit 400 Apparaten sind 350 Internet-Telefone im Einsatz. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich durchaus Einsparungen realisieren lassen. "Die Wartung der Endgeräte kann bei der TK-Anlage 23 Euro, bei Voice-over-IP 12,50 Euro kosten", nennt Projektleiter Stefan Kittel ein Beispiel. Auch Umzüge seien billiger zu realisieren: "Die Kosten bei der TK-Anlage pro Apparat können bis zu 73 Euro pro Apparat betragen, bei Voice-over-IP künftig fast nichts. Bei den Internet-Geräten brauchen wir in der nächsten Generation nur eine PIN-Nummer, um ein Telefon am neuen Arbeitsplatz in Betrieb zu nehmen."

Bei aller Euphorie gibt Analyst Scheer zu bedenken: "Die Technologie ist von den Protokollen her stabil, aber die Lösungen müssen sich mittelfristig noch weiterentwickeln und reifen." Das gelte unter anderem für den Drahtlosbereich, also beispielsweise die Einbindung von Drahtlostelefonen auf Basis von DECT-Technologie, drahtlosen lokalen Netzen oder dem Wireless- Übertragungsstandard Bluetooth.

Unternehmen, die über einen Umstieg nachdenken, rät Scheer zu einer genauen Analyse der bestehenden Infrastruktur. Dabei dürften nicht nur die Kosten für Anlagen und Endgeräte gegenübergestellt werden. Die Komponenten der lokalen oder Weitverkehrsnetze, Router und Switche, sind bei VoIP Teil der Kommunikationslösung. Sie müssen den Sprachpaketen Vorfahrt vor sonstigen IP-Paketen einräumen, da sonst die Sprachqualität leidet. Mittelfristig, also in fünf bis zehn Jahren, werde sich diese Technologie aber bei allen Unternehmen durchsetzen, so Scheer.

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