Ansätze eines Konzepts sind offenbar vorhanden
Die Regierung stößt an

Rot-Grün plant eine Imagekampagne zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 - doch ein Konzept fehlt bislang.

BERLIN. Otto Schily steht auf einer Bühne und zieht die Mundwinkel nach oben. "Lächeln kann man üben", ruft der Bundesinnenminister dem Publikum bei einem Empfang in Berlin zu. "Probieren Sie es mal! Das entspannt."

Deutschland freundlich, weltoffen und modern präsentieren - das ist das Ziel der Bundesregierung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) plant sie deshalb eine Imagekampagne für das Land. Für 2006 sind dafür zwölf Millionen Euro Bundesmittel vorgesehen, für kommendes Jahr wurden bereits 10,65 Millionen Euro bewilligt. Das Geld kommt aus dem Erlös einer Goldmünze, mit dem eigentlich die Ausrichtung der WM-Eröffnungsfeier in Berlin bezahlt werden sollte. Nun, da der Fußball-Weltverband Fifa die Feier veranstaltet, widmet die Regierung die Mittel um. Das ruft Kritik bei vielen Abgeordneten im Deutschen Bundestag hervor - denn ein Konzept für die Imagekampagne liegt einen Monat vor Beginn des Haushaltsjahres nicht vor.

"Dem Parlament muss so rasch wie möglich ein Konzept vorgelegt werden", fordert der grüne Abgeordnete Winfried Hermann. Bislang seien weder die Zielgruppen der Kampagne noch die Abläufe bekannt. Das räumen die Beteiligten auch ein. "Wir befinden uns noch in Anfangsüberlegungen", heißt es beim BDI. Und Schily sagt auf Nachfrage: "Wir befinden uns noch mitten in der Diskussion." Die Kritik an dem Projekt kann der Minister nicht verstehen. "Soll ich etwa die Fifa anrufen und darum bitten, die Weltmeisterschaft auf 2007 zu verschieben?", fragt Schily spöttisch.

Die Opposition will das Thema heute im Sportausschuss des Bundestags ansprechen. "Die WM gehört uns allen, nicht nur der Regierung", sagt der FDP-Experte Detlef Parr. Die Opposition fürchtet eine Kampagne, die kurz vor der Bundestagswahl nicht nur die allgemeine Stimmung aufhellt, sondern vor allem Rot-Grün nützt. "Die WM soll Schröders Flut 2006 werden", sagt Parr sarkastisch. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte zuletzt mit Industrievertretern bei einem Abendessen über die Kampagne gesprochen. Seitdem wird an der Initiative mit dem Arbeitstitel "FC Deutschland 06" gewerkelt - unter anderem im Bundespresseamt.

Ansätze eines Konzepts sind offenbar vorhanden. So wurde von den Beteiligten ein Ideenpapier diskutiert, bestätigen Regierungskreise. Auch die Suche nach Partnern hat begonnen. Für die Gestaltung von Plakaten wurde vom BDI die Berliner Agentur WeDo angesprochen, die schon das offizielle Fifa-Plakat für die WM gestaltet hat. Das bestätigen Branchenkreise. "Da läuft was, über das ich nicht reden darf", sagt Gregor C. Blach von WeDo. Im Frühjahr soll die Vergabe des WM-Plakats geklärt sein. Dann wollen auch die Beteiligten von Regierung und BDI erste Ergebnisse vorlegen.

Große Wirtschaftskonzerne zeigen sich indes bereit, den Ball aufzunehmen. "Wir sind nicht nur WM-Sponsor, sondern haben auch Interesse, den Wirtschaftsstandort zu stützen", sagt Matthias Schumann, Leiter der Sportkommunikation bei der Telekom. Aus Wirtschaftskreisen heißt es, die Kampagne solle Deutschland als Marke präsentieren, möglichst in den Landesfarben. Auch die Logos der zehn bis zwölf Partner könnten präsentiert werden. "Das Projekt ist sinnvoll", sagt Meinolf Sprink, der Sportchef von Bayer. "Bei einer WM geht es nicht nur darum, dass das Runde ins Eckige muss."

Otto Schily hätte bei diesem Satz wohl gelächelt.

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