"Anscheinend übt Gerhards tiefschwarzes Haar einen gewissen Reiz auf weibliche Wähler aus": Britische Medien analysieren Schröders Haarfarbe

"Anscheinend übt Gerhards tiefschwarzes Haar einen gewissen Reiz auf weibliche Wähler aus"
Britische Medien analysieren Schröders Haarfarbe

Das dunkle, jugendlich wirkende Haar von Bundeskanzler Gerhard Schröder (57) beschäftigt inzwischen auch die britischen Medien. Das Boulevardblatt "The Mirror" widmete am Dienstag der haarigen Frage, ob der Kanzler möglicherweise zu Färbemitteln greife, die gesamte Seite Drei.

dpa LONDON/BERLIN. Unter der wortspielerischen Überschrift "A bad Herr dye" (Eine schlechte Haartönung) fordert das Blatt die Leser auf, nach Betrachten zweier großformatiger Schröder-Bilder selbst zu entscheiden. Schließlich habe der Kanzler - "der nicht wegen seines Sinns für Humor bekannt ist" - jedem eine Klage angedroht, der behauptet, er färbe sein Haar.

In Deutschland wird die Haarfarbe des Kanzlers meist nur innerhalb der Redaktionen oder hinter vorgehaltener Hand thematisiert. Erst in der vergangenen Woche wurde ein Bericht mit einer Vermutung über tönende Eingriffe auf Kanzlers Haupt wieder vom Medienmarkt genommen. Schröder soll zuvor über einen Anwalt mit einer Unterlassungserklärung gedroht haben.

Die Seriosität des Vergleichs im britischen «Mirror» leidet allerdings darunter, dass das Bild, das einen eindeutig eher grauen Schröder "in seinen ersten Amtstagen" zeigt, auf den 12. September 2001 datiert ist. Der "Mirror" weist darauf hin, dass er schon lange - unwidersprochen - behauptet, Premierminister Tony Blair (48) lasse sein Haar vom Londoner Prominentenfriseur Andre Suard tönen: "Sein Haar verändert sich von Grau zu hellbraun und manchmal sogar Goldbraun."

Der britische Rundfunk BBC berichtete, Bundeskanzler Schröder habe "die Staatsgeschäfte beiseite geschoben, um ein sehr wichtiges Detail klar zu stellen: Seine Haarfarbe". Der Sender erinnert daran, Schröders Haare seien schon "während des Wahlkampfes 1998 ein Gegenstand intensiver Spekulation" gewesen. "Da Deutschland im September erneut wählt, hofft Schröder offensichtlich, dass die Drohung mit rechtlichen Schritten weiteres Gerede verhindert."

Die linksliberale Zeitung "The Guardian" spricht am Dienstag von "gemeinen Gerüchten bezüglich des Mangels an Silber an den Schläfen" des Kanzlers. Die Frage sei höchst wichtig: "Anscheinend übt Gerhards tiefschwarzes Haar einen gewissen Reiz auf weibliche Wähler aus." Der "Guardian": "Es geht um eine Frage des Vertrauens. Wenn ein Politiker über seine Haarfarbe lügt, worüber mag er dann noch flunkern?"

Der "Daily Express" widmet dem Thema am Dienstag eine ganze Seite, befasst sich aber nicht nur mit "der schrecklichen Beleidigung, dass das Haar des 57-Jährigen unglaublich jugendlich und unnatürlich schwarz aussieht". Andere Prominente hätten weniger Probleme damit. US-Präsident Ronald Reagan habe immer gefärbtes Haar gehabt, was niemanden gestört habe: "Aber er war schließlich auch gelernter Schauspieler." Tony Blair habe drei Maßnahmen gegen das Altern ergriffen: "1. Vorhandene Strähnen so beruhigend wie nur möglich vorzuzeigen, 2. ein bisschen Farbe hinzuzufügen, aber nicht so viel, dass er das nicht bestreiten könnte, und 3. ein Kind zu zeugen."

Schon am Montag hatte der konservative "The Daily Telegraph" dem Thema einen Zweispalter auf Seite Eins und eine Glosse im Kommentarteil gewidmet. Darin hieß es: "Ist das denn wirklich ein so beschämender Gedanke? Warum können Männer nicht offen zugeben, Haarfarbe zu benutzen?" Das Blatt: "Männliche Politiker sollen froh darüber sein, Grau zu sein. Das Ideal ist ein staatsmännischen Silbergrau. Schröder hat also allen Grund zur Sorge, denn sein Gegner Edmund Stoiber hat einen schönen Graukopf."

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