Anschläge in USA werfen Schatten auf Mailänder Modemesse
Italiens Edelschneider bevorzugen ernste Töne

Ein riesiges amerikanisches Sternenbanner ziert die Wand hinter dem Laufsteg, dazu erklingt ernste Musik. Erst nach dem Gedenken an die Terroropfer in den USA beginnt die Schau des Stylisten Salvatore Ferragamo. Auf der Mailänder Modewoche, die am Sonntag zu Ende geht, sind die Folgen der Terroranschläge Thema Nummer eins.

HB MAILAND. Luxusgüter - wie die teuren Kleider und Accessoires italienischer Designer - leiden ganz besonders unter dem schwindenden Verbrauchervertrauen. Viele Einkäufer großer US-Kaufhäuser sind Mailand gleich ganz fern geblieben. Dass sogar in den Fünf-Sterne-Hotels der Stadt noch Zimmer frei sind, ist ein Indiz für die Flaute. Die alles beherrschende Frage in der Branche ist deshalb: Wer hat die besten Chancen, die Krise einigermaßen unbeschadet zu überstehen.

Nach einer Studie der Mailänder Unternehmensberatung Pambianco machten die 15 größten italienischen Modemarken rund ein Viertel ihres Umsatzes in den USA. Vor allem Gucci, Prada, Giorgio Armani, Ermenegildo Zegna und Salvatore Ferragamo sind vom US-Markt besonders abhängig und leiden deshalb stark unter der Zurückhaltung amerikanischer Verbraucher.

Prada berichtet, dass der Umsatz in seinen US-Boutiquen um bis zu 40 % zurückgegangen ist. Das Geschäft von Salvatore Ferragamo ist sogar um 70 % eingebrochen. Dennoch räumt Carlo Pambianco, Chef der gleichnamigen Unternehmensberatung, diesen Unternehmen noch die besten Chancen ein, die Krise zu meistern: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es die großen Marken einfacher haben. Die Einzelhändler können nicht auf sie verzichten. Schwierig wird es für die kleinen und mittleren Hersteller."

Entsprechend schlecht ist die Stimmung unter den jungen, noch unbekannten Modehäusern, die nach Mailand gekommen sind. Michela Solari, Designerin von Taschen und Schals, spricht vom schlechtesten Geschäft seit Jahren. "Die Leute kommen zwar, um zu schauen, aber bestellt wird wenig. Alle scheinen abzuwarten, was passiert", sagt sie. Es sei einfach nichts los, hört man auch nebenan bei Liviana Conti.

Alles andere als glücklich über die jetzige Situation ist auch Diego Della Valle, Gründer und Chef des börsennotierten Schuh- und Modeherstellers Tod's. "Natürlich haben sich die Geschäftsaussichten eingetrübt", sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Ich glaube aber nicht, dass die schlechte Stimmung von langer Dauer sein wird." Tod's ist vergleichsweise wenig abhängig vom US-Markt. Hier macht der Modeanbieter nur 15,5% seiner Erlöse.

Della Valle glaubt, dass Hersteller hochwertiger Produkte weniger leiden werden als Firmen, die in erster Linie auf die Wirkung ihrer berühmten Marken setzen: "Klassiker sind gegenüber modischen Häusern im Vorteil." Eine Meinung, die man derzeit in Mailand häufig hört. Riccardo Braccalini, Vorstandschef des gleichnamigen Lederwarenherstellers aus der Toskana, sagt dem Handelsblatt: "Firmen, die irgendwelche Accessoires für dreißig Mark herstellen, ein hübsches Label draufnähen und dafür 500 Mark verlangen, werden in Schwierigkeiten geraten. Hochwertige Produkte, wie unsere handgenähten Geldbörsen, finden immer ihren Markt."

Branchenkenner glauben, dass einige Luxusgüterunternehmen die Folgen des Terrors als willkommene Begründung für einen ohnehin schwächeren Geschäftsverlauf nutzen. So hat Prada seinen im Herbst geplanten Börsengang erneut verschoben, angeblich wegen der Vorgänge in den USA. In Mailand pfeifen aber die Spatzen von den Dächern, dass der Konzern angesichts einer miserablen Ertragslage und hoher Schulden derzeit ohnehin nicht fit für den Börsengang wäre.

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