Anschläge möglich
BND sieht Bin Laden noch am Leben

Der Moslem-Extremist Osama bin Laden ist nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendienstes (BND) trotz der seit Monaten andauernden militärischen Aktionen in Afghanistan noch am Leben.

Reuters BONN. Seine Organisation El Kaida könne zudem weiter Anschläge ausführen, sagte Hans Beth, Leiter der BND-Abteilung Internationaler Terrorismus und Kriminalität, am Dienstag in Bonn. Anschläge seien auch in Deutschland nicht auszuschließen. Erkenntnisse über die Übergabe von Massenvernichtungswaffen an Extremisten durch Staaten wie Irak gebe es aber nicht.

"Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass Bin Laden noch am Leben ist" sagte Beth am Rande einer internationalen Polizeitagung in Bonn der Nachrichtenagentur Reuters. Bin Laden halte sich wohl "im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf". Diese Erkenntnisse des BND stützten sich auch auf Informationen von US-Diensten. "Es werden Bewegungen wahrgenommen", fügte Beth mit Blick auf den mutmaßlichen Aufenthaltsort Bin Ladens hinzu.

Amerikanische, israelische und jüdische Objekte bedroht

"Nach der aktuellen Bedrohungsanalyse des BND sind es vor allem amerikanische, israelische und jüdische Objekte, die weltweit, auch in Deutschland, durch Terroristen gefährdet sind", sagte Beth weiter. Zwar erscheine die Fähigkeit der El Kaida zu Anschlägen mit umfangreicher Planung und komplizierter Logistik nach der Zerstörung ihrer Infrastruktur in Afghanistan "eingeschränkt", doch seien Anschläge "geringerer Komplexität" jederzeit möglich. Als Beispiel nannte Beth den Anschlag von Dscherba, bei dem auch deutsche Urlauber getötet worden waren. Vorstellbar sei auch ein Strategiewechsel der El Kaida unter dem derzeitigen Fahndungsdruck zu "kleineren Aktionen".

Der BND gehe davon aus, dass Bin Laden und seine Vertraute weiter als Impulsgeber für Anschläge zur Verfügung stünden. Die Kommunikationsstruktur des El Kaida-Netzwerks funktioniere weiter, sagte Beth. In jüngster Zeit seien sogar verstärkte Aktivitäten festzustellen. Darauf seien auch die jüngsten Terror-Warnungen der US-Regierung zurückzuführen. In Afghanistan seien in den 80er Jahren Tausende von Menschen militärische ausgebildet worden. Speziell für Anschläge seien einige Hundert Menschen trainiert worden. "Dieses Potenzial ist weltweit zerstreut." Durch die Angriffe auf Afghanistan gebe es zudem Fluchtbewegungen nach Iran und Pakistan. Auch Saudi-Arabien sei "ein Magnet, der Rückkehrer aus Afghanistan anzieht".

Keine Information über Massenvernichtungswaffen

Mit Blick auf mögliche Versuche von Extremisten, Massenvernichtungswaffen in ihre Hände zu bringen, sagte Beth, der BND verfüge derzeit über "keine belastbaren Informationen über Proliferationsvorgänge (Verbreitung von Massenvernichtungswaffen) zwischen Staaten und terroristischen Gruppen - einschließlich El Kaida und Irak." Vieles deute aber darauf hin, dass im Umfeld Bin Ladens bereits der Einsatz von Massenvernichtungswaffen erwogen worden sei.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, sagte ebenfalls, es sei nicht auszuschließen, dass es in Deutschland zu "gewalttätigen Aktionen" kommen könnte, wenn sich die Perspektiven in Nahost aus palästinensischer Sicht weiter verschlechterten und dafür die europäischen Staaten verantwortlich gemacht würden. Das Bundesamt beobachte eine "Emotionalisierung" unter palästinensischen und sunnitischen Gruppen in Deutschland. Auch hätten Durchsuchungen seit dem 23. April ergeben, dass eine palästinensisch-jordanische Gruppe mit dem Namen "Al Tawhid" Anschläge gegen israelische oder jüdische Einrichtungen in Deutschland geplant habe. "Ich hoffe, es gelingt uns weiter, Dinge aufzuklären, die drohen könnten - wie es uns bei Al Tawhid gelang", sagte Fromm.

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