Anschläge schüren den Pessimismus
Ifo-Index auf Tiefststand gesunken

Der vom Münchener Ifo-Institut ermittelte Index zum weltweiten Wirtschaftsklima ist im Oktober auf einen Tiefststand gesunken. Der errechnete Welt-Konjunkturindex habe mit 70,7 den niedrigsten Wert seit dem Beginn der Erhebung vor über 20 Jahren erreicht, hieß es im 74. Konjunkturtest International (KTI) des Ifo.

Reuters MÜNCHEN. Das größte Problem der Weltwirtschaft sei derzeit ein Mangel an Nachfrage, während die Angst vor Inflation und hoher Arbeitslosigkeit nachgelassen habe. Auf Sicht von sechs Monaten erwarten die Experten weitere Zinssenkungen.

Der seit eineihalb Jahren feststellbare Abwärtstrend der Weltwirtschaft hat sich den Angaben zufolge beschleunigt. Von seinem Höhepunkt im April 2000 ist der Index um über 40 % abgestürzt, im Juli 2001 erreichte er noch einen Wert von 84,1. Die Experten hätten nicht nur ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage drastisch gesenkt, sondern gleichzeitig auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate, erklärten die Wirtschaftsforscher den dramatischen Rückgang. Beide Komponenten tragen in gleichem Maße zu dem Klimaindex bei, der ähnlich wie der viel beachtete Ifo-Index für Deutschland errechnet wird.

Das Ifo schloss nicht aus, dass die Anschläge in den USA den Pessimismus besonders geschürt haben. Dieser sei daher möglicherweise vorübergehender Natur. Die gesunkenen Ölpreise und kurzfristigen Zinsen könnten schon im Januar wieder zu etwas mehr Zuversicht führen, hieß es.

Euro gilt weiterhin als unterbewertet

Trotz zahlreicher Zinssenkungen war der weltweite Rückgang der kurzfristigen Zinsen im Oktober nach Ansicht der befragten Experten aus 79 Ländern noch nicht zu Ende. In den USA könnten diese in den nächsten Monaten noch unter die Marke von zwei Prozent sinken, auch in Europa, Großbritannien und Australien sehen sie noch Spielraum nach unten. Aber auch am langen Ende seien niedrigere Zinsen denkbar, heißt es im KTI. Der Euro wird weiter für unterbewertet gehalten. Der Dollar, der wie der Yen und zunehmend auch das Pfund als überbewertet gelte, werde in den kommenden sechs Monaten gegenüber dem Euro billiger werden.

Weit pessimistischer als vor einem Jahr sehen die Experten die Wachstumschancen auf Sicht von drei bis fünf Jahren. Für Westeuropa, Deutschland und die USA prognostizieren sie nur 2,2 % Wirtschaftswachstum, deutlich weniger als noch vor einem Jahr. Die Weltwirtschaft werde pro Jahr nur noch mit 2,5 % und nicht wie vor Jahresfrist erwartet mit 3,7 % wachsen.

Abschwächung der Inflation

Die weltweite Inflation hat angesichts des abgeschwächten Wachstums in den Augen der Experten an Bedeutung verloren. Sie ist nur das achtwichtigste unter den zehn größten Problemen der Weltwirtschaft. Für das laufende Jahr werden weltweit nur noch 3,6 % Preissteigerung erwartet, im Juli waren 3,8 % vorausgesagt worden. In der Euro-Zone und in den USA wird die Inflation im Mittel der Prognosen 2,8 % betragen, allein in Deutschland 2,4 %. Die größte Preisstabilität weist in diesem Jahr Asien mit 1,6 % aus, nicht zuletzt wegen der deflationären Tendenzen in Japan und Hongkong (jeweils minus 0,7 %).

Eine unzulängliche Nachfrage sei mit Ausnahme von Mittel- und Osteuropa, Afrika und dem Nahen Osten zum größten Problem geworden. Die Angst vor Inflation sei selbst in Westeuropa in der Rangliste vom dritten auf den sechsten Platz zurück gefallen. In Russland beschäftigt die Wirtschaftsexperten am meisten die Kapitalknappheit, in Osteuropa die Staatsdefizite und im Nahen Osten das mangelnde Vertrauen in die Regierungen.

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