Anschlag hat wahrscheinlich nicht speziell deutschen Touristen gegolten
Mädchen starb an Folgen der Explosion in Djerba

Eine Woche nach dem vermuteten Anschlag auf die Synagoge von Djerba hat sich die Zahl der deutschen Todesopfer auf elf erhöht. Das Universitätskrankenhaus Lübeck teilte am Donnerstag mit, ein 15-jähriges Mädchen sei ihren sehr schweren Verletzungen erlegen.

Reuters HAMBURG. Bei der Explosion eines mit Gas beladenen Lasters vor der von deutschen Touristen besuchten Synagoge waren außerdem fünf Tunesier und ein Franzose ums Leben gekommen. Der Innenexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, sagte Reuters TV, es spreche derzeit vieles dafür, dass der Anschlag nicht speziell den deutschen Touristen gegolten habe. Den Umgang der deutschen Sicherheitsbehörden mit einem Drohbrief an die deutsche Botschaft in Tunesien Anfang Januar nannte er korrekt.

Einige Explosionsopfer schweben weiter in Lebensgefahr

Das Universitätskrankenhaus Lübeck teilte mit, das mit schweren Brandverletzungen eingelieferte 15-jährige Mädchen sei am Mittwochabend gestorben. Der Zustand einer schwer verletzten 33-jährigen Frau sei weiter sehr kritisch. Stabil sei dagegen die Situation der 13- und 16-jährigen Schwestern, die ebenfalls in der Universitätsklinik behandelt werden.

Nach Angaben des Hamburger Kinderkrankenhauses Wilhelmsstift ist auch der Zustand eines bei der Explosion schwer verletzten 18 Monate alten Jungen stabil. Das Kleinkind hatte sehr schwere Verbrennungen im Gesicht erlitten. Seine Haut ist zu 60 % verbrannt. Ein 16-Jähriger, der im Hamburger Unfallkrankenhaus Boberg behandelt wird, sei auf dem Weg der Besserung, sagte ein Sprecher der Klinik. Der Patient sei wach und ansprechbar. Die Mutter des 16-Jährigen war bei der Explosion getötet worden.

Ein 14-jährigen Junge, der im Universitätsklinikum Aachen behandelt wird, ist nach Angaben des Krankenhauses aus dem künstlichen Koma erwacht und ansprechbar. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut". Lebensgefahr bestehe nicht mehr. 30 % seiner Hautoberfläche seien verbrannt. Der Zustand dreier Opfer, die in Berlin-Marzahn behandelt werden, ist nach Angaben der Klinik dagegen "unverändert äußerst kritisch".

Wiefelspütz sieht keine Fehler der deutschen Behörden

Wiefelspütz sagte mit Verweis auf den Drohbrief, dieser habe "keinen konkreten Anhaltspunkt für einen Anschlag wo auch immer und wann auch immer" enthalten. In dem am 2. Januar eingegangenen Brief mit dem Absender "Von El Kaida, Abteilung Tunesien" war angedroht worden, deutsche Produkte in der islamischen Welt zu verbrennen, "wenn sich Deutschland nicht aus dem Club des Kolonialismus, dem es sich angeschlossen hat, ausklinkt". Außerdem wurden Anschläge gegen Stromleitungen und Eisenbahnverbindungen angedroht. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte das Schreiben als Werk eines Trittbrettfahrer eingestuft.

Wiefelspütz sagte, mit dem Brief sei "absolut sachgerecht und kompetent umgegangen worden von den deutschen Behörden." Obwohl es unendlich viele Trittbrettfahrer gebe, werde jedes Schreiben sorgfältig bewertet. Erst nach einer umfassenden Aufklärung der Explosion vor der Synagoge werde man wissen, ob es Hintermänner gebe, wer der Täter sei und ob es Bezüge nach Deutschland gebe: "Das alles wissen wir noch nicht." Im Moment spreche etliches dafür, dass das Attentat der Synagoge und den Touristen vor Ort gegolten habe: "Aber wahrscheinlich hat der Anschlag nicht deutschen Touristen persönlich gegolten, sondern Touristen generell und der jüdischen Synagoge insbesondere."

Der mutmaßliche Selbstmord-Attentäter und Besitzer des explodierten Lastwagens, Nizar Mohamed Naouar, hatte nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden kurz vor der Tat mit einem zum Islam übergetreten Deutschen in Mülheim telefoniert, dessen Telefon überwacht worden war. Der Deutsche und eine weitere Person wurden daraufhin vorübergehend festgenommen, wegen mangelndem Tatverdachts aber wieder frei gelassen worden. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sagte Naouar, er brauche nur noch den Befehl abzuwarten.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat angekündigt, am Wochenende nach Tunesien zu reisen und sich persönlich ein Bild von den Ermittlungen vor Ort zu machen.

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