Anschlag im Auftrag der Hamas
Scharon verschiebt nach Attentaten Reise zu Bush

Nach mehreren Attentaten hat der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon am Sonntag seine Reise in die USA zu Gesprächen über den neuen Nahost-Friedensplan abgesagt. Von dem geplanten Treffen mit US-Präsident George W. Bush waren Fortschritte bei der Umsetzung des Plans erwartet worden.

Reuters JERUSALEM. Scharon und sein palästinensischer Kollege Mahmud Abbas waren am Vorabend auseinander gegangen, ohne sich auch nur auf einen praktischen Einstieg in den international entwickelten Plan zu einigen. Es war ihr erstes Treffen, seit Abbas unter internationalem Druck das Regierungsamt und damit neben Palästinenser-Präsident Jassir Arafat Macht erhalten hat. Die israelische Regierung warf Arafat vor, für die neue Serie von Anschlägen mit insgesamt zwölf Toten mitverantwortlich zu sein. Einer der Attentäter hatte seine Bombe am Morgen mitten im Berufsverkehr in Jerusalem in einem öffentlichen Bus gezündet.

Angesichts der Terror-Welle habe Scharon seine Reise in die USA aufgeschoben, sagte sein Sprecher. Für den Nachmittag plante die Regierung Beratungen über die israelische Reaktion auf die drei Attentate. "Es müssen ein paar Entscheidungen fallen und klare Botschaften an Arafat und seine Freunde gesandt werden", sagte der Sprecher.

Nach dem dreistündigen Gespräch Scharons mit Abbas hatte es unter israelischen Politikern geheißen: "Jede echte Entscheidung (zur Umsetzung des Plans) wird erst fallen, wenn Scharon am Dienstag Bush trifft." Israel hat mehrere Änderungswünsche zu dem Plan, die von den Palästinensern abgelehnt werden. Seit die USA, die Vereinten Nationen (UNO), die Europäische Union (EU) und Russland den Plan den Konfliktparteien vorgelegt haben, wird vor allem in der arabischen Welt aufmerksam beobachtet, ob und wie weit die USA nach dem Ende des Irak-Kriegs bereit sind, auf Israel Druck auszuüben, damit der Plan aus dem seit September 2000 anhaltenden Kreislauf der Gewalt herausführen kann.

Hauptstreitpunkt zwischen Scharon und Abbas sei gewesen, wer den ersten Schritt tun müsse, hieß es in israelischen und palästinensischen Kreisen. "Die beiden Seiten sind sich einig, dass ein Ende des Terrors der entscheidende erste Schritt für jeden Fortschritt ist", erklärte Scharon nach dem Treffen. "Die palästinensische Delegation hat ihre Bereitschaft erklärt, die Sicherheitsaspekte des Plans umzusetzen, sobald Israel den Fahrplan akzeptiert", erklärte Abbas. Dem Plan zufolge soll bis 2005 neben Israel ein Palästinenserstaat entstehen. Mehrere radikale Palästinenser-Gruppen, darunter die Hamas, lehnen die Existenz Israels jedoch ab und haben angekündigt, weiter Attentate zu verüben.

Der Anschlag auf den Jerusalemer Bus am Sonntag wurde Angaben der Familie des Attentäters zufolge im Auftrag der Hamas verübt. Der 18-jährige Täter aus Hebron im Westjordanland riss sieben Menschen mit in den Tod. 20 Menschen wurden der Polizei zufolge verletzt. "Ich saß in dem Bus auf dem Weg zur Arbeit, als die Explosion passierte", sagte ein Mann im israelischen Rundfunk. "Als ich wieder aufsah, war die Frau vor mir tot und die Frau neben mir auch."

Kurz danach explodierten im selben Viertel im Nordosten der Stadt die Sprengsätze, die ein weiterer Attentäter auf dem Leib trug. Es war nicht klar, ob der Mann seine Bombe an einer Straßensperre gezielt gezündet hatte. Außer ihm selbst wurde niemand verletzt oder getötet. In der Nacht hatte ein Attentäter bei Hebron sich und ein israelisches Paar getötet. Die Frau war schwanger. Wie der Täter in dem Jerusalemer Bus hatte er sich Polizeiangaben zufolge als religiöser Jude verkleidet und deswegen zunächst keinen Verdacht geweckt.

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