Anschlag oder Unfall - Explosion vor Synagoge
Mehr als 30 Touristen in Tunesien verletzt

Bei einer Explosion auf der tunesischen Ferieninsel Djerba sind am Donnerstag mehr als 30 Deutsche verletzt worden. Das Auswärtige Amt in Berlin befürchtete, dass auch deutsche Todesopfer zu beklagen sind.

BERLIN/TUNIS/JERUSALEM. Für Angaben des israelischen Rundfunks, nach denen vier deutsche Touristen ums Leben kamen, gab es aber bis zum Abend keine offizielle Bestätigung. Offen war auch, ob es sich bei der Explosion eines Gastankwagen an der Synagoge La Ghriba um ein Unglück oder einen Anschlag handelte.

Das Auswärtige Amt, das einen Botschaftsmitarbeiter nach Djerba entsandt hat, erklärte, über Zahl und Identität der Todesopfer könnten die tunesischen Stellen derzeit noch keine Angaben machen. Von den verletzten Bundesbürgern sei ein Teil bereits in eine Spezialklinik in Sousse, der zweitgrößten Stadt Tunesiens, ausgeflogen worden. Weitere Verletzte würden in Krankenhäuser der Hauptstadt Tunis gebracht.

Der Präsident der örtlichen jüdischen Gemeinde, Perez Trabelsi, hatte nach Rundfunkangaben über deutsche Todesopfer berichtet. Er betonte zugleich, es handele sich um einen "gewöhnlichen Unfall, der nicht mit den Nahost-Ereignissen in Zusammenhang steht". Dagegen hieß es im israelischen Außenministerium, es sei ein Terrorakt gewesen.

Nach Darstellung der tunesischen Nachrichtenagentur TAP hatte der Gastankwagen zunächst den Bürgersteig gestreift und war dann in die Umfassungsmauer der Synagoge gerast. "Ein Ausflugsbus mit TUI-Gästen hatte zum Zeitpunkt des Unglücks in der Nähe der Synagoge geparkt", teilte ein Sprecher des Reiseveranstalters TUI in Hannover mit. Ob es sich bei den Toten um Deutsche handelt, konnte der Sprecher nicht sagen.

Im Auswärtigen Amt in Berlin und in der deutschen Botschaft in der tunesischen Hauptstadt Tunis wurden Krisenstäbe eingerichtet. Auch der Fahrer und ein Wächter sollen durch die schwere Explosion am Vormittag ums Leben gekommen sein.

Der arabische Fernsehsender El Dschasira sprach von der Explosion einer Autobombe. Beobachter, so der Sender, wollten einen Zusammenhang mit Israels Offensive in den Palästinensergebieten nicht ausschließen. Nicht näher genannte israelische Quellen sagten, die tunesischen Behörden wollten aus Furcht vor negativen Auswirkungen auf den Tourismus nicht zugeben, dass es ein Anschlag gewesen sei. Es habe für den Lastwagen keinen Grund gegeben, zur Synagoge zu fahren.

Der Direktor der tunesischen Agentur für Außenbeziehungen, Osama Ramadani, dementierte in einem Interview mit El Dschasira, dass es sich um einen Anschlag gehandelt haben könnte. "Der Lastwagen fuhr viel zu schnell und ist gegen den Bürgersteig geprallt", sagte er.

Augenzeugen berichteten nach Angaben des französischen Auslandssenders Radio France International auch, der Lastwagen habe die Synagoge "gerammt". Nach der schweren Explosion wurden in der Umgebung der Synagoge starke Sicherheitskräfte zusammengezogen.

Die Ghriba-Synagoge auf Djerba, die älteste in Afrika, ist ein Wallfahrtsort für Juden aus aller Welt. Zum Zeitpunkt der Explosion hielten sich nach Angaben von Augenzeugen etwa 50 Menschen darin auf. Auf der Insel lebt etwa ein Drittel der noch 3000 Juden in Tunesien.

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