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Anschluss gesucht

Die UMTS-Lizenznehmer wollen die neuen Mobilfunknetze gemeinsam aufbauen, um Geld zu sparen. Den gebeutelten Aktienkursen der Konzerne hilft das wenig.

Am Anfang war die Euphorie groß: Ende Februar kamen die ersten Meldungen auf, dass die UMTS-Lizenznehmer die neuen Mobilfunknetze gemeinsam hochziehen wollen - und die Aktienkurse schossen in die Höhe. Das gebeutelte Papier der Deutschen Telekom schaffte es sogar zum Tagesgewinner im Dax. Inzwischen jedoch ist an den Märkten die Skepsis wieder eingekehrt: Als Deutsche Telekom und British Telecom vergangene Woche die erste grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Aufbau der UMTS-Netze verkündeten, konnten die Aktien schon nicht mehr deutlich davon profitieren; zwischenzeitlich ging es sogar abwärts mit den Papieren - die Gewinnwarnung des finnischen Handyherstellers Nokia belastete die Telekom-Werte trotz der an sich positiven Meldung. Einsparungen in Milliardenhöhe versprechen sich die Mobilfunker vom gemeinsamen Netzaufbau. Sie wollen sich Grundstücke und Antennenmasten, die Stromversorgung und in einigen Bereichen sogar die Technik teilen. Telekom-Regulierer Matthias Kurth hat diese Pläne prinzipiell abgesegnet. Bis zu zwei Milliarden Euro und damit 40 Prozent weniger will zum Beispiel Mobilcom-Chef Gerhard Schmid auf diese Weise für sein UMTS-Netz ausgeben. Eine Ersparnis von 30 Prozent hat Kai-Uwe Ricke, Chef der Telekom-Tochter T-Mobile, errechnet. Und Ernst Folgmann, Chef des Neueinsteigers auf dem deutschen Markt, Group 3G, hält immerhin noch 25 Prozent weniger Ausgaben für möglich. Die UMTS-Lizenznehmer verbreiten Optimismus. Auch Analysten halten die Kosten senkenden Allianzen für sinnvoll. Jede Möglichkeit, die UMTS-Ausgaben und damit die Risiken zu senken, sei eine gute Nachricht für die Märkte, heißt es in einer Studie von Credit Suisse First Boston. Peter Kernan, Telekom-Analyst bei Standard & Poor's, sieht es ähnlich: "Eine Kooperation erhöht die Wirtschaftlichkeit der UMTS-Anbieter." Den gebeutelten Aktienkursen hilft das allein aber nicht auf die Sprünge. "Es ist sicherlich eine Gelegenheit, Geld zu sparen", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Aber der große Durchbruch für die Telekomkonzerne ist das noch lange nicht." Fundamental betrachtet seien die erhofften Ersparnisse, die sich auf die nächsten neun Jahre verteilten, jährlich für einen Kursaufschlag von ein bis zwei Prozent gut. Das gilt für die Konzerne wie Deutsche Telekom und British Telecom, Vodafone sowie Telefónica (über Group 3G), die eine UMTS-Lizenz in Deutschland ersteigert haben. Nur bei kleineren Unternehmen wie der Mobilcom AG könne die Ersparnis durchaus zu größeren Kurssteigerungen führen: "Zehn bis 15 Prozent", sagt Rothauge voraus. Die geplanten Kooperationen haben zudem ihre Grenzen: "Die deutsche Regulierungsbehörde hat mit ihrer Interpretation der Lizenzauflagen keinen Blankoscheck für UMTS-Allianzen ausgestellt", sagt Christian Kern von Schroder Salomon Smith Barney. Schließlich müsse jede einzelne Zusammenarbeit noch geprüft werden. Die Probleme der Telekomkonzerne bleiben weiterhin ungelöst. Die künftigen UMTS-Netzbetreiber ächzen unter ihrer Schuldenlast und den angespannten Geschäftsplänen. Mehr als acht Milliarden Euro hat jeder einzelne Mobilfunkanbieter für eine UMTS-Lizenz in Deutschland aufbringen müssen. Weitere Milliarden muss jeder trotz der Allianzen in den nächsten Jahren in den Aufbau der Netze stecken - und das allein in Deutschland. Meist haben die Konzerne in weiteren Ländern Lizenzen erworben. Insgesamt kassierten die europäischen Finanzminister rund 120 Milliarden Euro für die Eintrittskarten in die mobile Internetära. Die Schuldenlast ist damit enorm angewachsen und setzt die Mobilfunkanbieter unter Druck. Sie müssen schnell Kunden für UMTS gewinnen, damit sich die nach wie vor gigantischen Investitionen auszahlen. Dabei sind sie abhängig von Infrastrukturausrüstern, Geräteherstellern und Inhalteanbietern für das mobile Internet. Solange beispielsweise die Technik nur im Labor funktioniert, rückt der UMTS-Start immer weiter nach hinten. Die Zinsen für ihre Milliardenkredite müssen die Konzerne dennoch zahlen, auch wenn sie noch keine Einnahmen haben. Zudem gibt es die Softwarebausteine, die das Teilen der Technik möglich machen, noch nicht. Die Geräte sollen erst Ende 2002 auf den Markt kommen. Für die Branchenexperten steht dennoch fest: Der Schulterschluss von Deutscher Telekom und British Telecom wird schnell Nachahmer finden. Selbst Vodafone, der weltweit größte Mobilfunkanbieter und bisher ein Gegner der geplanten Kooperationen, hat offenbar seine Meinung geändert. Nach Informationen aus Branchenkreisen hat Vodafone in Deutschland Kooperationsbereitschaft signalisiert. "Das bedeutet aber letztlich auch, dass der Kostenvorteil im Wettbewerb verpufft und der Kampf noch härter wird", sagt ein Londoner Analyst.

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