Ansicht des Bundesverbandes der deutschen Industrie:
"Aufschwung erst im kommenden Jahr"

Der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung verschiebt sich nach Ansicht des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) von der zweiten Jahreshälfte 2002 ins kommende Jahr.

HB BERLIN. Zwar hätten sich die Börsen derzeit stabilisiert und die starken Ausschläge verringert, zugleich blieben aber Konjunkturindikatoren in Amerika wie der Konsum negativ, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg am Mittwoch vor der Presse in Berlin. "Und solange diese Entwicklung in den USA so unsicher ist, müssen wir davon ausgehen, dass sich keine gravierende Wende zum Besseren ergibt", sagte er.

Der BDI bleibt bei seinen gedämpften Wachstumsprognosen für Deutschland von im Schnitt 0,7 Prozent in diesem Jahr und 2,0 Prozent im nächsten. Die Bundesregierung erwartet dann mindestens 2,5 Prozent und geht für dieses Jahr im Schnitt ähnlich von rund 0,75 Prozent aus. Sie erwartet aber eine Jahreswachstumsrate im zweiten Halbjahr 2002 von 2,0 bis 2,5 Prozent.

Sollte der BDI Recht behalten, würden sich nach Auffassung von Fachleuten auch aus der Koalition sofort neue Milliarden-Löcher in den öffentlichen Haushalten auftun, die jetzt von der rot-grünen Bundesregierung noch weit zurückgewiesen werden. Die Haushaltsexperten von CDU/CSU hatten dieses Risiko am Vortag auf zusammen mindestens 25 Milliarden Euro bei Steuerausfällen und Mehrausgaben zur Bewältigung der hohen Arbeitslosigkeit bemessen.

Von Wartenberg sagte, es sei zu hoffen, dass jetzt ein konjunktureller Tiefpunkt gefunden sei und dieser bald überwunden werde. "Wenn wir in unserer Annahme Recht haben, dass wir dieses Jahr die Talsohle erreicht haben, dann wird hoffentlich die Verbesserung, der Aufschwung, den wir für die zweite Hälfte dieses Jahres erwartet hatten, im nächsten Jahr kommen."

Noch sei Europa sehr abhängig von den USA. Aber auch nationale Entwicklungen wie der zuletzt gemeldete Schub im Maschinenbau mit einem Produktionsplus von zehn Prozent im Juni sieht der BDI noch nicht als Durchbruch. Vielmehr sei der Zuwachs nur ein gewisser Ausgleich für erhebliche Fertigungsausfälle vor einem Jahr. Auch sei mittelfristig wieder mit einem Rückgang zu rechnen. Von Wartenberg bestätigte im übrigen, dass ein erheblicher Teil der Auslandsaufträge zwar über das Inland hereinkomme, sich die Produktion der Firmen mit Auslandsinvestitionen aber letztlich wieder im Ausland abspiele. "Zur Zeit haben wir wenig Meldungen, die eine Verbesserung noch für dieses Jahr verheißen", fügte er hinzu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%