Ansprachen im Internet
Eine Kanzlerin zum Runterladen

Wem Samstagabends langweilig wird, der hat künftig eine echte Alternative: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird wöchentlich eine Videobotschaft aufnehmen, um ihre Politik zu erläutern.

BERLIN. "Angela Merkel - die Kanzlerin direkt" kann fortan auf ihrer Website www.bundeskanzlerin.de angesehen und ab 16 Uhr heruntergeladen werden. Wenig überraschend wird sich Merkel bereits am heutigen Donnerstag zum Auftakt dem Thema Fußball widmen.

Eine I-Pod-Kanzlerin, die ihr Volk mit regelmäßigen Ansprachen beglückt - das klingt modern und neu. "Weltweit ist sie die erste Regierungschefin, die das nutzt", preist der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg den Plan denn auch vor der Bundespressekonferenz an.

Tatsächlich klingt das wöchentliche Wort zum Samstag wie ein geschickter politischer Schachzug. Denn der Kostenaufwand für eine Kanzlerin zum Runterladen ist sehr gering. Unter der Schröder-Regierung hatte es dagegen noch erbitterte politische Schlachten gegeben, wenn das Bundespresseamt gedruckte Erläuterungen der Regierungpolitik unters Volk brachte.

Der Regierungschefin wiederum bringt dies ungeahnte Darstellungsmöglichkeiten. Schließlich wendet sich auch der US-Präsident mit wöchentlichen Radio-Ansprachen an das amerikanische Volk. Seit der Erfindung des Fernsehens setzen sich auch Bundeskanzler vor hohe Bücherwände oder deutsche Flaggen, um ihre Politik zu erklären, auch Merkel will diese Tradition fortsetzen. Nur finden Weihnachten und Sylvester einfach zu selten statt.

Es gibt noch eine weiteren Grund, warum gerade im technikfeindlichen Deutschland nun der Quantensprung zur politischen Videobotschaft im Internet beginnt. Schließlich ist hierzulande auch das MP3-Format entwickelt worden, das den Erfolg der Podcaster erst ermöglichte.

Doch einfach ist der Start in die Zukunft nicht, das merkt auch Thomas Steg. Denn als die Journalisten nachfragen, wie das System denn funktioniert, kommt er ins Stolpern. Damit sei er "völlig überfordert". Steg verweist auf eine Pressemitteilung. "Ich muss einräumen, dass ich das Angebot selbst nicht nutzen könnte", räumt er dann ein.

Der vielleicht größte Nutzen der elektronischen Kanzler-Ansprachen aus Regierungssicht liegt vielleicht darin, dass solch unangenehme Nachfragen gar nicht erst möglich sind. Schon äußerten Journalisten ihre Besorgnis, dass die Kanzlerin möglicherweise gar nicht mehr live auftrete, sondern quasi virtuell im Internet verschwinde. Hier aber dämpft Steg die größten Ängste: Die seltenen Auftritte in der Bundespressekonferenz seien für die Kanzlerin auch künftig immer eine besonders Freude - "vor oder nach der parlamentarischen Sommerpause."

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