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Ansprechende «Götterdämmerung» beschließt «Ring»

Bayreuth (dpa) - Mit einer ansprechenden Aufführung der Oper «Götterdämmerung» ist bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth der Premierenzyklus der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» beendet worden.

Bayreuth (dpa) - Mit einer ansprechenden Aufführung der Oper «Götterdämmerung» ist bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth der Premierenzyklus der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» beendet worden.

Aus dem eher durchschnittlichen Sängerensemble ragte Evelyn Herlitzius als Brünnhilde heraus und wurde mit donnerndem Applaus belohnt. Unter den freundlichen Beifall für Dirigent Adam Fischer, der es etwas an Wucht und Dynamik fehlen ließ, mischten sich vereinzelte Buhs.

Regisseur Jürgen Flimm findet nach einem missglückten «Siegfried» in der «Götterdämmerung» wieder zurück zu gelungenen Bildern und feiner Personenführung. Die Gibichungen um Gunther (Olaf Bär) und Gutrune (Yvonne Wiedstruck) sind in einem Büroturm ähnlichen Metallgerüst zu Hause, wo sie treppauf treppab eilen, um Siegfried (Christian Franz) in die Falle zu locken. Der Held, auf der Suche nach Abenteuern, nippt unbedarft vom Zaubertrank, vergisst auf der Stelle Brünnhilde und entbrennt in Leidenschaft für Gutrune.

So nimmt das Unheil seinen Lauf. Siegfried raubt Brünnhilde als Braut für Gunther. Diese schwört, unterstützt von Hagen (Peter Klaveness), Rache: Siegfried muss sterben. Auf dem selben düsteren Gelände, wo er einst den Wurm Fafner erschlug, wird Siegfried von Hagen ermordet. Doch Alberichs (Hartmut Welker) Sohn gelangt nicht an den todbringenden Ring. Brünnhilde reicht ihm das Schwert, in das er sich stürzt. Das Schlussbild gibt Hoffnung: Während die flammengekrönte Gibichungenburg langsam untergeht, schreiten die mittlerweile zahlreich auf die Bühne geströmten Menschen dem sich öffnenden Bühnenhintergrund zu, wo gleißendes Licht eine neue, vielleicht bessere Welt verheißt.

Jürgen Flimms «Ring» verschwindet nach dieser Saison vom Spielplan. Die Bilanz über den «Jahrtausend-Ring» - so genannt wegen des Starts im Jahr 2000 - bleibt zwiespältig. Nach schlüssigen Bildern in «Rheingold» und «Walküre» erwies sich die Deutung des «Ring» als eines neoliberalen Kampfs um Macht und Geld nicht als tragend für die gesamte Tetralogie. Als Plus bleibt die sensible Personenregie bestehen, die die Handschrift des Theatermannes verrät.

Musikalisch war der «Ring» von Wechseln geprägt. Nach dem Tod von Giuseppe Sinopoli stand ab 2001 Adam Fischer am Pult. Er hatte einen glänzenden Start, verspielte zuletzt durch eine überaus vorsichtige, gleichsam gebremste Stabführung jedoch etwas Kredit. Die Brünnhilde wurde gleich zwei Mal ausgetauscht: Von Gabriele Schnaut über Luana Devol zu Evelyn Herlitzius - ein Glücksfall, denn die zierliche Sängerin verkörpert eine leidenschaftliche Walküre, wie man sie nicht oft sieht. Weniger Glück hatte Festspielchef Wolfgang Wagner mit anderen Verpflichtungen: Peter Klaveness etwa kann als Hagen John Tomlinson, der die Rolle bis 2002 sang, nicht das Wasser reichen.

Noch zwei Mal wird dieser «Ring» gespielt, ehe er Ende August endgültig den Rheintöchtern zurückgegeben werden kann. Bis dahin will Wagner auch bekannt geben, wer 2006 den neuen «Ring» schmieden wird - eine der derzeit viel diskutierten Fragen am «Grünen Hügel».

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