Anstieg auf bis zu 1,20 Dollar möglich
Die Euro-Schwäche währt nur kurz

Leichte Kursrückschläge des Euros sollten nach Ansicht von Experten nicht überbewertet werden. Mittelfristig belastet vor allem das US-Doppeldefizit den Dollar. Auch ein kurzer Irak-Krieg würde daran nichts ändern.

DÜSSELDORF. "Der Euro wird auf gar keinen Fall einbrechen", sagt Thomas Stolper. Der Devisenanalyst des US-Investmenthauses Goldman Sachs in London sieht die Reaktion der internationalen Finanzmärkte seit dem Ausbruch des Krieges im Irak gelassen. Der Euro habe zwar etwas, aber "nicht dramatisch" verloren. Denn selbst als die europäische Gemeinschaftswährung bis auf rund 1,05 $ durchsackte, sei damit nicht einmal das gesamte Ausmaß des Kursanstiegs seit Anfang Dezember aufgezehrt worden. Bis zum Jahresende prognostizieren Goldman Sachs und HSBC Trinkaus & Burkardt einen Eurokurs von 1,18 $ bzw. 1,20 $.

Seit dem Beginn des Krieges im Irak unterliegt der Devisenhandel extremen Schwankungen. Innerhalb nur eines Tages verzeichnen Euro und Dollar Kursausschläge von bis zu eineinhalb Cent - mal in die eine, mal in die andere Richtung. Kurz vor dem Ausbruch des Krieges war der Euro zum Dollar mit 1,1083 $ auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert. Gestern lag er meist knapp über 1,08 $.

Die Frage, wie lange der Krieg im Irak noch dauert, spielt dabei Experten zufolge nur zum Teil eine Rolle. Mittel- bis langfristig belasten die wirtschaftlichen Fundamentaldaten den Dollar. Das einzige was laut Stolper passieren könnte, ist, dass "die spekulativen Eurokäufe zurückgefahren werden". Und dies könnte zu "einer vorübergehenden Schwächung der Einheitswährung führen". Und selbst wenn der Krieg wider Erwarten doch noch schnell zu Ende gehen sollte, werde der Dollar davon nur kurz profitieren. "Längerfristig werden die strukturellen Ungleichgewichte in den USA den Dollar belasten", sagt Gerhard Grebe. Der Chefstratege der Julius Bär Kapitalanlage AG in Frankfurt weist insbesondere auf das Defizit in der Haushalts- und Leistungsbilanz hin. Beides könne sich noch verschlechtern, "denn je länger der Krieg dauert, desto teurer wird er". Die Märkte achteten nun stärker auf die Risiken, die von dem Irak-Krieg ausgehen. Als Zuflucht nutzten die Anleger vor allem den Euro und den Schweizer Franken. Dagegen habe der Dollar "seinen Status als sicherer Hafen verloren", sagt Grebe.

Auch Rainer Sartoris hält das zeitweise Wiedererstarken des Greenbacks für unbegründet. Die US-Konjunktur wird "nicht durchstarten", glaubt der Devisenexperte von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Das Wachstum werde mit 1,9 % bzw. knapp über 2 % sowohl in diesem Jahr und auch 2004 noch verhältnismäßig gering bleiben. Gegen ein kräftigeres Wachstum sprächen eben die anhaltenden Ungleichgewichte in der US-Wirtschaft, der Verschuldungsgrad der Unternehmen und der Privathaushalte und des Staatshaushaltes.

Zum Ausgleich des Leistungsbilanzdefizits müssen die USA laut Sartoris "Kapitalzuflüsse generieren". Amerika benötigt einen täglichen Kapitalzufluss von 1,5 Mrd. $ aus dem Ausland, um das Defizit in der Leistungsbilanz decken zu können. Dies aber falle in einem Umfeld schwer, wo die amerikanische Wirtschaft enttäusche. Goldman- Sachs-Experte Stolper weist darauf hin, dass innerhalb der zurückliegenden vier bis fünf Monate die Zahl der europäischen Nettoverkäufe von US-Aktien deutlich angestiegen sei. Einer der Gründe dafür sei, dass amerikanische Aktien unter fundamentalen Gesichtspunkten nach wie vor relativ teuer seien, während europäische Aktien günstiger wirkten. Kapital wird also aus den USA abgezogen, um es in Europa zu investieren. "Damit wird der Dollar noch zusätzlich geschwächt," so Stolper.

Insgesamt überwiegen damit bei der amerikanischen Währung mittelfristig die belastenden Faktoren. Aber "wir sehen keinen Absturz des US-Dollars", schränkt Grebe ein. Denn unterstützt werde die US-Devise beispielsweise durch die aktivere Wirtschaftspolitik in den USA, ein höheres Wachstum im Vergleich zur Eurozone und auch ein höheres Produktivitätswachstum. Nach Einschätzung des Julius- Bär-Strategen wird der Euro zum Jahresende auf einem Niveau von 1,10 $ notieren.

Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter insgesamt 52 Marktteilnehmern erwarten diese mehrheitlich ebenfalls, dass die US-Währung Ende des Jahres bei 1,10 $ notiert. Als Belastungsfaktoren wurden ebenfalls in erster Linie das hohe US-Leistungsbilanzdefizit und die Kosten für den Krieg im Irak genannt. Im Durchschnitt rechnen die Befragten mit einem Kurs von 1,08 $ bis Ende Juni und einem weiteren Rutsch des Greenbacks auf 1,10 $ bis zum Jahresende. Die pessimistischste Prognose habe Shahab Jalinoos, Direktor für den Devisenhandel bei UBS Warburg, mit 1,20 $ abgegeben.

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