Anstieg der Verbraucherpreise
Inflationsschub dämpft Hoffnung auf Zinssenkung

Der Preisauftrieb auf beiden Seiten des Atlantiks ist ungebrochen. Damit dürften nach der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank keine weiteren Zinsschritte zu erwarten sein.

bbl/mak DÜSSELDORF. Einen Tag nach der Zinssenkung der US-Notenbank Fed belegen aktuelle Zahlen aus den USA und aus dem Euro-Raum, dass der Preisauftrieb bislang nicht gebremst werden konnte. Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich in den USA im April um 0,4 Prozentpunkte auf 3,3 % zum Vorjahr beschleunigt. Im Euro-Raum ist die Inflationsrate um 0,3 Prozentpunkte auf 2,9 % gestiegen. Dies ist das höchste Niveau seit Beginn der Währungsunion.

Gleichzeitig zeigt sich, dass die Inflationsraten der einzelnen Euro-Länder bereits seit einigen Monaten stärker voneinander abweichen als dies kurz nach der Euro-Einführung der Fall war. In den Niederlanden stiegen die Preise mit 5,3 % am schnellsten. Relativ moderat war die Inflationsentwicklung hingegen in Frankreich mit 2 %, obwohl die Jahresrate auch hier im Vergleich zum Vormonat kräftig gestiegen ist. Maßgeblich für die Teuerung in USA und Europa waren im April höhere Energiepreise.

Für die EZB ist Preisstabilität wichtig

Damit liegt die Inflationsrate im Euro-Raum zwar unter der vergleichbaren US-Zahl. Doch dürften die jüngsten Zahlen Enttäuschung bei denjenigen Marktteilnehmern hervorrufen, die auf eine baldige erneute Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) nach dem US-Zinsschritt gehofft hatten. Während Inflationsgefahren für die Fed derzeit nachrangig sind, steht für die Währungshüter im Euro-Raum das Ziel der Preisstabilität im Vordergrund.

Die EZB geht nicht davon aus, dass die Inflationsrate im Euro-Raum vor Anfang nächsten Jahres wieder unter die als Preisstabilität definierte Marke von 2 % fallen wird. Bisher hatten die Währungshüter dies bereits für August oder September erwartet.

Seine Zinssenkung am vergangenen Donnerstag um 25 Basispunkte auf 4,5 % hatte der EZB-Rat damit begründet, dass der Inflationsdruck mittelfristig etwas abgenommen habe. Von der realwirtschaftlichen Seite her werde das geringere Wachstum im Euro-Raum helfen, den Preisdruck auf mittlere Sicht in Schach zu halten.

Kein Automatismus bei Zinsentscheidungen

Nach der jüngsten Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte auf 4,0 % sind an den Märkten Spekulationen aufgeflammt, ob die Zinssenkung der EZB nicht doch konjunkturell bedingt gewesen sein könnte und ob weitere folgen würden. EZB-Vertreter haben seit Jahresbeginn aber immer wieder betont, dass es zwischen den US-Zinsen und denen des Euro-Raums keinen Automatismus gebe.

EZB-Chef Wim Duisenberg lehnte jeden Kommentar zu dem US-Zinsschritt ab. Er habe lediglich festgestellt, dass sich der Euro-Wechselkurs gut entwickele, sagte Duisenberg. Bundesbankpräsident Ernst Welteke deutete an, dass zunächst keine weiteren Leitzinssenkungen im Euro-Raum zu erwarten seien. Bundesfinanzminister Hans Eichel bescheinigte der EZB "ganze Arbeit" bei der Inflationsbekämpfung.

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