Anstieg des Euros belastet europäische Aktienmärkte
Dollarschwäche nährt Zinsspekulationen

Der Euro steigt rasant. Zuletzt übersprang er locker die Hürde von 1,02 Dollar je Euro. Als Grund nennen einige Devisenstrategen den Eindruck, die USA hätten ihre bisherige Politik des starken Dollars aufgegeben. Die Aktienmärkte leiden unter der Dollarschwäche. Gleichzeitig keimt Hoffnung auf weitere Zinssenkungen in Europa.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Der Euro startet mit dem höchsten Stand seit fast drei Jahren in die letzte volle Handelswoche. Das verschlechtert die Aussichten für exportorientierte Unternehmen in Europa, erhöht allerdings die Chance, dass die Europäische Zentralbank der Wirtschaft noch einmal eine Zinssenkung spendiert. Die Einheitswährung stieg am Freitag auf bis zu 1,0259 Dollar und schloss nur wenig unter dieser Marke. Selbst der überraschend gute US-Indikator für das Verbrauchervertrauen bremste den Euro-Anstieg kaum.

Europas Aktienmärkte litten unter dem Euro-Höhenflug. Vor allem konjunktur- und exportabhängige Branchen wie Automobil, Dienstleistungen und Medien gerieten unter die Räder. Denn zum einen belastet die Dollarschwäche europäische Exporteure, deren Produkte im Ausland teurer werden. Zudem spiegelt die fallende US-Devise das sinkende Vertrauen in die amerikanische Konjunktur wider. Und das trifft die Branchen am härtesten, die eine Erholung der Weltwirtschaft besonders dringend benötigen.

Gleichzeitig belebte die Euro-Aufwertung die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank nach der jüngsten Zinssenkung auf 2,75 Prozentpunkte bald erneut die Leitzinsen lockert. Ein höherer Euro-Kurs dämpft die Inflation direkt durch niedrigere Einfuhrpreise und indirekt durch eine Dämpfung der Konjunktur. Am Freitag preiste der Geldmarkt erstmals mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % eine Leitzinssenkung bis auf 2,5 Prozentpunkte ein.

Devisenstrategen führten den Fall des Dollars gegenüber allen wichtigen Währungen auf die jüngste Umbesetzung im Finanzministerium der USA zurück. Der neue Finanzminister John Snow gehört zur Lobby-Organisation "Business Round Table", die im Februar in einem Brief an den Präsidenten über den starken Dollar klagte.

Der Chefstratege der Dresdner Bank-Investmentsparte - Kleinwort Wasserstein, Albert Edwards, glaubt, dass die US-Regierung ihre "Politik des starken Dollars" aufgegeben hat. Er warnt bereits vor der Gefahr eines Abwertungswettlaufs zwischen den Währungsblöcken Yen, Dollar und Euro. Auch Jan Hatzius, US-Volkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, meint, ein starker Dollar liege nicht mehr im Interesse der Vereinigten Staaten.

Steven Saywell, Währungsstratege der Citigroup in London, warnt jedoch vor einer Überbewertung der Wechselkursbewegung. Er vermutet saisonale Finanzströme zum Jahresende dahinter. "Der Dezember war bisher im Durchschnitt der letzten fünf Jahre der beste Monat für den Euro. Das wäre schön und gut, wenn nicht der Januar gleichzeitig der schwächste Monat wäre", sagt Saywell. Er glaubt nicht, dass der neue US-Finanzminister eine bewusste Schwächung des Dollars einleiten wird. "Das US-Leistungsbilanzdefizit ist eine Folge des Wachstumsrückstands Europas und Japans gegenüber den USA. Wenn die USA jetzt abwerten, würde dies die Wirtschaft der anderen Währungsblöcke weiter schwächen und die Diskrepanz verschlimmern", sagt Saywell.

Für Europas Börsen hat ein stärkerer Euro indes auch Vorteile, sagt Bernd Meyer, Aktienstratege der Deutschen Bank in Frankfurt. "Ausländische Investoren könnten Gelder in europäische Aktien umschichten, weil sie den Währungseffekt mitnehmen wollen", sagt er. Das würde den negativen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zumindest abdämpfen. Die Deutsche Bank erwartet, dass Europas Aktienmärkte nächstes Jahr die US-Börsen abhängen - nicht zuletzt wegen des positiven Währungseffektes.

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