Anstrengende Wochen für Bankangestellte - Kassiererinnen erheblich unter Druck
Überstunden und Sonntagsarbeit für den Euro

Für viele Angestellte wird das neue Jahr erstmals mit einem Arbeitstag beginnen: Weil am 1. Januar 2002 das Euro-Bargeld eingeführt wird, muss so mancher Bankmitarbeiter auf seinen geruhsamen Neujahrstag verzichten.

dpa-afx BERLIN. Sonderregelungen erlauben ausnahmsweise die Feiertagsarbeit. Damit die Einführung der neuen Scheine und Münzen reibungslos klappt, werden aber auch im Dezember und in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres Überstunden und Urlaubssperren für Tausende von Arbeitnehmer zur Tagesordnung gehören. Betroffen sind nicht nur die Angestellten der Finanzinstitute, sondern auch Arbeitnehmer im Handel oder in der Automatenbranche. Bei den Gewerkschaften wird die Zusatzbelastung ebenfalls als unumgänglich angesehen - Arbeit an Sonn- und Feiertagen betrachten sie aber als unnötig.

Ausnahmeregelungen erlauben Banken und Sparkassen, ihre Arbeitnehmer am 30. Dezember und 1. Januar sowie an den ersten beiden Sonntagen im neuen Jahr ins Büro zu holen. Allerdings sollen die Fillialen nach dem Willen des Gesetzgebers "grundsätzlich" nicht für die Privatkunden geöffnet werden. Zudem soll die Sonn- und Feiertagsarbeit nur dann als letzte Möglichkeit offenstehen, wenn die Aufgaben an den Werktagen nicht mehr bewältigt werden können. Dabei dürfen die Arbeitnehmer um den Jahreswechsel in der Woche im Notfall bis zu 70 Stunden im Einsatz sein. Wenn ab März 2002 die Deutsche Mark endgültig nicht mehr als Zahlungsmittel angenommen wird, soll die heiße Phase der Euro-Bargeldeinführung und damit auch der Ausnahmezustand für die Arbeitnehmer endgültig beendet sein.

Anstrengende Wochen für Bankangestellte

Zuvor stehen den Bankangestellten aber äußerst anstrengende Wochen bevor: Alle Mitarbeiter müssten Überstunden leisten, lässt der Euro-Koordinator des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Reinhold Rickes, keinen Zweifel. Ein Teil der Belegschaft wird wegen der Umstellung der Systeme bereits Ende Dezember erheblich mehr Stunden als gewöhnlich im Büro verbringen. Die Fillialmitarbeiter sind dagegen vor allem ab Beginn des neuen Jahres gefordert, wenn die Verbraucher mit dem Euro bezahlen können. Rickes geht fest davon aus, dass einzelne Zweigstellen am 1. Januar und an den ersten beiden Sonntagen im Jahr öffnen. "Umfragen zeigen, dass viele Bürger das wollen."

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bezweifelt das Interesse der Bürger, am 1. Januar in ihre Bankfilliale gehen zu können. "Der Euro ist nicht gerade das Lieblingskind der Deutschen, auf das sich alle am ersten Tag stürzen werden", erinnert ver.di-Bankenexperte Uwe Foullong an die weiter bestehende Zurückhaltung der Deutschen gegenüber der neuen Währung. Es verweist zudem darauf, dass die Kunden ihre Mark-Bestände noch zwei Monate lang in den Geschäften ausgeben könnten. "Das sind die Wechselstuben der Nation."

Erheblicher Druck für Kassiererinnen

Günther Wassmann vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erwartet deshalb einen erheblichen Druck für Kassiererinnen und Verkäufer: "Die Stressbelastung wird groß sein." Die Mitarbeiter würden in Schulungen unter anderem auch auf "Unmutsäußerungen" genervter Kunden vorbereitet. Mit zahlreichen Überstunden rechnet er dagegen nicht. Zudem werden im Handel nicht alle Unternehmen im gleichen Ausmaß unter der Euro-Bargeldeinführung leiden: Während etwa Supermärkte oder auch Kioske tatsächlich zu Wechselstuben werden dürften, könnten Juweliere oder Möbelhäuser darauf bauen, dass die Kunden mit ihrer ec- oder Kreditkarte bezahlen.

Diese Hoffnung haben die Automatenbetreiber nicht: Rund 2,4 Mill. gewerblich genutzte Geräte müssen ab dem kommenden Jahr Euro-Münzen schlucken. Von den Unternehmen erfordert dies vor allem eine detaillierte Planung: Es müsse exakt festgelegt werden, wann und wie welches Gerät umgebaut werden, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Automatenunternehmer, Harro Bunke. Weil jeder zu spät umgestellte Automat Umsatzausfälle mit sich bringt, erwartet er keine Motivationsprobleme bei den Mitarbeitern. Denn, so argumentiert der Branchenvertreter: "Wenn die Firma keinen Umsatz macht, ist womöglich auch der eigene Lohn gefährdet."

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