Anstrengungen der Großunternehmen zahlen sich aus
Pharmariesen als Gewinner der Genforschung

Die Genforschung ermöglicht es, neue Medikamente zu entwickeln. Gute Karten haben dabei die großen Pharmakonzerne, glauben Analysten. Ihre Aktien rücken dadurch in den Blickpunkt.

tet DÜSSELDORF. Die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes ist ein Meilenstein für die Entwicklung neuer Medikamente und Therapieformen - darin sind sich die meisten Experten einig. Doch welche Unternehmen werden davon langfristig profitieren? Die jungen, innovativen Biotech-Gesellschaften oder die alteingesessenen Pharma-Riesen?

Gute Chancen für große Unternehmen

Analysten der WestLB Panmure geben in einer aktuellen Studie den großen Unternehmen gute Chancen. Die kurzfristigen Nutznießer der gegenwärtigen Entwicklung sehen die Banker zwar in den Biotech-Unternehmen. Auf längere Sicht sollten aber die traditionellen Pharmafirmen von neuen Produkteinführungen profitieren. Die Großen der Pharmaindustrie seien in der jüngsten Vergangenheit aktiver bei Übernahmen gewesen und hätten sich auf Grund dieser zahlreichen Akquisitionen sowie Forschungs-, Entwicklungs- und Vertriebsabkommen den Zugang zu den Ergebnissen der Biotechunternehmen gesichert. Ein weiterer Vorteil für die Pharmaindustrie gegenüber der Biotechsparte sei der nachhaltige Vorsprung bei Marketing und Vertrieb. Mittel- bis langfristig werde die Grenze der zwei Industriebereiche nach und nach völlig verschwinden. Weiter Weg zum Gen-Medikament

Der Fortschritt in der Gentechnik eröffne enorme Behandlungsmöglichkeiten: Gentherapie und neue Medikamente seien wichtige Stichworte. Insbesondere gegen Erbkrankheiten, Krebs oder Alzheimer dürften Wirkstoffe entwickelt werden. Der Weg von der reinen Buchstabenfolge des Genoms bis zu einem Medikament sei allerdings weit: Erste marktreife Produkte erwarten die Experten frühestens in 8 bis 10 Jahren.

Obwohl die Pharmaunternehmen große Vorteile bei der Entwicklung neuer Medikamente besitzen, beurteilen die WestLB-Banker den Sektor "Europäische Pharma-Industrie" insgesamt nur als neutral. Im Zuge einer Hinwendung der Investoren zu defensiven Wachstumswerten hätten nahezu alle Pharmawerte deutliche Kurssteigerungen verzeichnet. Eine Übergewichtung sei unter anderem auf Grund dieser nunmehr hohen Bewertung auf mittlere Sicht nicht gerechtfertigt, begründen die Experten ihre Einschätzung. Eine genaue Auswahl der Investments sei wichtig.

Fresenius wird zur Zeit favorisiert

Nicht nur die WestLB-Banker favorisieren dabei zurzeit Fresenius ("Kaufen"). Die Halbjahreszahlen wurden auch vom Bankhaus Julius Bär, von der Bankgesellschaft Berlin und vom Bankhaus Sal. Oppenheim unisono positiv kommentiert. Dementsprechend zog auch die Notierung an. Das 270-Euro-Kursziel von Julius Bär ist aber noch nicht erreicht (aktuell: 260 Euro). Für neue Phantasie könnte der Börsengang des Unternehmensbereiches Fresenius Kabi (Ernährungs- und Infusionstherapie) sorgen. Interessant auch: Seit 1998 erforscht der Fresenius Geschäftsbereich Immuntherapie in Zusammenarbeit mit einem Biotechnologie-Unternehmen neue Behandlungsmethoden auf dem Gebiet der Tumorbekämpfung. Sollten die Tests der neuen Produkte auf dem Krebs- oder Sepsisgebiet erfolgreich verlaufen und der Einstieg in den Gesundheitsservice-Bereich gelingen, so dürfte sich die Gewinndynamik in den nächsten Jahren noch einmal erhöhen, glauben viele Experten. Schon jetzt gehöre das Unternehmen zu den wachstumsstärksten Healthcare-Gesellschaften in Europa, so die WestLB.

Atlanta und Lundbeck positiv beurteilt

Auch Altana und Lundbeck beurteilen die Analysten positiv, alle drei werden als "Outperformer" eingestuft. Altana wachse unter anderem durch die Markteinführung des Medikaments Protonix in den USA und durch den Wegfall von Sonderbelastungen in Südamerika derzeit deutlich schneller als die Industrie. "Insbesondere zwei Produkte in der Pharmapipeline und verstärkte Bemühungen, die Überkapitalisierung der Gesellschaft durch die geplante Übernahme von Teilen Asta Medicas abzubauen, lassen ein zweistelliges Gewinnwachstum erwarten", schreiben die Analysten. Die Kollegen von Bank Julius Bär betonen, dass Altana weniger vom Konjunkturzyklus abhängig sei, als beispielsweise BASF. Aber Vorsicht: Das Papier hat die gesetzten Kursziele von 100 Euro bereits fast erreicht.

Der Erfolg des dänischen Unternehmens H. Lundbeck beruht nach Analystenmeinung weiterhin stark auf dem Antidepressivum Celexa, das im Oktober 1998 in den USA eingeführt wuden sei und hier einen Marktanteil von 12,5 % hält. "Lundberg profitiert daher außerordentlich vom starken Dollar", sagt Peter Düllmann von der WestLB.

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