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Ansturm auf Hillary Clintons Buch „Gelebte Geschichte“

In den USA ist der Sturm auf die Buchläden losgegangen. Hillary Clinton beschreibt in ihrem Buch unter anderem auch ihren persönlichen Gefühle während der Lewinsky-Affäre.

dpa WASHINGTON/HAMBURG. Die ehemalige amerikanische First Lady Hillary Clinton hat in ihrem am Montag erschienen Buch "Gelebte Geschichte" erstmals einen persönlichen Einblick die Lewinsky-Affäre gegeben, die Präsident Bill Clinton fast das Amt gekostet hätte. In mehreren Interviews zum Buchstart dementierte sie zugleich Präsidentschaftsambitionen.

In ihrem Buch schreibt Hillary Clinton, dass ihr Mann ihr erst Monate nach Veröffentlichung der ersten Berichte über eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky die Wahrheit gestanden habe. Fast acht Monate lang habe sie ihm geglaubt, dass er unschuldig sei und es sich um eine Verleumdungskampagne handle.

Als der Präsident sie schließlich am Morgen des 15. August 1998 weckte und ihr die Affäre gestand, war Hillary fassungslos. "Ich bekam keine Luft. Ich rang um Atem, begann zu weinen." Dann schreibt sie: "Ich war wütend und verzweifelt, weil ich ihm geglaubt hatte." Sie habe es tagelang nicht fertig gebracht, mit ihm in einem Zimmer zu sein. "Ich wusste nicht, ob unsere Ehe diesen Betrug überleben konnte oder sollte." Ungeheuer schwierig sei es auch gewesen, ihrer Tochter Chelsea die Wahrheit zu sagen.

Hillary schildert wie die Familie auf dem Höhepunkt der Krise einen Urlaub auf der Prominenteninsel Martha's Vineyard machte, obwohl niemanden danach zu Mute war. Mit in den Urlaub wurde auch Hund Buddy genommen. "Er war das einzige Familienmitglied, das bei ihm (Bill Clinton) sein wollte."

Sie beschreibt auch ihre Zerrissenheit: einerseits ihre Wut auf den untreuen Ehemann und gleichzeitig auf die Umwelt, die ihn auf demütigende Weise bestraft. "Es war die verheerendste, schockierendste und schmerzlichste Erfahrung in meinem Leben. (...) Als seine Ehefrau wollte ich Bill den Hals umdrehen. Doch er war nicht nur mein Mann, sondern auch mein Präsident, und er führte Amerika in einer Art, die ich nach wie vor befürworte."

Der Schlüssel zum Verständnis ihrer Ehe liege in der "gemeinsamen Beziehung", meint sie. "Im Grunde ist unsere Beziehung aber zu tief, als dass ich sie mit Worten beschreiben könnte."

Hillary Clinton unterstützte die Veröffentlichung des Buchs am Wochenende mit mehreren Interviews. In einem Gespräch mit der ABC- Starjournalistin Barbara Walters wies die Senatorin Pläne für eine eigene Präsidentschaftskandidatur zurück. Sie sei geschmeichelt, dass sie immer wieder gefragt werde, habe aber keine Pläne, sagte sie. Sie hoffe aber, dass die Fragen einmal dazu führten, dass eine Frau zur Präsidentin der USA gewählt werde.

In den USA stieß das seit Wochen diskutierte Buch auf reges Interesse. Viele Buchläden begannen um Mitternacht mit dem Verkauf. In New York bildeten sich vor einem Buchgeschäft, in dem Hillary Clinton am Montagvormittag Bücher signieren wollte, schon im Morgengrauen Schlangen. Bei dem Onlinebuchladen Amazon.com stand das Buch am Montag auf Platz zwei der Bestsellerlisten.

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