Anteil an den Wertberichtigungen steigt auf über achtzig Prozent: Großkunden belasten die Deutsche Bank

Anteil an den Wertberichtigungen steigt auf über achtzig Prozent
Großkunden belasten die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank muss für Kredite an internationale Top-Firmen tief in die Tasche greifen: Die Risikovorsorge explodiert, die Gewinne schrumpfen. Dennoch setzt die Bank auch künftig auf dieses Geschäftsfeld. Durch das Absichern der Kredite über Derivate sollen Ausrutscher vermieden werden. Analysten sind skeptisch.

FRANKFURT/M. Das Geschäft mit den hochbegehrten internationalen Firmenkunden hat sich für die Deutsche Bank als Bumerang erwiesen. Das zeigt die Bilanz für 2002: 1,7 Mrd. Euro oder 82 % der gesamten Zuführungen zu Wertberichtigungen im Kreditgeschäft stammen aus der Sparte Investmentbanking und Firmenkundengeschäft (CIB), in der diese Kunden gebündelt sind.

Der Anstieg der Wertberichtigungen auf Großkundenkredite ist enorm: Im Vorjahr betrug der CIB-Anteil an der gesamten Risikovorsorge lediglich 60 %, im Jahr 2000 sogar nur 21 %. Im selben Zeitraum schrumpften die Erträge aus dem Kreditgeschäft der CIB-Sparte stetig um rund ein Drittel auf 2,4 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Das viel gescholtene deutsche Mittelstandsgeschäft kommt dagegen auf einen Anteil von gerade mal 12 % an den Wertberichtigungen.

Die größte Problem ist das US-Geschäft. Von den 20 größten Kreditausfällen kamen im vergangen Jahr allein 36 % aus dieser Region. Lediglich 9 % stammen aus Deutschland. Vor allem die Bilanzskandale bei Worldcom und Enron haben ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kommen Wertberichtigungen für Projektfinanzierungen in den USA.

Trotz der schlechten Erfahrungen aus dem letzten Jahr hält die Großbank an ihrer Strategie fest: Das Großkundengeschäft soll unter Michael Cohrs, Mitglied des Group Executiv Committee, zum Ertragsbringer und Kern des Firmenkundengeschäfts ausgebaut werden. Erst im vergangenen Herbst hatte die Deutsche Bank ihre Firmenkundschaft neu sortiert und will sich künftig besonders auf 11 000 weltweite Top-Unternehmen konzentrieren, die neben dem klassischen Kredit auch verstärkt für die Bank lukrativere Kapitalmarktprodukte nachfragen. Die rund 40 000 kleineren Firmenkunden, Familienbetriebe und Selbstständige wurden in die neu gegründete Sparte Privat- und Geschäftskunden überführt.

Konzernchef Josef Ackermann blickt optimistisch nach vorn: Obwohl im Kreditumfeld noch keine Entwarnung zu sehen sei, sei nicht mit einer Fortsetzung der Bilanzskandale zu rechnen, schreibt er im Brief an die Aktionäre. Insgesamt musste die Deutsche Bank die Risikovorsorge im abgelaufenen Geschäftsjahr um 2,1 Mrd. Euro aufstocken. Das soll deutlich reduziert werden: "Selbst bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland dürften die Schritte, die wir zur Begrenzung unseres Kreditengagements unternommen haben, einen sprunghaften Anstieg der Risikovorsorge verhindern", heißt es im Geschäftsbericht. Ackermann rechnet mit einer Risikovorsorge unter Vorjahresniveau.

Analysten sind skeptisch: Die Experten von JP Morgan schätzen den Wertberichtigungsbedarf 2003 auf 2 Mrd. Euro, also nur knapp unter Vorjahresniveau. Erst für 2004 rechnen sie mit einer Entspannung. Die hohe Schätzung für 2003 begründen die Analysten mit der Verschlechterung der Qualität der Firmenkundenkredite in 2002. Der Anteil der Kredite an Firmen der schlechten Bonitätsklasse "CCC" ist von 3 % auf 8 % gestiegen. Der Anteil der guten (Investment Grade) Bonitäten fiel dagegen von 54 % auf 50 %. Besonders deutlich ist der Rückgang der besten Einstufungsklasse ("AAA" und "AA") im gesamten Portfolio von 15 % auf 9 %. Doch die Deutsche Bank beschwichtigt: Trotz der Zurückstufungen bleibe die Qualität des Kreditportfolios solide, heißt es im Geschäftsbericht.

Um die Probleme im Großkundengeschäft in den Griff zu bekommen, wird die Deutsche Bank Ausleihungen künftig verstärkt über Kreditderivate absichern. Das gilt nur für Neuengagements mit einer Laufzeit von mehr als 180 Tagen und nicht für das Portfolio des deutschen Mittelstandes, sagte Finanzvorstand Clemens Börsig kürzlich in einem Pressegespräch. Das Volumen an Kreditderivaten stieg bereits 2002 um 73 %, 500 neue Kunden wurden gewonnen. Zudem soll demnächst ein neues Preismodell eingeführt werden, um sich vor Kreditausfällen besser zu schützen.

Zu den weiteren Schritten zur Begrenzung des Kreditrisikos zählen die Verringerung der risikotragenden Aktiva sowie Beteiligungsverkäufe. 2002 wurden die risikotragenden Aktiva um 22 % auf 231 Mrd. Euro reduziert. Erste Erfolge sind bereits zu sehen: Das Volumen an so genannten Problemkrediten sank im vergangenen Jahr deutlich von 12,7 Mrd. Euro auf 10,8 Mrd. Euro. Auch das Beteiligungsportfolio wurde durch Verkäufe erheblich verringert. Die Gewinne in Höhe von 3,5 Mrd. Euro haben 2002 maßgeblich dazu beigetragen, dass der Anteil des Deutschlandgeschäfts am Konzernergebnis vor Steuern auf 94 % in die Höhe schnellte.

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