Anteil trendabhängiger Fonds niedrig halten
Fondskommentar: Neues aus dem Osten

David gegen Goliath: Das kleine Volk der Kaschuben probt den Aufstand gegen die eigene polnische Regierung und die Eurokraten in Brüssel.
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DÜSSELDORF. Polen will in die EU und muss dafür die Fanggründe an der Ostseeküste für die skandinavischen Fangflotten öffnen. Verlierer sind die kaschubischen Fischer, die mit ihren verrosteten Kuttern keine Chance gegen die hochgerüsteten Trawler aus Dänemark oder Schweden haben.

Solche Geschichten sucht der Anleger in den Hochglanzpros-pekten von Osteuropafonds vergeblich. Mit optimistischen Prognosen werben die Anbieter der Aktienfonds, die voll auf die Konvergenzfantasie einer EU-Erweiterung setzen. Blühende Landschaften im Osten sollen dem Fondsdepot einen kräftigen Renditeschub verleihen. Bisher ging die Rechnung auf, und Starmanagern wie Jürgen Kirsch fällt es nicht schwer, weitere Millionenbeträge für ihre Fonds einzusammeln.

Doch in jedem Trend steckt auch das Risiko einer Spekulationsblase. Schon schrumpft der Bewertungsabschlag für Ostaktien bedenklich, ohne dass ein EU-Beitrittsvertrag bereits unterschrieben wäre. Wie in den neuen Bundesländern droht die Gefahr, die Spätfolgen sozialistischer Misswirtschaft zu unter- und das Reformtempo zu überschätzen. Inzwischen mehren sich die Zweifel am Sinn eines schnellen EU-Beitritts - zu groß sind die hausgemachten Strukturprobleme. Erweist sich die Konvergenzfantasie als zu schwach, könnten auch die Investmentfonds in Schwierigkeiten geraten.

Zudem stützen sich die Osteuropafonds auf wenige prosperierende Branchen wie etwa Mobilfunk, die im Westen nach kurzem Boom jetzt im Abwärtstrend stecken. Ebenso wackelig ist das Gewinnwachstum der russischen Rohstoffgiganten - ein wichtiger Renditebringer für die Fonds. Die Preise für Öl und Gas können schnell drehen. Die Ölnachfrage der Industriestaaten sank im ersten Quartal 2002 so stark wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Derzeit fehlen den Fondsmanagern einfach die Alternativen aus anderen Sektoren, um ihre Portfolios auf ein breites Fundament zu stellen.

Wird die Schere zwischen den Erwartungen der Anleger und der wirtschaftlichen Realität zu groß, dann schlägt das euphoriegetriebene Börsenpendel für Osteuropa um. Für Fondsanleger heißt daher die Devise: Den Emotionspegel und den Anteil trendgetriebener Fonds niedrig halten. Niemand weiß, ob die Schonfrist für die kaschubischen Fischer länger dauert, als sich das mancher Fondsmanager wünscht.

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