Anteil von Halbleitern in Autos nimmt deutlich zu
Autosparte von Infineon greift an

Die erfolgreichste Sparte von Infineon bekommt jetzt auch noch die schönste Aussicht - und das im wörtlichen Sinne. Bis Ende des Jahres zieht die Führungsmannschaft des Automobil- und Industrielektronik-Bereichs des Münchener Halbleiterherstellers in das österreichische Villach, in ein Werk mit Blick auf die imposanten Kärntener Berge. Hier sollen die Chip-Spezialisten am Ziel arbeiten, Weltmarktführer Motorola zu überholen.

jojo MÜNCHEN. Eine schwierige Aufgabe, denn der Marktanteil der Amerikaner liegt um vier Prozentpunkte vor Infineon. Doch Bereichschef Reinhard Ploss ist zuversichtlich: "Unser Ziel ist, kontinuierlich stärker als der Markt zu wachsen. Damit werden wir dann irgendwann zur Nummer eins." Dass der Bereich aber nicht "irgendwann", sondern möglichst schnell voran kommt, ist außerordentlich wichtig für Infineon. Denn die Autosparte ist der einzige Bereich, der seit drei Jahren kontinuierlich Gewinne abliefert. Der Anteil von Halbleitern in den Autos nimmt deutlich zu.

Das hat sich in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2000 spielte das Speicherchip-Geschäft von Infineon noch einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,3 Mrd. Euro ein. Die Autosparte dagegen lieferte nur bescheidene 70 Mill. Euro ab. Im folgenden Jahr hatte der Autobereich seinen Gewinn verdoppelt, die Speicherchips aber mussten wegen des Einbruchs in wichtigen Abnehmerbranchen wie der Telekommunikationsindustrie einen Verlust von mehr als 900 Mill. Euro hinnehmen.

Die Autosparte kann die schwache Weltwirtschaft gut ausgleichen. Ploss: "Derzeit profitieren wir davon, dass die Autohersteller in der Flaute die Mehrausstattung erhöhen, um Kunden zu locken. Damit werden mehr Halbleiter in die Autos eingebaut." Das wirkt sich auf die gesamte Elektronikindustrie positiv aus: Mit einem Minus von 2,1 % ging der Umsatz mit der Autoindustrie im Jahr 2002 nach Angaben des Branchenverbands ZVEI kaum zurück.

Analyst Günther Hollfelder von der Hypo-Vereinsbank geht davon aus, das die Autosparte von Infineon in diesem Jahr beim Umsatz um knapp 16 % zulegen kann. Das Münchener Unternehmen selbst gibt keine Prognose ab. In Unternehmenskreisen heißt es, dass derzeit ein Plus von 8 bis 10 % angestrebt wird. Analyst Hollfelder sieht den Vorteil von Infineon gegenüber Konkurrenten wie Motorola in der Nähe zu den großen deutschen Autokonzernen. Die deutschen Premium-Hersteller wie Mercedes, BMW und Audi bauen traditionell mehr teure Elektronik ein als viele andere Autobauer.

Die Verlagerung der Bereichs-Spitze sowie zahlreicher Entwickler von München nach Villach soll für einen zusätzlichen Schub sorgen. 300 Kilometer von der Konzernzentrale entfernt betreibt Infineon seit Jahren ein modernes Werk für Automobil-Chips. Auch das Kompetenzzentrum der Sparte sitzt in der Kleinstadt an der Grenze zu Italien und Slowenien. Die neue räumliche Nähe von Entwicklern und Produktion soll sich vor allem in der Forschung auszahlen. Reinhard Petschacher, Entwicklungschef von Infineon Austria: "Die Innovation entsteht nicht nur in Produkt und Technologie, sondern auch zu einem erheblichen Teil in der Fertigung." Dazu kommt ein weiterer Vorteil: "Mit den Gewerkschaften kommen wir hier sehr gut aus", betont Monika Kircher-Kohl, Vorstandssprecherin der Infineon Austria AG. Das konnte Infineon-Chef Ulrich Schumacher in Deutschland in den vergangenen Monaten nicht behaupten.

Quelle: Handelsblatt

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