Anteile seien Sicherheit für Kredite gewesen
Intertainment-Chef verteidigt Verkauf von Aktien

Die neue Transparenz am Neuen Markt setzt vor allem Intertainment-Chef Rüdiger Baeres unter Druck. Denn die Veröffentlichung massiver Aktienverkäufe unter seinem Namen sorgten für die Verärgerung. Jetzt äußerte sich der Unternehmenschef erstmals öffentlich: "Ich selbst habe keine einzige Aktie verkauft." Die Bank JP Morgan habe die Anteile veräußert, mit denen er für einen Privatkredit gebürgt habe. Ihm sei unter Androhung von Schadensersatzforderungen untersagt worden, darüber zu reden.

dpa MÜNCHEN. Seit 1. März müssen Vorstandsmitglieder am Neuen Markt Aktienkäufe und-verkäufe melden. Kurz danach werden diese dann auch im Internet für jeden sichtbar veröffentlicht. Insider-Geschäfte sollen so erschwert werden. Viele Vorstände nutzten die neuen Regularien und kauften seit März kleinere Aktienpakete, um zu demonstrieren, dass sie an ihr Unternehmen glauben. Vereinzelt wurden auch kleinere Pakete verkauft. Im großen Stil fiel jedoch nur Baeres auf. Unter seinem Namen wurden an bisher 16 Tagen 444 223 Intertainment-Aktien für etwa drei Mill. ? verkauft.

In Internet-Foren wurde der Chef des angeschlagenen Medienkonzerns Intertainment, Rüdiger Baeres, in den vergangenen Wochen von enttäuschten Anlegern wüst beschimpft. "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff", klagte einer von ihnen auf der Internetseite des Anlegermagazins Börse-Online.

Da Intertainment bisher noch keine Zahlen für 2000 vorgelegt hat, wurde gemunkelt, das Geschäft laufe möglicherweise noch schlechter als bisher bekannt. Es wurden auch Vergleiche mit EM.TV-Chef Thomas Haffa gezogen, der entgegen den Absprachen Anfang 2000 Aktien verkauft hatte, ehe die Talfahrt des EM.TV-Aktienkurses so richtig losging. Für Verwunderung sorgte allerdings, dass Baeres nicht noch rechtzeitig vor dem 1. März heimlich, still und leise die Aktien verkaufte. Es wurde gar spekuliert, Baeres drücke den Aktienkurs absichtlich, um einem anderen Investor einen günstigen Einstieg zu ermöglichen.

Am Neuen Markt wird den Konzernchefs mittlerweile viel zugetraut. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Thomas Haffa und seinen Bruder Florian, die beiden Infomatec-Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele sitzen sogar wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Baeres hält Kreditbürgschaft mit Aktien für möglicherweise falsch

Baeres versicherte nun in einem Gespräch, er habe, obwohl er für die JP Morgan-Verkäufe Steuern zahlen müsse, keine Aktien verkauft. Er habe in den vergangenen Jahren ohnehin genug Gelegenheiten gehabt, für 100 ? Anteile abzugeben. Da er aber an Intertainment und das Geschäftsmodell glaube, habe er das nicht getan. Es sei möglicherweise ein Fehler gewesen, mit den eigenen Aktien für einen Kredit zu bürgen. Beim Verkauf durch JP Morgan in den vergangenen Wochen habe sich die Bank aber wenig kooperationsbereit gezeigt. Zudem habe JP Morgan mit Schadensersatzansprüchen gedroht, falls er an die Öffentlichkeit gehe und den Kurs damit belaste. Angesichts der Entrüstung der Anleger habe er sich dennoch nun dafür entschieden.

Baeres, der noch 54 % an Intertainment hält, steht derzeit ohnehin mächtig unter Druck. Der Konzern führt derzeit einen Rechtsstreit mit dem früheren Partner Franchise, dem Intertainment betrügerisch überhöhte Budgets vorwirft. Ausgerechnet in den USA führt Intertainment eine Klage gegen ein US-Unternehmen. Beobachter geben den Münchner daher nur wenig Chancen. Doch Baeres gibt sich siegessicher: "Wir klagen ja nicht gegen das Hollywood-Establishment. In der Branche ist das zweifelhafte Geschäftsgebaren von Franchise bekannt." Ohnehin hänge zwar eine Menge Umsatz an der Klage, aber nicht die Zukunft Intertainments. Daher will Baeres aus eigenem Antrieb auch in Zukunft keine Aktien verkaufen.

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