Anteilsaufstockung durch Generali
Commerzbank knüpft engeres Netz

Die Commerzbank intensiviert ihre Beziehungen in Europa. Die Vertriebskooperation mit der Generali wird vertieft. Die Italiener stocken zudem ihren Anteil auf. Vom spanischen BSCH wird Ähnliches erwartet.

gja/rob FRANKFURT/M. Die Commerzbank knüpft ein engeres Band zu ihren befreundeten Instituten in Südeuropa, um ihre Selbständigkeit zu sichern. Die Frankfurter Großbank teilte mit, der italienische Versicherer Generali werde seinen Anteil von derzeit etwa 5 % auf knapp 10 % erhöhen. Zugleich werde die bestehende Vertriebskooperation zwischen der Commerzbank und der Generali-Tochter AMB vertieft. Zudem würden "vor allem im Asset Management die strategischen Interessen der Partner enger zusammen geführt", so die Commerzbank.



Sie strebt neben der höheren Beteiligung der Generali auch eine Aufstockung des Anteils der spanischen Großbank BSCH an, die ebenfalls auf etwa 10 % gehen soll. Die Verhandlungen befänden sich "in fortgeschrittenem Stadium". Bereits vereinbart sei die Erhöhung des Anteils der italienischen Investmentbank Mediobanca von 1,2 auf 2 %. Insgesamt liege künftig gut ein Fünftel des Kapitals der Commerzbank bei befreundeten Instituten.



Offizielle Angaben über eine engere Kooperation zwischen Commerzbank und BSCH gab es noch nicht. In Bankenkreisen wird kurzfristig mit einer Mitteilung dazu gerechnet. Bis zu einem eventuellen Deal kann es nach Angaben eines Commerzbank-Sprechers aber möglicherweise noch bis Oktober dauern. In informierten Kreisen heißt es, die Spanier könnten eine Beteiligung an der Perle der Commerzbank anstreben, dem Direktbroker Comdirect. Zusammen mit den eigenen Aktivitäten des BSCH auf diesem Feld (Santander Direkt) entstünde ein fast flächendeckend in Europa vertretener Anbieter.



Nachgesagt wird den Spaniern auch ein Interesse am Filialgeschäft der Commerzbank. Dieses aber wird nun enger als bisher mit Generali bzw. der Aachener und Münchener-Gruppe (AM) verzahnt. Im Laufe der nächsten drei Jahre werden an bis zu 500 Standorten der Commerzbank 650 Berater der AM-Gruppe aktiv. Umgekehrt sollen an 250 AM-Standorten "Banking-Center" eingerichtet werden. Beide Partner versprechen sich von der engeren Kooperation die wechselseitige Erschließung der Kundenpotenziale.



Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht



Die weiteren strategischen Pläne von Generali und Commerzbank bleiben etwas vage. "Erste konkrete Schritte" seien im Bereich Private Equity und im Geschäft mit vermögenden Privatkunden geplant. Dort wird die Cobank ihr Schweizer Geschäft in die größere dortige Generali-Tochter BSI einbringen. In der Vermögensverwaltung werden beide gemeinsame Akquisitionen prüfen. Die Commerzbank betont, sie habe auf diesem Feld Zukäufe in Vorbereitung, vorzugsweise in den USA. Gemeinsam könne man größere Volumina finanzieren.



Einstweilen aber finanziert die Commerzbank die Anteilsaufstockung der Italiener zum Teil selbst. Das geht aus den Angaben zu den Modalitäten des Deals hervor. Gespeist werden die Transaktionen aus einer Kapitalerhöhung, die in mehreren Tranchen einen Wert von über 2 Mrd. Euro ausmachen und das Kapital der Commerzbank von 11,8 auf 14 Mrd. Euro erhöhen soll. Das Bezugsrecht der Altaktionäre soll dabei ausgeschlossen werden. Entsprechende HV-Genehmigungen lägen vor, versicherte der Banksprecher.



Die Vereinbarung mit Generali enthält eine Bar- und eine Sachkomponente. Der Konzern übernimmt 17 Mill. Commerzbank-Aktien gegen Barzahlung - zu einem "eng am Börsenkurs orientierten Preis". Der Sprecher erklärte, es liege der Durchschnitt der letzten Tage zugrunde. Damit dürfte das Volumen bei etwa 600 Mill. Euro liegen. Die Cobank-Aktie war zuletzt stark gefallen. Am Freitag schloss sie mit 35,20 Euro (minus 3,22 %). Weitere 9 Mill. Stück sichern sich die Italiener gegen Sacheinlage von 30 Mill. BSCH-Aktien.



Auch im Falle BSCH soll es eine Bar- und eine Sachkomponente geben. Als Sacheinlage will die Commerzbank dessen Tochter CC-Bank übernehmen. An ihr reizt die Commerzbank vor allem die rund 1 Mill. Kunden. Derzeit laufe die Due Diligence. Erst danach werde der Baranteil der Transaktion feststehen.



Beim Großaktionär Cobra stoßen die Pläne des Bankvorstands auf heftige Kritik. "Für mich steht außer Frage, dass sie primär von dem Motiv getrieben werden, eine mögliche unfreundliche Übernahme abzuwehren", sagte Cobra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann dem Handelsblatt. Die Pläne seien "unfair gegen alle anderen Aktionäre". Cobra halte sich alle Möglichkeiten offen, darauf zu reagieren; dazu gehöre eine außerordentliche HV ebenso wie eine Prüfung, ob der Kursverlauf manipuliert worden sei.



Hofmann bezeichnete Gerüchte, Verkäufe aus dem Cobra-Kreis hätten zum jüngsten Kursrutsch beigetragen, als "Schwachsinn". Die Investoren hätten gar keinen Zugriff auf ihre hinterlegten Cobank-Aktien. Im Übrigen habe der Kreis seinen Anteil von etwa 17 % zuletzt sogar erhöht. Er liege aber noch unter 20 %. Hofmann deutete die Möglichkeit an, dass dieser Anteil noch deutlich steigen könnte und sich Cobra - anders als bisher - gegen den Vorstand stellen könnte.

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